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Handwerk: Das Zimmerer-Handwerk liegt bei den Pauls in der Familie

Von Früh übt sich, wer ein Meister werden will. Auf Jan Paul, seit kurzem Geselle im Zimmererhandwerk, trifft das zu. Schon als Bub hat der Schloßborner ein Baumhaus gebaut – der Beginn einer großen Leidenschaft. Das Baumhaus steht immer noch. Und irgendwann, das ist sicher, wird der junge Mann auch offiziell ein Meister seines Fachs . . .
Zimmerer-Geselle Jan Paul schneidet einen so genannten Gratsparren zurecht. Dafür ist räumliches Sehen gefragt. Bilder > Zimmerer-Geselle Jan Paul schneidet einen so genannten Gratsparren zurecht. Dafür ist räumliches Sehen gefragt.
Hochtaunus. 

Nicht immer haben gestandene Handwerker das Glück, dass der eigene Nachwuchs in ihre Fußstapfen tritt. Mitunter passt es halt nicht. Bei Dieter Paul, Zimmerermeister aus Schloßborn, hat es gepasst, gleich doppelt, denn beide Söhne haben den Beruf ergriffen. Jens Paul (28) arbeitet seit längerem als Geselle, sein Bruder Jan (22) hat seine Ausbildung gerade erst abgeschlossen und ist beim Dachdeckerbetrieb von Sebastian Georg in Lorsbach beschäftigt.

Dass gleich zwei Äpfel so nah am Stamm fallen, ist sicher kein Zufall. Und doch war es die alleinige Entscheidung der Jungs, Zimmerer zu werden. „Natürlich hat er sich gefreut, er hat aber zu keinem Zeitpunkt Druck auf uns ausgeübt“, sagt Jan. Zum Redaktionsbesuch hat er sich extra „in Schale“ geworfen und seine traditionelle Zimmerer-Kluft angelegt: Schwarze Manchesterhose, schwarze Manchesterweste, Staude – das typische weiße, kragenlose Hemd mit den schmucken Biesen. Bei offiziellen Terminen, so sagt er, „trägt man das“, das schreibe die Zimmerer-Tradition so vor.

Keine Lust auf „Walz“

Die andere legendäre Tradition der Zimmerer ließ Jan Paul allerdings aus: Die „Walz“ war für ihn nie ein Thema, das Arbeiten im Betrieb war ihm immer wichtiger. Mit einer dritten Berufstradition, dem Brauch des Richtfestes, hatte Jan Paul jedoch schon Kontakt: „Meinen ersten eigenen Richtspruch vom Dachstuhl aus habe ich schon hinter mir, ich war ganz schön nervös als ich all die Leute da unten sah.“

Dieter Paul wollte seinen Sohn nicht selbst ausbilden, konnte aber trotzdem sicher sein, dass er „etwas gescheites“ lernt. Jans Lehrherr, der Schloßborner Zimmerermeister Daniel Horn, war einst selbst Auszubildender im schon vier Generationen alten Betrieb von Dieter Paul.

Mit Holz hatte Jan Paul schon immer gerne zu tun. Dennoch gab es eine kurze Periode, in der er sich „für irgendetwas mit EDV“ interessierte. Den Gedanken legte er aber schnell wieder zu den Akten.

Schon als Bub hat er im Silberbachtal mit seinen Kumpels ein Baumhaus gebaut. Was die Bretter anbelangt, so saß er natürlich an der Quelle und den einen oder anderen Tipp vom Vater gab es sicher auch. So schlecht können die Jungs nicht gearbeitet haben, denn: „Es steht noch, müsste aber mal renoviert werden“, lacht Jan, für den es längst um ganz andere Kaliber geht.

Dass Jan Paul heute in einem Dachdeckerbetrieb arbeitet, mag vielleicht verwundern, hat aber seinen guten Grund: „Viel von dem, was ein Dachdecker macht, fällt auch in unser Metier, da ist es nur gut, möglichst viel übers Dachdecken und alles was dazugehört zu lernen“, sagt er. Eine zweite Lehre will er dennoch nicht machen, weiß aber von seinem Vater, der Obermeister der Zimmererinnung ist, dass sich der Erwerb des Meistertitels im Zimmererhandwerk mit dem des Dachdeckers kombinieren lässt, wenn die nötige Berufserfahrung vorliegt. Und daran arbeitet er.

Dass sich Jan Paul eines Tages an einer Meisterschule anmelden wird, steht für ihn außer Frage. „Ich will aber erst ein paar Jahre als Geselle arbeiten und Erfahrung sammeln“, sagt er. Er sieht es kritisch, dass ausgelernte Zimmerer heute schon gleich nach der Gesellenprüfung auf die Meisterschule dürfen: „Nicht ohne Grund haben wir Meisterpflicht, schließlich geht es auch um die Sicherheit – da sollte man schon ein paar Jahre im Beruf gearbeitet haben.“

Er liebt Holz

Das tolle am Beruf ist für Jan Paul der Umgang mit Holz und die enorme Vielfalt: „Sehr viele Menschen wissen gar nicht, was wir alles machen. Das Aufschlagen eines Dachstuhls ist längst nicht alles, wir bauen Terrassen, sanieren Fachwerk, konstruieren Carports und ganze Holzhäuser. Wie wollte man trocken wohnen ohne uns Zimmerleute?“

Jan Paul liebt seinen Beruf und er ist stolz, „ehrbarer Zimmermann“, irgendwann in fünfter Generation, zu sein. Schön sei, dass man, „immer gleich sieht, was man geschafft hat“. Aber auch die Idee, in 20 Jahren ein Haus zu sehen, dessen Dachstuhl er selbst gebaut hat, erfüllt ihn schon jetzt mit Vorfreude.

Gemacht wird bei Jan Paul was kommt. Von Rosinenpickerei hält er nichts. Die Konstruktion und der Aufbau von Holzhäusern machen ihm aber besonders viel Spaß, wenn nur das lästige Dämmen nicht wäre. Das nervt ihn manchmal schon sehr, wenngleich er um die Wichtigkeit dieser Arbeit natürlich weiß. „Hinterher muss es dicht sein, das allein zählt“, sagt er.

Ganz hinten im Hinterkopf schlummert bei Jan Paul die Idee, den väterlichen Betrieb eines Tages gemeinsam mit seinem Bruder zu führen.

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