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Kommentar: Bahnhofsviertel: Stadt darf sich nicht wegducken

Wenn Frankfurt die hohe Kriminalitätsbelastung des Viertels dauerhaft reduzieren will, muss die dortige Drogenszene eingedämmt statt gefördert werden. Ein Kommentar.
Die Frankfurter Polizei hat in der Nacht zum Freitag das Bahnhofsviertel durchsucht. Foto: Boris Roessler (dpa) Die Frankfurter Polizei hat in der Nacht zum Freitag das Bahnhofsviertel durchsucht.

Wenn Ortsfremde zum ersten Mal am Frankfurter Hauptbahnhof ankommen, sind sie geschockt. Denn auf dem Weg Richtung Stadtzentrum begegnen ihnen Dreck, Elend und Verwahrlosung – in einem Ausmaß und einer Heftigkeit, wie sie es in einer deutschen Großstadt nicht erwartet hätten.

Daniel Gräber Bild-Zoom
Daniel Gräber

Die Situation spitzte sich im Zuge der deutschen Willkommenspolitik zu. Denn nicht nur Flüchtlinge, sondern auch zahlreiche Kleinkriminelle verstanden die Bilder aus Deutschland als Einladung. Rund um den Hauptbahnhof, vor allem in den Unterführungen, fanden aggressiv auftretende Drogendealer aus Nordafrika ein neues Betätigungsfeld. Die Polizei reagierte verspätet, aber massiv. Das Frankfurter Bahnhofsviertel zählt inzwischen wohl zu den Ecken Deutschlands, in denen die meisten Polizisten pro Quadratmeter unterwegs sind.

Zusätzlich zur hohen Polizeidichte im Alltag sollen öffentlichkeitswirksame Großkontrollen, wie am Donnerstagabend mit fast 500 Beamten, Druck auf Straftäter erzeugen und die Bürger beruhigen. Ein starker Staat zeigt Zähne. Dieses Signal wollte der hessische Innenminister wohl auch im Hinblick auf die nahende Landtagswahl vermitteln. Doch die Probleme im Bahnhofsviertel werden durch die Polizei allein nicht zu lösen sein. Gefragt sind dort zwei weitere wesentliche Akteure: die Justiz und die Stadt.

Wenn Strafrichter aus falsch verstandener Liberalität einen Drogendealer wieder laufen lassen, weil er „nur“ mit einer kleineren Menge Rauschgift erwischt wurde, bleiben die Bemühungen der Ermittler wirkungslos. Auch für Durchsuchungsbeschlüsse und Observationen ist die Polizei auf Richter angewiesen, die den Ernst der Lage erkannt haben.

Bilderstrecke Polizeieinsatz: Großrazzia im Frankfurter Bahnhofsviertel
Bei der nach Polizeiangaben bislang größten Razzia im Bahnhofsviertel waren am 13. September 2018 rund 500 Beamte im Einsatz, ganze Straßenzüge wurden abgesperrt, hunderte Verdächtige wurden kontrolliert. Die Straßen- und Drogenkriminalität im Rotlichtbezirk der Mainmetropole stehen seit Jahren im Fokus von Polizei und Kommunalpolitik. Es folgen weitere Bilder.

Vor allem aber müssen sich die verantwortlichen Kommunalpolitiker einer womöglich schmerzhaften Frage stellen: Ist der „Frankfurter Weg“ in der Drogenpolitik wirklich noch das Erfolgsmodell, als das er seit Jahren verkauft wird? Die mit Steuergeld finanzierten Konsumräume bieten den Abhängigen zwar Schutz und Hilfe. Sie sorgen aber gleichzeitig dafür, dass die Rauschgift-Nachfrage im Bahnhofsviertel hoch bleibt. Daran wird kein noch so massiver Polizeieinsatz etwas ändern.

Polizisten stehen bei der bislang größten Razzia im Bahnhofsviertel am Donnerstagabend vor einem Rotlicht-Etablissement.
Razzia Großeinsatz: Straßensperren und Kontrollen im ...

Eine groß angelegte Razzia mit 470 Polizisten hat in der Nacht von Donnerstag auf Freitag das gesamte Bahnhofsviertel mehrere Stunden lahm gelegt. Polizei, Steuerfahndung und Lebensmittelkontrolleure haben Bars, Laufhäuser, Clubs und Lokale durchsucht.

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Wenn Frankfurt die hohe Kriminalitätsbelastung des Viertels dauerhaft reduzieren will, muss die dortige Drogenszene eingedämmt statt gefördert werden. Dafür wäre ein Oberbürgermeister gefragt, der das Problem zur Chefsache erklärt. Peter Feldmann hat es bisher lieber kleingeredet und das lebendige Flair des multikulturellen Szeneviertels gelobt.

Bilderstrecke Bahnhofsviertel: Historische Fotos von Frankfurts sündigem Revier
Das Bahnhofsviertel ist nur einen halben Quadratkilometer groß, und doch fasziniert gerade dieser Teil Frankfurts seit Jahrzehnten mit seinem Flair aus Geschäftstraßen, Rotlichtmilieu und einer Lebendigkeit, die keinen Schlaf kennt. Steigen Sie mit uns in die Zeitmaschine und erleben Sie die sündige Meile der Stadt im Wandel der Zeit, dokumentiert in zahlreichen historischen Aufnahmen.<br><br>Diese historische Aufnahme zeigt den nördllichen Teil der Elbestraße, fotografiert von der Kaiserstraße aus. Sie wurde im Jahre 1890 eröffnet, nachdem das ehemalige Eisenbahngelände zum Bebauen freigegeben war.Die internationale "Elektrotechnische Ausstellung" auf dem Gelände vor dem Hauptbahnhof im Jahr 1891 galt als technische Sensation: 1,2 Millionen Besucher wurden gezählt.Straßenszene (undatierte Aufnahme) im Wohngebiet Bahnhofsviertel, vermutlich fotografiert Anfang des 20. Jahrhunderts.
Bilderstrecke Der Hauptbahnhof Frankfurt im Wandel - von den Anfängen bis heute
Der Frankfurter Hauptbahnhof steht kurz vor einem großem Umbau, der 2016 losgehen soll. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1888 wurde der Verkehrsknoten schon häufig verändert und außen und innen saniert. Wir zeigen in unserer Bilderstrecke den Wandel der vergangenen Jahrzehnte bis heute. Hier eine Aufnahme des Vorplatzes und Haupteingangs um 1900.Der Hauptbahnhof nach der Eröffnung im Jahr 1888.Montage der Hallenbinder mit Hilfe eines auf zwanzig Rädern fahrbaren Gerüsts, 1885.
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