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Ex-Kämmerer von Frankfurt: AfD-Politiker Glaser: "Deutschland braucht Yücel nicht"

Von Der AfD-Politiker Albrecht Glaser, früher einmal Kämmerer in Frankfurt, prophezeit in einer Wahlkampfrede den Untergang Europas. Er kritisiert kriminelle Ausländer und findet, dass der in der Türkei inhaftierte Journalist Deniz Yücel in Deutschland nichts zu suchen habe.
Kritisierte Europa, Migration, Islam – und Deniz Yücel: Ex-Kämmerer Albrecht Glaser. Foto: Leonhard Hamerski Kritisierte Europa, Migration, Islam – und Deniz Yücel: Ex-Kämmerer Albrecht Glaser.
Frankfurt. 

Abstürzende Kurven, schlingernde Linien, schrumpfende Säulen: Mit drastischen Bildern prophezeite Albrecht Glaser in seiner Zeit als Frankfurter Kämmerer (1997 bis 2001) den finanziellen Ruin der Stadt. Einige Kommunalpolitiker erinnern sich noch mit Schrecken an die stundenlangen Lichtbildervorträge des damaligen CDU-Politikers im Stadtparlament.

Am Freitag kehrte Glaser, mittlerweile 75 Jahre alt, von seinem heutigen Wohnort in Nordhessen mit einer anderen Prophezeiung an seine frühere Wirkungsstätte am Main zurück. Er sagte den Untergang Europas vorher. Glaser gehört seit einigen Jahren der AfD an, zählt zur erweiterten Führungsriege. Bei der Bundestagswahl steht er auf Platz fünf der hessischen Landesliste.

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Rund 60 Zuhörer, darunter eine Handvoll Kritiker, sind in den großen Saal im Südbahnhof gekommen, um ihm zuzuhören. Sie müssen sich ihren Weg bahnen durch ein großes Polizeiaufgebot und Ordner, die die AfD selbst engagiert hat. Vor dem Bahnhof hat sich eine kleine Gruppe von Gegendemonstranten postiert. Sie werfen der AfD Hetze und Glaser Unfähigkeit vor.

Für Markus Fuchs, den Frankfurter Kreissprecher der AfD, ist das die „übliche linke Folklore“. Als später der Stadtverordnete Nico Wehnemann (Die Partei) während der Rede der Bundestagskandidatin Joana Cotar einen AfD-kritischen Sticker ans Rednerpult pappt, komplimentieren ihn Ordner ohne viel Aufhebens aus dem Saal. „Asylbewerber sind wesentlich krimineller als Deutsche“, ruft die in Rumänien geborene Cotar unter großem Applaus. „Wir wollen das individuelle Grundrecht auf Asyl abschaffen.“

Dann kommt Glaser mit seinen Zahlen. Ausführlich zitiert er die Kriminalstatistik, differenziert die Täterwahrscheinlichkeit einzelner Nationalitäten bis in die zweite Nachkommastelle.

Und dann kommt er irgendwie auf Deniz Yücel. Er spricht dem in Flörsheim geborenen Journalisten, der in der Türkei inhaftiert ist, das Bürgerrecht in Deutschland ab. Anlass ist ein vor sechs Jahren erschienener ironischer Artikel über Deutschland – „das Land, das ihm und seiner Familie eine neue Heimat geboten hat“. Zwar wünsche er ihm nicht, dass er in einem „diktatorischen Land“ in Haft sitzt, aber: „Bürger mit dieser Einstellung braucht unser Land nicht.“

Nach 30 Minuten solcher Vorbemerkungen fängt er mit seinen 34 Folien zum Thema Europa, Migration und Islam an. Kurven, Linien, Säulen: Glaser bleibt sich treu. „Man muss ein wenig in die Tiefe gehen“, sagt er. Der AfD-Politiker gibt sich apokalyptisch, wähnt Deutschland auf der Titanic: Jedes der vom ihm skizzierten Probleme könne das Land zerstören. „Wenn sie aber zusammen auftreten, gibt es keine Hoffnung mehr.“

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