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Bauarbeiten: 30 Haltestellen in Frankfurt werden 2018 barrierefrei

Von Bis 2022 soll die Stadt alle Bus-, Straßen- und U-Bahn-Haltestellen barrierefrei umbauen. In diesem Jahr sind 30 Haltestellen an der Reihe. Meist geht das einher mit Behinderungen für den Straßenverkehr.
Die U-Bahn-Station „Musterschule“ an der Eckenheimer Landstraße wurde bereits barrierefrei umgebaut. Bilder > Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Die U-Bahn-Station „Musterschule“ an der Eckenheimer Landstraße wurde bereits barrierefrei umgebaut.
Frankfurt. 

Knapp drei Monate lang ging fast gar nichts mehr auf diesem Abschnitt der Hanauer Landstraße, von April bis Juni letzten Jahres: An den drei Straßenbahnhaltestellen Daimler-, Diesel-, und Hugo-Junkers-Straße wurden die Überwege barrierefrei umgebaut. Abzweige in und aus Seitenstraßen waren gesperrt, die „Hanauer“ war an den Baustellen nur einspurig, Lastwagen mussten Umleitungen nutzen. Nicht selten brauchten Autofahrer für diese 1,2 Kilometer mehr als eine halbe Stunde. Ein Extremfall war das, aber wenn an Bus- und Straßenbahnhaltestellen gebaut wird, betrifft das immer auch die Autofahrer. Zurzeit gibt es besonders viele dieser Baustellen. Denn bis 2022 sollen nach und nach alle Haltestellen barrierefrei umgebaut werden.

Karte: Diese Haltestellen sind im Jahr 2018 dran:

30 Maßnahmen in 2018

Aktuell sind von den stadtweit 86 U-Bahn-Stationen 82 barrierefrei, von den 136 Straßenbahn-Haltestellen 73 und von den 662 Bushaltestellen rund 340. In diesem Jahr plant die städtische Nahverkehrsgesellschaft Traffiq gemeinsam mit den städtischen Ämtern den Umbau von 23 Bus- und sechs Straßenbahnhaltestellen (siehe Infobox). So einschneidende Umbauten wie jene an der Hanauer Landstraße seien nicht dabei, sagt Traffiq-Sprecher Klaus Linek. Auch könne es sein, dass sich der Zeitplan im Laufe des Jahres noch verändere. „Wenn etwa die Stadt an einer Straße arbeitet, Leitungen repariert oder aus anderem Grund gearbeitet wird, kann es sein, dass wir eine dort liegende Haltestelle vorziehen.“ Es mache ja wenig Sinn, an einer Stelle innerhalb von ein, zwei Jahren mehrmals Baustellen einzurichten. Daher gebe es auch noch keinen genauen Zeitplan, sagt Linek. Ebenso ungewiss ist, ob und welche Behinderungen es für andere Verkehrsteilnehmer rund um die Baustellen geben wird. „Das Straßenverkehrsamt beschließt zu treffende Maßnahmen wie Umleitungen oder Fahrbahnsperrungen erst kurz vor Beginn der Arbeiten.“

Den barrierefreien Umbau des öffentlichen Nahverkehrs hat die Bundesregierung im Personenbeförderungsgesetz (PBeFG) festgeschrieben, erklärt Traffiq-Netzplaner Holger Reich. Bis 2022 sei der Umbau aller Haltestellen „zu erreichen“, hießt es dort. Der Umbau komme nicht nur Behinderten und alten Menschen, sondern allen Fahrgästen zugute, betont Linek. Er erinnert daran, wie mühsam es früher oft war, vom Straßenniveau in die alten Straßenbahnen und U-Bahnen einzusteigen. Mit Gepäck oder Kinderwagen sei das fast unmöglich gewesen. „Barrierefrei geht es für alle schneller und bequemer“, sagt Reich. Das verkürze auch die Fahrzeiten.

Begonnen habe der barrierefreie Umbau des öffentlichen Nahverkehrs bereits Anfang der 1990er Jahre, sagt Reich. „Damals bauten wir die ersten Aufzüge für U-Bahn-Haltestellen. Die ersten Niederflurbusse fuhren 1991.“ Anfangs sei Barrierefreiheit eher linienweise umgesetzt worden und „wenn Geld dafür bereitstand“, erklärt sein Kollege Viktor Zitzmann. 2014 entstand in Frankfurt ein Plan, den Umbau systematisch voranzutreiben. „Dabei geht es nicht nur nach Fahrgastzahlen, dann wäre die Innenstadt schnell barrierefrei und der Rest der Stadt erst später.“ Auch Umsteigeverbindungen etwa vom Bus zur U-Bahn, Form und Zustand der Haltestellen oder die Frage, welche sozialen Einrichtungen in der Nähe sind, spielte dabei eine Rolle.

Zwar gebe es zahlreiche Richtlinien und DIN-Vorschriften, jede Stadt könne aber eigene Vorstellungen einbringen, sagt Zitzmann. „In Frankfurt gibt es dazu den Arbeitsplan Barrierefreiheit.“ Nicht nur die Traffiq, die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) und städtische Ämter arbeiten daran mit, sondern die Frankfurter Behindertenarbeitsgemeinschaft und andere Behindertenbeauftragte. „Das ist wichtig, weil etwa Blinde andere Anforderungen haben als Rollstuhlfahrer.“

Hürden im Straßenraum

Der größte Aufwand beim barrierefreien Umbau entstehe im Straßenraum, sagt Reich. Die Höhe der Haltestelle muss an die Einstiegshöhe der Fahrzeuge angepasst werden: Bei Bussen 18 oder 22 Zentimeter, bei Straßenbahnen 24 Zentimeter. Weil der Spalt zwischen Fahrzeug und Haltestelle möglichst klein sein soll, werden Bushaltestellen als „Kap“ ausgebaut: Sie werden so weit bis zum Fahrbahnrand vorgezogen, dass die Busse sie gerade anfahren können, erklärt Zitzmann. Die früheren Haltebuchten müssten viel zu lang werden, bis zu 90 Meter lang, damit die Busse direkt am Bordstein halten können.

Während noch viele Bus- und Straßenbahnhaltestellen bis 2022 umzubauen sind, sind fast alle U-Bahn-Haltestellen inzwischen barrierefrei. Fast fertig ist der Einbau eines Aufzugs an der Station „Eschenheimer Tor“. Dann fehlen nur noch an zwei Haltestellen Aufzüge: „Westend“ (Bockenheimer Landstraße) und „Römerstadt/Niddapark“.

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