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Letzter Auftritt am 25. März: Cantatekreis löst sich nach fast 40 Jahren auf

Von Im Hochtaunuskreis hat sich der gemischte Chor des Cantatekreises einen guten Ruf erarbeitet. Doch nun ist Schluss. Endgültig. Sie wollen nicht mehr auftreten. Über das warum sprachen die Sänger mit dieser Zeitung.
Mit einer Mischung aus Wehmut und Vorfreude blickt der Cantatekreis unter der Leitung von Bernward Bruchhäuser dem letzten Konzert entgegen. Foto: Tatjana Seibt Mit einer Mischung aus Wehmut und Vorfreude blickt der Cantatekreis unter der Leitung von Bernward Bruchhäuser dem letzten Konzert entgegen.
Eschbach. 

„So richtig glauben kann ich es auch nicht“, sagte Bernward Bruchhäuser und schenkte sich erst einmal ein Glas Wein ein. Nein, einen Grund zu feiern gab es nicht, denn das, was den Chorleiter des Cantatekreises Hochtaunus bewegt, ist die gemeinsam getroffene Entscheidung: Sie lösen sich auf. „Das haben wir gemeinsam beschlossen“, versicherte Monika Morscheck, die mit Bettina Schümmer für den gemischten Chor spricht. Ein Verein sei der Cantatekreis ohnehin nicht gewesen, wohl aber ein gewachsener Kreis von Männern und Frauen, die nicht nur Spaß am Singen haben, sondern auch einen hohen Anspruch an ihr Hobby haben.

Es ist die vorletzte Probestunde vor dem großen Abschiedskonzert am Sonntag, 25. März. Und auch wenn sich die Sänger herzlich begrüßen, schwingt in den Gesprächen doch ein wenig Abschiedsmelancholie mit. Jene Art von Traurigkeit, die sich einschleicht, wenn etwas zu Ende geht, was vielen schon fast 40 Jahre lang zur lieben Gewohnheit geworden ist. „Wir sind zusammen alt geworden“, sagt Irmgard Münnich lächelnd. Bruchhäuser, der von Beginn an als Chorleiter fungiert, nickt zustimmend. 63 Jahre alt sei die jüngste Sängerin, 85 Jahre der älteste Sänger. „Wir liegen da bei den Sängern bei einem Durchschnittsalter von ungefähr 70 Jahren“, sagt der Chorleiter.

Rund 40 Jahre ist es her, dass sich aus dem damaligen Lehrerinnen-Chor der Cantatekreis entwickelte. „Schade, dass so wenig gesungen wird“, waren Elisabeth Meisemann, Agnes Loose, Monika Morscheck, Gerlinde Franke, Ulla Schumann und Bettina Schümmer – allesamt von der Neu-Anspacher Adolf-Reichwein-Schule – sich einig. „Also haben wir angefangen, uns reihum bei den Leuten zu Hause zu treffen und Lieder einzustudieren“, erinnert sich Morscheck gerne zurück. Zu den Frauen gesellten sich auch die Ehemänner, 1980 nahm sich Bruchhäuser der Sänger an und brachte außerdem noch einige neue Sänger hinzu.

Anspruchsvolle Stücke

Der Name Cantatekreis habe sich erst im Laufe der Jahre entwickelt. Mit dem Profi-Chorleiter Bruchhäuser, der auch als Kirchenmusiker arbeitet, veränderte sich der Chorgesang. Neue, überaus anspruchsvolle Stücke kamen hinzu, und die Sänger präsentierten sich erstmals auch vor Publikum. „Die Qualität des Gesangs ist uns immer sehr wichtig gewesen“, betont Bruchhäuser. Sechs- und achtstimmig haben die Sänger bereits gesungen. Sicherlich gebe es auch einfachere Stücke im Repertoire, doch im Wesentlichen seien es Werke namhafter Komponisten, die sich in Art und Darbietung merklich von anderen Chören unterschieden. „Wir haben schon viele tolle Erlebnisse gehabt“, erinnert sich Morscheck ein wenig wehmütig zurück. Konzerte gaben sie über die Bundesrepublik verteilt. Unter anderem sind sie in Hamburg aufgetreten, und auch in den Kirchen des Usinger Landes war der gemischte Chor aktiv.

Beim Singen allein ist es nicht geblieben. Schnell kamen auch Freizeitaktivitäten hinzu, die so gar nichts mit Singen zu tun haben, wie zum Beispiel das Grünkohlessen. „Den Grünkohl haben wir selbst angebaut und dann im Winter zubereitet“, weiß Brigitte Klimm-Ruß, ebenfalls Sängerin im Cantatekreis. Diese Tradition des Grünkohlessens habe sie schon lange vor der Sängervereinigung Eschbach in dem Usinger Stadtteil etabliert. Doch die Arbeit wurde irgendwann für die Sänger zu mühsam und so ist lediglich das gemeinsame Essen geblieben. Auch eine Fahrradgruppe hat sich bei den Sängern gegründet, die jedes Jahr in die Pedale tritt, und auch sonst treffen sich die Sänger gerne zum gemütlichen Plausch. „Das werden wir sicherlich auch weiterhin tun“, äußerten sie sich unisono.

Eigener Anspruch

„Um unserem eigenen Anspruch gerecht zu werden, fehlen uns einfach die Sänger“, sagt Bruchhäuser. „Wenn man selbst feststellt, dass man den Ton nicht mehr richtig halten oder treffen kann, dann ist es Zeit aufzuhören“, glaubt Morscheck. Auch wenn diese Einsicht sicherlich keine leichte ist, so ist es den Sängern doch wichtig, die große Bühne selbst zu verlassen, so lange sie noch in guter Erinnerung bleiben. „Man soll bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist“, zitiert Bruchhäuser den Volksmund. „Das ist nicht das Ende unserer Freundschaft“, nennt Morscheck dann aber doch noch einen Lichtblick für die Sänger. „Es ist die Rückkehr zum Beginn“, sagt sie. Denn dass im kleinen Kreise zu Hause sicherlich auch noch gesungen werde, davon dürften die Sänger getrost ausgehen.

Wer die Sänger ein letztes Mal hören möchte und damit einen Querschnitt aus 40 Jahren anspruchsvoller Chormusik, der sollte sich den Sonntag, 25. März, 18 Uhr frei halten. Dann tritt der Cantatekreis zu seinem letzten Konzert im Bürgerhaus Eschbach auf. Der Eintritt ist frei.

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