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Obdachloser in Frankfurt: Ein Jahr nach Streit: "Eisenbahn-Reiner" zeigt weiter sein Spielzeug

"Eisenbahn-Reiner" ist auch ein Jahr nach dem Streit um seinen Stammplatz in der Frankfurter Innenstadt noch da. Unumstritten ist das aber nach wie vor nicht.
Der als "Eisenbahn-Reiner" in der Frankfurter Obdachlosen-Szene bekannte Reiner Schaad sitzt am 06.10.2016 auf seinem Stammplatz in der Innenstadt von Frankfurt am Main (Hessen). Foto: Boris Roessler (dpa) Der als "Eisenbahn-Reiner" in der Frankfurter Obdachlosen-Szene bekannte Reiner Schaad sitzt am 06.10.2016 auf seinem Stammplatz in der Innenstadt von Frankfurt am Main (Hessen).
Frankfurt.  Seit der Aufregung um seinen Stammplatz in der Frankfurter Fußgängerzone hört «Eisenbahn-Reiner» häufiger Sympathie-Bekundungen von Passanten. «Das hat schon einiges gebracht bei den Leuten», erzählt der wegen seiner Spielzeugsammlung bekannte Obdachlose ein Jahr nach dem Ende des Streits, in dem sogar Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) für ihn Partei ergriff. Seither präsentiert Reiner Schaad wieder seine Züge, Spielzeugautos und Plastikfiguren auf einer Decke in der Nähe der Einkaufsstraße Zeil - umrahmt von Zeitungsartikeln über ihn. «Ich brauche morgens zwei Stunden, um aufzubauen», erzählt der 46-Jährige.

Die notwendige Sondernutzungserlaubnis hat Schaad seit einem Jahr. «Es gibt keine Gründe, die Genehmigung zurückzuziehen», sagt Stefan Lüdecke vom zuständigen SPD-geführten Verkehrsdezernat. «Uns liegen keine Beschwerden vor.» Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) sieht das nach wie vor kritisch, wie auch Bruder Paulus vom Kloster am Liebfrauenberg - gegenüber von Schaads offiziellem Platz.

Welle der Hilfsbereitschaft Eisenbahn-Reiner berührt Frankfurts Bürger

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Vor rund einem Jahr hatte das Ordnungsamt «Eisenbahn-Reiner» untersagt, seine Spielsachen weiterhin in der Fußgängerzone aufzubauen. Ihm fehle die vorgeschriebene Erlaubnis und er beanspruche mit seinen Habseligkeiten zu viel Platz im öffentlichen Raum, lauteten die Argumente. Das sorgte für eine Aufruhr in den sozialen Netzwerken, für zahlreiche Medien-Berichte und für Streit in der Stadtkoalition aus CDU, SPD und Grünen. Auch OB Feldmann schaltete sich ein: «Das Vorgehen gegen den Obdachlosen passt nicht zu unserer Stadt.»

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling erteilte Schaad schließlich die Sondernutzungserlaubnis. Das Amt für Straßenbau und Erschließung brachte auf dem Pflaster dafür eigens eine Bodenmarkierung an - «in der Liebfrauenstraße zwischen der dritten und der vierten Baumscheibe von Süden». Er habe die Sondernutzungserlaubnis «mit einem gewissen Augenzwinkern» erteilt, hatte der SPD-Politiker gesagt. Lieber hätte er den schon mindestens sechs Jahre andauernden Zustand einfach weiter geduldet. Nachdem Ordnungsdezernent Frank dies aber von der Genehmigung abhängig gemacht habe, sei die Angelegenheit zu einem Verwaltungsakt geworden.

Frank sieht das noch immer kritisch: Die Genehmigung beraube «Eisenbahn-Reiner» der Möglichkeit, ins normale gesellschaftliche Leben zurückzukehren und mithilfe einer sozialen Organisation wieder in Arbeit zu kommen, heißt es dazu in seinem Büro.

Bruder Paulus hatte die Aktion des Ordnungsamtes vor rund einem Jahr mit ins Rollen gebracht, wie er selbst sagt. Dabei sei es zunächst aber um einen anderen Obdachlosen gegangen, mit dem die Behörde zuvor sehr streng umgegangen sei, also mit zweierlei Maß gemessen habe.

Oesterlings Genehmigung steht nach Ansicht von Bruder Paulus in der Sprache und der Sache der Würde Schaads entgegen. Menschen in der Obdachlosigkeit seien in einer psychischen Ausnahmesituation. Sie bräuchten Unterstützung durch die Sozialarbeit. Der Geistliche fordert Ordnung, eine klare Strategie, Wahrheit und Gerechtigkeit. «Wenn von den 110 000 bis 150 000 Menschen, die jeden Tag an Herrn Schaad vorbeigehen, nur jeder Tausendste einen Euro gibt, sind das schon um die 120 Euro pro Tag.» So treibe er auf dem Rücken wirklich Obdachloser seinen Schabernack mit der Gesellschaft. Unterstützt werde die Situation von Menschen, die sie vor ihrer eigenen Haustür nicht haben wollten.

(dpa)

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