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Handwerk: Bei den Kfz-Betrieben ist der E-Anteil derzeit noch gering,

Von Nichts ist so beständig wie der Wandel: Im Handwerk trifft das vor allem auf das Kfz-Gewerbe zu, wo am Freitag 29 Gesellen freigesprochen wurden. Auf sie wartet eine Berufszeit mit ständiger Veränderung, vor allem beim Antrieb. Die Herausforderungen: Elektromobilität und autonomes Fahren, das gar nicht so neu ist.
Kfz-Mechatroniker müssen beim Blick unter die Motorhaube nach wie vor Bescheid wissen; immer wichtiger werden aber Kenntnisse in Richtung E-Mobilität. Foto: (191159008) Kfz-Mechatroniker müssen beim Blick unter die Motorhaube nach wie vor Bescheid wissen; immer wichtiger werden aber Kenntnisse in Richtung E-Mobilität.
Hochtaunus. 

Moderne Assistenzsysteme im Auto sind nur so gut, wie sie auch angenommen werden und sicher sind. Bei der Freisprechungsfeier der Kfz-Innung Hochtaunus am vergangenen Freitag auf dem Kronenhof sprachen alle Festredner vom rasanten Fortschritt in der Fahrzeugelektronik, deretwegen es auch keine Kfz-Mechaniker mehr gibt, sie heißen heute Mechatroniker.

Ganz so neu ist manches, was neu aussieht, aber gar nicht, wie Günter Krause, Chef des Gesellenprüfungsausschusses, in seinem Grußwort an die 29 Junggesellen launig anmerkte: Autonomes Fahren gebe es nämlich schon sehr lange: „Früher, wenn der Kutscher auf dem Bock eingeschlafen ist, hat das Pferd meistens allein den Weg in den Stall zurückgefunden . . .“

Weit greifbarer als autonomes Fahren ist die Elektromobilität. Da ist Zukunft schon heute. Die Kfz-Branche ist im Umbruch, auch in der Ausbildung, obwohl in vielen Betrieben immer noch die „Huhn- oder-Ei-Debatte“ geführt wird: „Warum Stecker produzieren, wenn’s noch keine Steckdosen gibt?“

Einige der frisch gebackenen Gesellen stellten sich mit Honoratioren für ein Foto zusammen.
Freispruch: Diese jungen Männer sind jetzt Gesellen

Folgende Gesellen wurden freigesprochen: Mudasser Ahmed aus Liederbach, Ausbilder: Starthilfe Hochtaunus; Quassim El Haddoudi (Petterweil, B & K Bad Homburg); Simon Elborg (Oberursel, Dipl. Ing.

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Innungsmeister Otfried Mohr sagte: „Ohne Zusatzqualifikation Hochvolt geht gar nichts, wer die nicht im Rahmen seiner überbetrieblichen Ausbildung erworben hat, darf, streng genommen, ein E-Fahrzeug nicht einmal in die Halle fahren.“ Noch sei der Erwerb der Zusatzqualifikation für die Arbeit in den Markenwerkstätten freiwillig. Allerdings, und das sagt auch Dieter Schneider von Schneider & Lauth in Neu-Anspach, sollten freie Werkstätten ebenfalls den Schein haben.

Zusatzquali Hochvolt

Es komme vor, dass Kunden von Benzin oder Diesel auf Strom wechseln, ihrer Werkstatt aber treu bleiben wollen. „Das fängt schon beim Radwechsel an“, so Schneider. E-Autos in „normalen“ Werkstätten müssen „mit Hütchen auf dem Dach“ gekennzeichnet sein, damit, was kaum passieren dürfte, „keiner eine gewischt bekommt“.

Innungschef Mohr und Kreishandwerksmeister Walter Gernhard sagen zwar, dass sich die Betriebe über kurz oder lang auf E-Mobilität bei der Ausbildung, aber auch der Werkstattausstattung einstellen müssten, dass der Anteil an E-Fahrzeugen derzeit mit etwa einem Prozent aber noch sehr gering sei. In der Fläche trifft das sicher zu, nicht jedoch im Renault-Autohaus Weil in Friedrichsdorf, dessen Chef Gerald Weil einen „E-Anteil“ von zehn Prozent nennt. Sein Betrieb habe sich bewusst zu einem Kompetenzzentrum in Sachen Elektromobilität gewandelt, vor allem auch wegen des „ZOE“, des in Deutschland meistverkauften „Stromers“.

Der größte Teil seines Teams verfüge über die Zusatzqualifikation Hochvolt, die bei der Ausbildung noch optional sei, von 2019 an aber obligatorisch werde. Unternehmen, die an Elektrofahrzeugen mehr machen als Reifen wechseln oder Bremsen prüfen, müssten nicht nur personell aufrüsten, sondern auch in der Werkstatt selbst.

Gerald Weil, der an den „Siegeszug der Stromer“ glaubt und sie nicht nur als Brückentechnologie sieht, bezeichnet die notwendigen Investitionen als überschaubar: bis 20 000 Euro. Vor allem brauche man ein Hebegerät für den Aus- und Einbau der Batterien. Die Sicherheitsanforderung sei zu Recht hoch, gehe es doch um 800 Volt. Da sei es schon wichtig, dass ein Auto fachmännisch mit einem Spezialschlüssel, den der Servicemann bei sich tragen muss, „stromlos“ gemacht und in der Halle auf einem abgesicherten Platz geparkt wird.

Auch in der Usinger Saalburgschule hat man den Stecker fast schon in der Hand. Schulleiterin Heike Weber sagte, die Berufsschule habe sich für das Digitalisierungsprogramm des Bundes beworben und stehe bereits in Gesprächen mit einem Hersteller, der der Schule möglicherweise sogar ein E-Auto zur Verfügung stellen will.

Bei der Freisprechungsfeier gab es aber auch ermunternde Worte: „Mit Ihrem Gesellenbrief haben Sie die Möglichkeit, sich ständig weiter zu spezialisieren; unser Berufsbild lässt da kaum Wünsche offen“, sagte Kfz-Innungsmeister Otfried Mohr. Und Kreishandwerksmeister Walter Gernhard konstatierte: „Sie haben einen der begehrtesten Berufe erlernt und sind hochqualifiziert. Auf der ganzen Welt sind Sie als Fachkräfte gefragt.“

Allein in Deutschland kümmerten sich in 40 000 Meisterbetrieben 400 000 Mitarbeiter um 52 Millionen Autos. „Im Hochtaunuskreis haben wir 95 Innungsbetriebe, in denen 1000 Menschen arbeiten, darunter 130 Auszubildende.“

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