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ÖPNV: Schwarzfahrer bekommen Gelbe Karte

Etwa fünf Prozent nutzen in Frankfurt den öffentlichen Nahverkehr ohne gültiges Ticket. Jedes Jahr entstehen den Verkehrsgesellschaften dadurch vier Millionen Euro Schaden. Zahlen müssen das die ehrlichen Fahrgäste und der Steuerzahler. Darauf wollte man aufmerksam machen – mit einem Gnadenakt.
Du kommst nicht vorbei! Zumindest nicht ohne Ticket. Doch wer keines hat, aber hier ankommt, der wurde an der Höhenstraße diesmal nur verwarnt. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Du kommst nicht vorbei! Zumindest nicht ohne Ticket. Doch wer keines hat, aber hier ankommt, der wurde an der Höhenstraße diesmal nur verwarnt.
Frankfurt. 

Da schoss gestern bei Schwarzfahrern der Adrenalinspiegel wieder nach oben. Dabei lief es doch so gut. Ohne kontrolliert zu werden kamen sie bis zur U-Bahn-Haltestelle Höhenstraße. Dann das: Stationskontrolle. In Reihen stehen die Männer und Frauen in den bekannten Uniformen an den beiden Ausgängen. Kein Durchkommen. Kein schnelles Aus-der-Bahn-springen-und-wegrennen. Wohin nur? Was tun?

„Ob jemand schwarz fährt, kann man nicht an der Kleidung ablesen“, sagt Yvonne Seitz. Seit zehn Jahren kontrolliert sie schon Tickets in Frankfurts Bussen und Bahnen. „Aber wenn sie wissen, dass sie erwischt werden, dann erkennt man es im Gesicht.“ Wie die Ticketlosen reagierten, sei dabei ganz unterschiedlich. Manche seien genervt, aber ergeben sich ihrem Schicksal, andere flüchten sich in Ausreden. Wieder andere wollen sich drücken, fahren die Rolltreppe wieder runter, versuchen einen anderen Ausgang oder mit der Bahn abzuhauen. „Da sind sie den Kontrolleuren aber meist schon aufgefallen und einer geht ihnen nach“, sagt Seitz. Da gibt es dann kaum ein Entkommen.

60 Euro Strafe

Gestern sind die Schwarzfahrer an der Höhenstraße, Bornheim Mitte, in der Straßenbahnlinie 12 und vier Buslinien aber noch mal glimpflich davon gekommen. Statt Strafe und unter Umständen einer Anzeige – nämlich dann, wenn man schon das zweite Mal in drei Monaten erwischt wurde – gab es nur die Gelbe Karte. Also im übertragenen und wortwörtlichen Sinn. Denn es blieb bei der Verwarnung. Die Kontrolleure drückten ihnen aber auch tatsächlich eine Gelbe Karte in die Hand. Darauf wird noch einmal erklärt, was ein ungültiges Ticket ist und – was die meisten wohl schon wissen –, dass die Strafe beim nächsten Mal 60 Euro beträgt.

Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF), der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und die Traffiq haben die Aktion gemeinsam organisiert. Denn Schwarzfahren kostet Geld und zwar für den Steuerzahler und die, die anständig ihr Ticket kaufen. 40 Millionen entgehen den Verkehrsgesellschaften jedes Jahr durch Schwarzfahrer. Da sind die 265 000 Arbeitsstunden der Kontrolleure noch nicht mit eingerechnet. „Das müssen wir auf die Ticketpreise umlegen“, sagt Knut Ringat. Er ist Geschäftsführer des RMV. Und weil die VGF der Stadt Frankfurt gehört, müssen für deren Verluste am Ende die Frankfurter Steuerzahler aufkommen.

Unterschiedliche Motive

Im Durchschnitt sind etwa fünf Prozent der Fahrgäste ohne gültiges Ticket mit Bus oder Bahn unterwegs. Die Zahl sei in den vergangenen Jahren gesunken, sagt Thomas Wissgott, Geschäftsführer der VGF. „Weil wir deutlich mehr kontrollieren und Fahrkarten mittlerweile auch online mit dem Handy gekauft werden können.“ Interessant sei, dass die Schwarzfahrerquote nicht dort besonders hoch ist, wo Menschen mit geringerem Einkommen wohnen. „Das könnte man ja erwarten, weil sich dort mehr Leute den Fahrpreis nicht leisten könnten“, sagt Wissgott. Viel mehr sei es aber andersherum.

Die Motive, schwarz zu fahren, sind vielfältig. Der eine kann sich schlicht kein Ticket leisten, andere sehen darin eine politische Protestform, wieder andere hatten einfach kein passendes Geld am Automaten. Wenn der übrigens kaputt ist, wird das registriert und man bekommt seine Strafzahlung zurück.

„Es gibt aber auch solche Schwarzfahrer, die in der Brusttasche ihres Hemdes schon die 60 Euro parat haben“, erzählt Kontrolleurin Seitz. Spricht sie diese an, reichen sie ihr nur das Geld und würdigen die Kontrolleurin keines Blickes.

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