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Gefährliche Erreger: Frankfurt: Experten finden weitere Keime in Gewässern

Von Nachdem im Frühjahr im Eschbach multiresistente Erreger gefunden worden waren, hatte das Gesundheitsamt Proben aus 19 Oberflächengewässern auf antibiotikaresistente Keime untersuchen lassen. Nun liegen die Ergebnisse vor.
Die Idylle trügt: Experten der Universität Bonn fanden unter anderem im Rebstockweiher Keime, gegen die kein Antibiotikum mehr wirkt. Unklar ist, wie die Erreger dorthin gekommen sind. Möglicherweise könnten Wildvögel bei der Verbreitung der Keime eine Rolle spielen. Foto: Rainer Rüffer Die Idylle trügt: Experten der Universität Bonn fanden unter anderem im Rebstockweiher Keime, gegen die kein Antibiotikum mehr wirkt. Unklar ist, wie die Erreger dorthin gekommen sind. Möglicherweise könnten Wildvögel bei der Verbreitung der Keime eine Rolle spielen.
Frankfurt. 

Es sind nicht irgendwelche Keime, die Experten der Bonner Universität in den Gewässerproben aus Frankfurt nachgewiesen haben. Es sind Bakterien, gegen die selbst Reserveantibiotika machtlos sind, gegen die es also keine wirksamen Medikamente mehr gibt. Dennoch bestehe „kein Grund zur Panik“, versichert Keimexpertin Prof. Dr. Ursel Heudorf, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes.

Wildvögel und Landwirte

Gefunden haben die Wissenschaftler diese Super-Erreger in insgesamt fünf Proben, unter anderem aus dem Urselbach. Die multiresistenten Bakterien tummelten sich aber auch an Stellen, wo die untersuchten Gewässer – anders als der Urselbach – nicht durch Wasser aus einer Kläranlage belastet sind. Fündig wurden die Forscher im Rebstockweiher, in der Nidda und im Königsbach. Die Keime, die sie dort nachweisen konnten, müssen also auf anderen Wegen ins Wasser gelangt sein. „Weitere Einflussfaktoren sind wahrscheinlich“, bestätigt Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne). Neben den Wildvögeln, die bereits im Frühjahr als potenzielle Keimschleudern in den Fokus gerückt waren, nennt der Stadtrat die Landwirtschaft als eine weitere Verbreitungsmöglichkeit und kündigt einen „ausführlichen Bericht“ zu den Befunden an, um „diffuse Ängste“ der Bürger „abzubauen“.

Auch im Urselbach wiesen die Forscher gefährliche Erreger nach. Bild-Zoom Foto: Rainer Rüffer
Auch im Urselbach wiesen die Forscher gefährliche Erreger nach.

Untersucht haben die Bonner Wissenschaftler den Main bei Fechenheim und Höchst, die Nidda bei Harheim und Rödelheim, jeweils drei Stellen (eine vor und zwei nach den Kläranlagen) in Erlenbach, Eschbach und Urselbach. Im Kalbach, Königsbach, Liederbach, Sulzbach, Westerbach und im Rebstockweiher nahmen die Experten je eine Probe.

Gefunden haben sie nicht nur multiresistente Keime, sondern an acht Stellen auch Genreste solch gefährlicher Erreger. Auch das birgt Risiken, weil sich lebende Bakterien aus diesen Genbausteinen bedienen und diese in ihr eigenes Erbgut integrieren können.

Vor allem unmittelbar nach Kläranlagen, wo sie auch viel Nahrung finden, könnten sich Keime deshalb „wunderbar austauschen“, erläutert Heudorf – eine Art Baukasten für Super-Erreger.

Baukasten-Prinzip

Dass es notwendig sein könnte, bundesweit Kläranlagen aufzurüsten, um gefährliche Krankheitserreger, aber auch Antibiotika aus dem Wasser zu filtern – Heudorf möchte dies nicht ausschließen, verweist aber auf die bundesweite Hyreka-Studie zum Thema, deren Ergebnisse noch ausstehen.

„Inwieweit wir es mit einer zunehmenden Ausbreitung Antibiotika-resistenter Erreger zu tun haben, können nur Langzeituntersuchungen ergeben“ unterstreicht der Bonner Hygieniker Prof. Dr. Achim Exner, der die Frankfurter Proben analysiert hat und an der Hyreka-Studie beteiligt ist.

Aus den bisherigen Ergebnissen, das betont Exner, ergebe sich kein Hinweis für eine Gefährdung der Bevölkerung, sofern sich die Bürger an die Empfehlungen des Gesundheitsamtes hielten. Dieses rät davon ab, in Oberflächengewässern zu schwimmen und empfiehlt, nach dem Kontakt mit Wasser oder Schlamm aus Flüssen und Weihern die Hände gründlich zu waschen. Wer diese Ratschläge beachte, müsse sich keine Sorgen machen, versichert auch Heudorf. „Die Haut ist eine gute Schutzbarriere. Die großen Probleme mit multiresistenten Erregern treten nach wie vor im Krankenhaus auf, nicht außerhalb des Krankenhauses.“

So war es auch im Frühjahr dieses Jahres, als sich auf der Intensivstation der Uniklinik ein gefährlicher Keim ausgebreitet hatte. Damals war ein Patient mit einem multiresistenten Erreger in die Klinik eingeliefert worden, vier weitere Patienten infizierten sich. Der Fall war Auslöser für die jüngsten, umfangreichen Gewässeruntersuchungen, weil Experten davon ausgehen, dass sich der Patient den Keim bei einem Sturz in den Mühlgraben eingefangen haben dürfte. Dort ließ sich der Erreger aber nicht nachweisen. Einen zumindest verwandten Keim haben die Forscher nun aber im Urselbach gefunden. Er wird derzeit intensiver untersucht, um zu klären, ob es sich um den selben Erreger handelt.

Bereits seit 30 Jahren nimmt das Gesundheitsamt an 19 Stellen in der Stadt Gewässerproben. Erstmals hatten die Experten nun aber gezielt nach multiresistenten Keimen gesucht.

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