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Stadt braucht neue Asyl-Unterkünfte: Zu wenig Platz für Flüchtlinge in Frankfurt

Von Die Flüchtlingszahlen in Frankfurt steigen. Die Stadt sucht mit Hochdruck nach Möglichkeiten, weitere Menschen aus Krisengebieten unterzubringen. Ein Problem mit Sicherheitsdiensten gebe es derweil nicht.
Das Hotel Anna in Griesheim ist eines von 50 Hotels in Frankfurt, in denen die Stadt Flüchtlinge untergebracht hat. Die Obdachlosenheime haben längst nicht mehr genug Plätze.	Fotos: Reuß/Scheh Das Hotel Anna in Griesheim ist eines von 50 Hotels in Frankfurt, in denen die Stadt Flüchtlinge untergebracht hat. Die Obdachlosenheime haben längst nicht mehr genug Plätze. Fotos: Reuß/Scheh
Frankfurt. 

200, 400, 1000 – die Zahl der Asylbewerber in Frankfurt ist von 2012 bis 2014 drastisch gestiegen. Die Zahl 1000 für das laufende Jahr ist natürlich noch eine Prognose, allerdings eine konservative: Das Sozialdezernat geht davon aus, dass die Stadt bis zum 31. Dezember noch mehr Asylbewerber aufgenommen haben wird. Grund für das dicke Plus sind die Flüchtlingsströme aus Krisengebieten wie Syrien, Eritrea und Afghanistan. Hessen muss 7,3 Prozent aller Flüchtlinge aufnehmen, die in Deutschland stranden. Von diesen kommen dann 7 Prozent nach Frankfurt – so sehen es die Verteilungsschlüssel des Bundes und Landes vor.

Der Fall der Wachleute, die in Nordrhein-Westfalen mehrere Flüchtlinge misshandelt haben sollen, hat die Frage der Unterbringung von Menschen aus Krisenregionen in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Manuela Skotnik, Sprecherin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU), sagte gestern, dass Sicherheitsdienste in Frankfurt kaum eine Rolle spielten, weil es keine Massenunterkünfte wie zum Beispiel Kasernen gebe. Das größte Wohnheim verfüge über etwa 200 Plätze.

Heinz Gonter vom Evangelischen Verein für Wohnraumhilfe berichtet von zwei größeren Unterkünften mit Sicherheitsdienst. Vor allem nachts sei ein Wachmann da, damit die Bewohner nicht allein sind, wenn es zum Beispiel zu einem Feuer oder einem Streit kommt. Auch Ludger Schmiesing vom Internationalen Bund erzählt von einem Wohnheim, in dem „im Sommer, an Weihnachten und Silvester“ ein Wachmann seine Runden drehe. Dieser habe vor allem die Aufgabe, die Nachbarschaft vor Ruhestörungen zu bewahren.

Übergriffe auf Flüchtlinge wie in Nordrhein-Westfalen habe es in Frankfurt noch nicht gegeben, sagt Manuela Skotnik. Die Zusammenarbeit mit den privaten Firmen funktioniere gut. In der Vergangenheit habe der Frankfurter Verein für soziale Heimstätten zum Beispiel die Mitarbeiter des Sicherheitsdiensts Wisag geschult. Diese passen in der kalten Jahreszeit auf die Wohnsitzlosen auf, die in der B-Ebene der Hauptwache übernachten.

 

3000 Plätze

 

Die Sprecherin des Sozialdezernats berichtet, dass die Kapazitäten zur Unterbringung von Flüchtlingen angesichts der stark steigenden Zahlen erweitert werden müssen. Derzeit stünden in Frankfurt etwa 3000 Plätze für Menschen ohne festen Wohnsitz zur Verfügung. Weil die zehn Wohnheime in der Stadt längst nicht mehr ausreichen, seien Kontingente in 50 Hotels angemietet worden – teilweise nur einige Zimmer, teilweise das ganze Haus. Gegen das zur Übergangsunterkunft umfunktionierte Hotel Anna in Griesheim waren zuletzt Beschwerden aus der Nachbarschaft lautgeworden (wir berichteten). Außer Wohnheimen und Hotels gibt es in Frankfurt auch 750 private Wohnungen, die vom Evangelischen Verein für Wohnraumhilfe an Obdachlose vergeben werden.

 

Zwei Flüchtlinge aus Afrika erzählen – ...

Fasil T. ist 19 Jahre alt und in Äthiopien aufgewachsen. Er habe seine Heimat verlassen, um dem Militärdienst dort zu entgehen, erzählt er mit Hilfe eines Dolmetschers.

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Für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, deren Zahl von 350 im Jahr 2012 auf 614 in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres gestiegen ist, gibt es in Frankfurt zwei spezielle Einrichtungen. Weil diese nicht genug Platz bieten, wurden laut Sozialdezernat 60 zusätzliche Plätze in Hotels geschaffen. Manuela Skotnik berichtet, dass die Stadt eine neue Einrichtung für etwa 50 junge Flüchtlinge plane.

 

Neue Standorte

 

Auch die Wohnkapazitäten für erwachsene Menschen aus Krisengebieten sollen kräftig aufgestockt werden. Die Stadt denkt nach Auskunft des Sozialdezernats über vier Standorte mit Wohncontainern nach. Außerdem prüft sie, inwiefern leere Bürogebäude mit geringem finanziellem Aufwand zu Unterbringungen umgebaut werden können. Alle Projekte sollen „sozialverträglich“ gestaltet werden, „um ein gutes nachbarschaftliches Umfeld zu befördern“. Mit Ausnahme des Hotels Anna habe es bislang keine Beschwerden gegeben.

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