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Hahn zudrehen: Wassermeister warnen vor der schwieriger werdenden Trinkwasserversorgung

Von Noch liefern Brunnen, Schürfungen und Stollen das kostbare Nass. Der Wasserbeschaffungsverband Usingen regelt jeweils im Vorjahr für den Sommer den Zukauf von der Hessenwasser GmbH. Dennoch rufen die Wassermeister sorgenvoll zum Sparen auf. Wenn die aktuelle trocken-heiße Wetterlage anhält und der Regen ausbleibt, weiß keiner, wie sicher die Wasserversorgung im Usinger Land bleibt.
Carsten Filges (von links), Michael Moses, Mark Steinheimer, Jörg Deusinger und Sebastian sind sich einig: Wassersparen geht jeden an. Foto: Evelyn Kreutz Carsten Filges (von links), Michael Moses, Mark Steinheimer, Jörg Deusinger und Sebastian sind sich einig: Wassersparen geht jeden an.
Usinger Land. 

„Wasser kann man nicht x-beliebig herstellen, es ist unser Lebensmittel Nummer eins“, sagt Schmittens Wassermeister Jörg Deusinger. Die höchst gelegene Kommune im Usinger Land deckt den Wasserbedarf zu 70 Prozent aus eigenen Anlagen und kauft den Rest vom Wasserbeschaffungsverband (WBV) Usingen zu.

Aus gutem Grund: Der tägliche Zugewinn aus den eigenen Anlagen kann im Hochsommer den erhöhten Verbrauch nicht abdecken. Ähnlich sieht es in Grävenwiesbach und in Weilrod aus. Mit seinen Kollegen und Mark Steinheimer, dem Wassermeister und technischen Betriebsleiter des WBV, hat er sich getroffen, um zum Wassersparen aufzurufen. Der WBV deckt Wehrheim, Usingen und Neu-Anspach komplett mit Trinkwasser ab. Steinheimer ist auch zuständig für den WBV Wilhelmsdorf, der Teile von Grävenwiesbach, Schmitten und Weilrod versorgt.

Noch kein Notstand

„Wir wollen keinen Wassernotstand ausrufen“, versichert Deusinger. Aber die Bürger sollen sensibilisiert werden mit Wasser sparsamer umzugehen. Die Bevölkerung zum Wassersparen anregen, ist auch ganz im Sinne von Steinheimer. Bei Bränden in Wernborn und Westerfeld gab es einen unvorhersehbaren Bedarf an Löschwasser. „Das hat die Vorräte in kurzer Zeit schnell auf einen Tiefststand gebracht, weil gleichzeitig flächendeckend gewaltige Mengen für die Gartenbewässerung verpulvert wurden“, berichtet er.

Steinheimer appelliert an alle, mit der Ressource Wasser überlegt umzugehen und sagt: „Wir sind angehalten den Verbrauch so gering wie möglich zu halten, sonst wird es immer schwieriger das Wasser dorthin zu bringen, wo es benötigt wird.“

Info: Kaputte Dichtungen schnell austauschen

Wassersparen bedeutet grundsätzlich den verantwortungsvollen Umgang mit einer immer knapper werdenden Ressource und ist letztlich eine Frage der Kosten.

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Es könne nicht sein, dass ohne Ansage Feuerwehrübungen abgehalten würden und plötzlich große Wasserentnahmen stattfänden. Sei der Wasserpegel erst einmal abgesunken, dauert es im Sommer rund 30 bis 50 Tage, bis man überhaupt etwas merkt. Vorausgesetzt der Zufluss aus der Eigengewinnung ist konstant.

Der tägliche Zugewinn aus eigenen Anlagen beträgt beim WBV 3612 Kubikmeter. Zwischen 1. Juni und 31. Oktober kauft der WBV täglich 2909 Kubikmeter dazu. Kommen zum sowieso erhöhten Verbrauch im Sommer unvorhersehbare Entnahmen dazu, ist das nur schwer abzupuffern.

Verbrauchsspitzen

Grävenwiesbachs Wassermeister Michael Moses merkt sofort, wenn ein Privatschwimmbad oder Gartenteich aufgefüllt wird. In der vergangenen Woche wollte er für die Kommune mehr als die vertraglich bestellten 150 Kubik pro Tag haben, aber gerade da fingen die Schwimmmeister an, das Usinger Schwimmbad aufzufüllen. „Wenn ich selbst nichts habe, kann ich schlecht mehr abgeben“, bedauerte Steinheimer. Er bekommt aus dem Vogelsberg auch nur das, was er bei der Hessenwasser GmbH bestellt hat. „Und im Vogelsberg wird es auch schon knapp,“ meint er.

Jeder muss mithelfen

„In der aktuellen Situation hilft tatsächlich nur den Verbrauch zu reduzieren, und da kann und muss jeder mithelfen“, meint Weilrods Bauamtsaleiter Carsten Filges in Vertretung der Wassermeister.

Steinheimer und die Vertreter der drei Kommunen warnen davor das kostbare Nass zu verschwenden und geben konkrete Tipps: Rasen und Gärten müssen grundsätzlich nicht mit Trinkwasser gesprengt werden, schon gar nicht im Dauerlauf über Nacht. Der Rasen bleibe sowieso länger grün, wenn er nicht kurz geschoren sei. Bei extremer Trockenheit sollte die Trinkwassereinspeisung in die Zisternen abgestellt werden. Statt am Tag mehrfach zu duschen, könne man sich im nächsten Schwimmbad abkühlen.

Im Übrigen ist Wassersparen nicht nur im Hochsommer und für Gartenbesitzer wichtig, auch im Alltag kann man mit wenigen Handgriffen Wasser sparen (siehe weitere Artikel).

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