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Prostitution: Im Taunus boomen die Heim-Bordelle

Von Annabelle sucht Sex. Michaela auch. Und „Pjotrelang“ verspricht, dass sein Besuch unvergesslich bleibt – wenn die Bezahlung stimmt. Die Liste derer, die im Taunus im Netz unterwegs sind und sich ein Zubrot der besonderen Art verdienen, ist lang, die Internetseiten, auf denen Privatpersonen inserieren, sind vielfältig. Was sagt eigentlich die Steuer zu solchermaßen privaten Nebeneinkünften?
Rotlicht-Geschäfte werden längst nicht mehr nur in Rotlichtbezirken getätigt, denn es gibt immer mehr Heim-Bordelle. Oft wissen Ordnungs- und Finanzamt nicht von solchen Angeboten. Foto: Boris Roessler (dpa) Rotlicht-Geschäfte werden längst nicht mehr nur in Rotlichtbezirken getätigt, denn es gibt immer mehr Heim-Bordelle. Oft wissen Ordnungs- und Finanzamt nicht von solchen Angeboten.
Hochtaunus. 

Als vor 25 Jahren in der Brunnenstadt Oberursel ein kleines Bordell seine Tore öffnete, schlugen die Wellen hoch. Doch es war schneller wieder geschlossen, als manche zu hoffen wagten. 25 Jahre später ist die Szene gründlich verrutscht. Denn bezahlter Sex findet inzwischen in allen Kommunen und allen Bereichen statt. Glauben Sie nicht? Na dann einfach mal googeln. Und wer glaubt, dass die auf den Seiten „Hobbynutten“, „Taschengeldladies“ oder „Girls24“ zu findenden Damen und Herren alle in einem angemeldeten Unternehmen unterwegs sind, irrt. Die Rede ist hier auch nicht von einer Partnersuche, die ein Leben lang hält.

Wir haben auf drei Seiten Damen angeschrieben und um Stellungnahme gebeten. Und, schwups, war die Anzeige erloschen. Eine Dame war bereit, die Privatgemächer für den potenziellen Kunden in Grävenwiesbach zu öffnen, zwei hätten sich gerne auf einem Parkplatz in der Nähe Usingens getroffen. Bei dem Wetter?

Bis zu 200 Euro

Immerhin. „Susi24“ (nicht zu verwechseln mit Suzi24, Suhsi24 . . .), hat sich anonym auf einen Chat eingelassen – um dann sofort ihren Account zu löschen. Geschieden, hohe Ratenzahlungen und nur ein geringes Einkommen. Da wäre das die letzte Lösung gewesen, schreibt sie, die auch ihr Alter nicht angeben will. Über 30.

Kunden sucht sie sich aus, je nach Art des Anschreibens und der Formulierung der Anfrage. Und Kunden hat sie genug, pro Woche bis zu acht Dates. Natürlich nur als Hausbesuche, wegen ihrer Nachbarn. Was sie verdient? Je nach Angebot bis zu 200 Euro pro Treffen. Vorsicht übrigens: Seriosität ist nicht bei allen Seiten gegeben. Viele der Online-Angebote sind Geldfallen. Auf den meisten Seiten ist eine Anmeldung notwendig, doch existieren auch offene Seiten, bei denen eine Suche problemlos funktioniert.

Natürlich finden sich die meisten Privatangebote in Stadtnähe – Frankfurt, Bad Homburg, Bad Vilbel und Weilburg . . . Viele Damen arbeiten auch gewerblich und geben dies in ihrem Onlineangebot auch brav an. Aber eine hohe Zahl an Frauen und Männern (und jenen dazwischen), die nur vormittags Zeit haben, erstaunt dann doch.

Was sagt eigentlich das Finanzamt dazu? Ist die Situation bekannt? Siegfried Werling von der Oberfinanzdirektion Frankfurt betonte: „Wer im Rahmen einer selbstständigen Betätigung erotische oder sexuelle Dienstleistungen gegen Entgelt erbringt, erzielt damit Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Dabei gelten die gleichen Voraussetzungen und Regeln wie für jeden anderen Betrieb. Dies gilt auch dann, wenn diese Dienstleistungen von Privatpersonen und außerhalb der üblicherweise im Bereich der erotischen und sexuellen Dienstleistung anzutreffenden Etablissements erbracht werden (in der Privatwohnung).“

Baff erstaunt

Die Einkünfte seien sowohl einkommensteuerpflichtig als auch – bei Überschreiten der steuerlichen Freibeträge – umsatz- und gewerbesteuerpflichtig.

So weit zur Theorie. Aber weder in Usingen noch in Grävenwiesbach sind Anmeldungen des freizügigen Gewerbes bekannt, die Ordnungsämter waren sogar baff erstaunt über die Szene.

Dass sich die Finanzbehörde mehr als bedeckt hält, versteht sich. Man gehe jeglicher Art von Steuerkriminalität, auch im Bereich der Prostitution, nach, betont der Sprecher. Und die Ermittlung und Verfolgung von Steuerstraftaten erfolge durch die Steuerfahndungsstellen und Bußgeld- und Strafsachenstellen der Finanzämter in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft und der Polizei.

Und? Gab’s schon Fälle? „Fragen hinsichtlich der Anzahl der Fälle oder der festgesetzten Steuern kann ich leider nicht beantworten, da entsprechende Statistiken nicht geführt werden“, sagte Werling.

Dann fragen wir doch mal beim Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen e. V. (BesD) nach, der seinen Sitz in Berlin hat.

Die Sprecherin, die sich als Charly meldet, kennt die Grauzone – und weiß auch um die Nöte der meisten privaten Sexanbieter. „Das hat in den letzten Jahren zugenommen. Allerdings ist es durch die neue Gesetzgebung schwieriger geworden für Frauen, sich in diesem Bereich zu betätigen.“ Sie spielt damit auf das neue Prostituierten-Schutzgesetz an, dass sich jeder, der sich mit erotischen Dienstleistungen Geld verdient, auch als Prostituierte melden muss.

Als Hobby

„Aber die Frauen wollen zum einen nicht in die Öffentlichkeit, denn der soziale Druck in diesem Bereich ist noch sehr hoch“, sagte „Charly“. Und: „Diese Frauen wollen nicht realisieren, dass sie Prostituierte sind. Dabei spielen die Gründe für ihre Dienstleistungen keine Rolle – ob sie arbeitslos sind, alleinstehend Kinder großziehen oder es als Hobby machen.“

Vor allem gibt der Bundesverband einen Rat an alle Frauen: „Meldet euch beim Gesundheitsamt. Dort kann man anonym und kostenlos über alles beraten werden – von Gesundheitsfragen bis hin zum gesetzlichen Status.“

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