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Lange Wartezeiten und schlechter Service: Warum sich Kunden über die Frankfurter Ausländerbehörde beschweren

Von Wer ohne Termin bei der Ausländerbehörde vorsprechen will, muss Geduld haben. Manche Kunden harren die ganze Nacht vor der Tür aus, um eine der begehrten Nummern zu erhalten. Es wird sogar von Osteuropäern berichtet, die sich vordere Schlangenplätze sichern, um sie am Morgen zu verkaufen.
Gestern, 5.30 Uhr: Vor der Ausländerbehörde in der Kleyerstraße stehen schon mehr als 20 Menschen. Manche warten schon seit Stunden. Gestern, 5.30 Uhr: Vor der Ausländerbehörde in der Kleyerstraße stehen schon mehr als 20 Menschen. Manche warten schon seit Stunden.
Frankfurt. 

Der Chinese Xiaotian Huang (33) nennt seinen jüngsten Besuch bei der Frankfurter Ausländerbehörde „die schlechteste Erfahrung, die ich je gemacht habe“. Er habe sich schon um 0.30 Uhr vor die Tür gestellt und die ganze Nacht dort verbracht, um nach der Öffnung um 7.30 Uhr eine Nummer für seine Frau zu bekommen, sagt der Unternehmensberater. Huang berichtet von Menschen aus seinem chinesischen Bekanntenkreis, die nicht bei der Behörde vorsprechen konnten, obwohl sie sich schon um 4 Uhr früh angestellt hatten. „Die Zahl der Nummern, die vergeben werden, ist nicht groß – wer keine bekommt, wird heimgeschickt“, sagt Huang.

(Symbolbild)
Frankfurter Ausländerbehörde Kommentar: Weltoffenheit sieht anders aus

Die Menschen, die zur Frankfurter Ausländerbehörde kommen, haben es schwer: Kaum Termine, lange Wartzeiten und schlechter Service sind ein Problem. Gerade in diesen Zeiten, wirft das kein gutes Licht auf die Mainmetropole. Ein Kommentar.

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Anstehen ab 0.30 Uhr

Als der Chinese um 0.30 Uhr mit extradicken Klamotten und Verpflegung für die Nacht an der Ausländerbehörde in der Rebstöcker Straße eintraf, glaubte er, früh dran zu sein. „Tatsächlich waren aber schon neun Leute da“, berichtet er. Ganz vorn seien vier Männer – „Osteuropäer oder Araber“ – gewesen, die sich offenbar nur angestellt hatten, um am Morgen ihre guten Schlangenplätze zu verkaufen. Das sei dann auch geschehen. Wie viel Geld die Behördenkunden den Männern jeweils in die Hand drückten, um sich vorn einreihen zu dürfen, konnte Huang nicht erkennen. „Eine Frau, die mit den vier Männern gesprochen hatte, sagte aber etwas von 80 Euro.“

Ringe unter den Augen

Huang berichtet, dass seine Frau am Morgen hinzugekommen sei. Nach einer etwa zweistündigen Wartezeit in der Behörde habe sie dann ihr Visum verlängern können. Huang ergänzt, dass das Ordnungsamt früher immer eine Information schickte, wenn der Ablauf des Visums bevorstand. Auch ein Termin für die Verlängerung und die erforderlichen Dokumente seien darin genannt worden. Diesen Service gebe es heute „leider“ nicht mehr. „Denn die Telefonnummer, die man anrufen muss, um selbst einen Termin auszumachen, ist fast immer besetzt.“

Gestern, Mittwoch, um 5 Uhr stand vor der Ausländerbehörde ein Dutzend Menschen, eine Stunde später waren es schon doppelt so viele. Die Ersten in der Schlange waren zwei Kosovaren, die weder Deutsch noch Englisch sprachen. Der Dritte war ein Syrer, der sich nach eigenen Worten um 23 Uhr vor die Tür gestellt hatte. „Ich habe gegessen, getrunken und mit meinem Handy gespielt“, erzählte der Mann mit deutlich sichtbaren Augenringen. Er sei vor einem Jahr als Flüchtling nach Deutschland gekommen und wolle nun Fingerabdrücke für einen Ausweis abgeben. Die Mitarbeiter der Ausländerbehörde machten schon einen guten Job, offenbar herrsche dort aber Unterbesetzung.

Das sah eine Gruppe von Syrern weiter hinten in der Schlange ebenso: Es gebe zehn, zwölf Schalter, besetzt sei aber meistens nur die Hälfte davon, schätzten die Männer. Einer von ihnen – Nummer elf in der Schlange – bekundete, sich um 3.30 Uhr aufgestellt zu haben. „Es kommen nur maximal 20 Leute dran“, hatte der 26-Jährige gehört, „deshalb bin ich so früh gekommen.“ Gegen die Kälte trank der junge Mann heißen Tee, die Finger wärmte er sich an der Glastasse.

Dass sich vor der Ausländerbehörde manchmal „Geschäftemacher“ anstellen, um ihren Schlangenplatz zu verkaufen, hat einer der Syrer auch schon gehört. „Ist eigentlich eine gute Idee“, flachste er. Auch Auseinandersetzungen unter Wartenden soll es schon gegeben haben, daher sei schließlich ein Sicherheitsdienst engagiert worden.

„Zugespitzt, teils falsch“

Michael Jenisch, Sprecher des Frankfurter Ordnungsamts, das in der Stadt als Ausländerbehörde fungiert, sagte gestern, dass die Problematik grundsätzlich bekannt sei. Es handele sich um „kein tagesaktuelles Thema“. Zu Vorgängen wie den geschilderten werde es voraussichtlich auch in den kommenden Tagen und Wochen kommen. „Wir arbeiten an Lösungen“, teilte Jenisch mit. Der Behördensprecher sagte aber auch, dass die Kunden die Vorkommnisse „zugespitzt und teils falsch dargestellt“ hätten. Jenisch sagte, dass die Schilderungen an die zuständige Abteilung weitergeleitet worden seien. Wenn sich die Mitarbeiter zurückgemeldet haben, soll es eine ausführlichere Stellungnahme dazu geben.

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