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Wieder Rettungskräfte angegriffen: Familienvater schlägt und würgt Helfer, die er selbst verständigt hatte

Von Erneut sind Mitarbeiter des Frankfurter Rettungsdienstes angegriffen und bei ihrer Arbeit behindert worden. Dieses Mal rastete der Vater eines verunglückten Teenagers aus. Beim Eintreffen des Rettungswagens ging der betrunkene Mann brutal gegen die Besatzung vor, später störte er auch die Arbeit der Ärzte in der Notaufnahme. Derartige Vorfälle sind keine Seltenheit.
Ein Blaulicht leuchtet auf dem Dach eines Polizeiwagens. Foto: F. Gentsch/Archiv Ein Blaulicht leuchtet auf dem Dach eines Polizeiwagens.
Frankfurt. 

Es war Sonntag, etwa 18.50 Uhr, als der Notruf in der Leitstelle der Branddirektion einging. Ein Familienvater (41) forderte einen Rettungswagen für seinen Sohn (14) an, der sich bei einem Unfall daheim verletzt hatte. Am Telefon soll der Mann, der nahe der Bergerstraße wohnt, zunächst angespannt, aber normal gewirkt haben. Als der Leitstellenmitarbeiter wie üblich Rückfragen stellte, um größere Klarheit über den Fall zu erlangen, soll der Vater dann plötzlich aggressiv geworden sein und üble Beleidigungen und Drohungen geäußert haben – bis hin zur Ankündigung, er werde „ganz Frankfurt anzünden“.

Die Leitstelle forderte zum Schutz der Rettungskräfte eine Polizeistreife an. Als der Rettungswagen innerhalb der vorgeschriebenen Hilfsfrist an der genannten Adresse zum Stehen kam, riss der Vater sofort die Fahrertür auf, schrie die Besatzung an, schlug dem Fahrer mehrfach ins Gesicht und würgte den Beifahrer. Während der Angriffe stieß der bis dahin nicht polizeibekannte Mann wiederum Beleidigungen und Drohungen hervor. Den erfahrenen Rettungskräften gelang es trotz der erschwerten Umstände, den verletzten Teenager zu versorgen und in Begleitung seiner Mutter (41) in die Uni-Klinik zu bringen.

Die Polizisten, die ein paar Minuten nach dem Rettungswagen an der Einsatzstelle eingetroffen waren, beschimpfte und bedrohte der Vater ebenfalls. Die Beamten führten die üblichen polizeilichen Maßnahmen durch und entließen ihn. Das erwies sich als Fehler, denn der Mann tauchte – wohl von seiner Frau informiert – in der Notaufnahme der Klinik auf. Dort verhinderte er mit seinem hochaggressiven Verhalten, dass die Mediziner ihre Arbeit tun konnten.

Laufende Ermittlungen

Die Polizei wurde erneut alarmiert. Die Beamten erteilten dem Mann einen Platzverweis. Weil der Vater diesem nicht nachkam und sich wehrte, nahmen sie ihn in Gewahrsam. Er musste einen Atemalkoholtest machen, der einen Wert von gut 1,2 Promille ergab. Gegenüber den Beamten sagte der Mann, dass ihm die ärztliche Behandlung seines Sohnes nicht schnell genug erfolgt sei. Die Polizei ermittelt nun wegen Beleidigung, Bedrohung und Körperverletzung.

Das Ereignis, das diese Zeitung in diesem Bericht auf Grundlage von Informationen der Polizei und Branddirektion schildert, ist keineswegs ein Einzelfall: Vor knapp einem Monat wurden Rettungskräfte an der Konstablerwache in der Innenstadt bei der Reanimation eines Mannes so stark gestört, dass sie die Polizei rufen mussten. Die Beamten wurden beschimpft und in einem Fall auch geschubst.

„Dramatische Zunahme“

Leo Latasch, Ärztlicher Leiter des Frankfurter Rettungsdiensts, berichtetete im Zusammenhang mit dem Vorfall, die Gewalt gegen Rettungskräfte habe „so dramatisch zugenommen, dass es keine Hilfseinrichtung mehr gibt, die ihre Mitarbeiter nicht für entsprechende Situationen schult“. Dass bei Rettungseinsätzen zum Schutz der Einsatzkräfte die Polizei hinzugezogen werden müsse, kam nach Lataschs Worten zuletzt immer häufiger vor.

Christian Scheh
Kommentar: Schutzparagraf konsequent anwenden

Dass die Polizei außer vielen Freunden auch einige Feinde hat, ist allgemein bekannt. Straftäter und Extremisten bekommen es gar nicht gern mit Polizisten zu tun und sind offenbar auch immer häufiger

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Latasch führt aus, dass es vor allem im häuslichen Bereich zu verbalen, aber auch körperlichen Übergriffen auf Rettungskräfte komme. Manchmal empörten sich Männer, wenn ihnen klar werde, dass die Behandlung ihrer Frau mit einer körperlichen Untersuchung verbunden sei. Manchmal sei Alkoholkonsum der Grund für ihre unkontrollierte Aggression. Latasch berichtet, dass die Leitstelle im Fall von Alarmierungen zu bestimmten Adressen automatisch eine Polizeistreife hinzurufe – entsprechende Vermerke im Einsatzsystem gebe es.

Dezernent ist empört

Der Frankfurter Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) verurteilt den erneuten Angriff auf Rettungskräfte auf das Schärfste und spricht von einem „nicht hinnehmbaren Vorfall“. Verbale und tätliche Angriffe auf Einsatzkräfte – seien es Rettungskräfte, Feuerwehrleute oder Polizisten – nennt der Stadtrat „völlig inakzeptabel“. Frank verweist diesbezüglich auf den neuen Schutzparagrafen, der wie berichtet auf härtere Strafen für entsprechende Taten abzielt. Die Branddirektion werde in Abstimmung mit der ermittelnden Polizeibehörde einen Strafantrag stellen, damit das Handeln des Angreifers vom Sonntag „strafrechtlich gewürdigt“ werde.

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