E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige 15°C

Kulturnacht in Bad Homburg: Nachtschwärmer im Kulturrausch

Mal laut und rockig, mal leise und verträumt, mal modern und mal nostalgisch – das Angebot der 5. Kulturnacht war reichhaltig und ausgewogen. Und perfekt dafür geeignet, Bad Homburg bei Nacht zu erkunden.
Im Kurtheater stand das Programm unter dem Titel »Nacht des Grauens«. Zu sehen war unter anderem das Stück »Nosferatu«.	Fotos: Jens Priedemuth Bilder > Im Kurtheater stand das Programm unter dem Titel »Nacht des Grauens«. Zu sehen war unter anderem das Stück »Nosferatu«. Fotos: Jens Priedemuth
Bad Homburg. 

Es gab wohl kaum eine Kultursparte, die nicht vertreten war: Die 5. Kulturnacht bot von musikalischen Leckerbissen über Theateraufführungen und spannende Einblicke in die Balltänze der Kaiserzeit ein umfangreiches Programm für Nachtschwärmer, die von Kulturstätte zu Kulturstätte pilgerten. 17 Einrichtungen, darunter der Speicher, die Erlöserkirche und das Gotische Haus, öffneten am Samstagabend ihre Türen für Besucher. Das Besondere daran: Die Kulturinstitutionen konnten Einblicke in ihre Arbeit und ihre Angebote geben, und die Besucher hatten die Möglichkeit, die umfassende Homburger Kulturlandschaft zu genießen und dabei manchmal auch Altbekanntes in einem ganz neuen Licht zu erblicken. So etwa in der Stadtbibliothek, in der das Duo Profondo traditionelle Weisen aus verschiedenen Jahrhunderten zum Besten gab; und damit die Zuhörer auf eine kleine musikalische Zeitreise mitnahm. Längst vergessene Instrumente wie Sackpfeife, Cister und Fiedel unterstrichen den historischen Charme ihrer Lieder.

Bilderstrecke Die 5. Kulturnacht in Bad Homburg
Am 25. Oktober 2014 fand in der Kurstadt Bad Homburg die 5. Kulturnacht stand. Von 19 bis 24 Uhr konnten die Bewohner und Besucher der Taunusstadt ein vielfältiges Programm genießen. Fotos dazu zeigt FNP.de in dieser Bilderstrecke. Alle Fotos: Priedemuth"Nacht des Grauens" im Kurtheater, hier das Stück "Nosferatu".In der Erlöserkirche fanden Kirchenführungen bei Kerzenschein und Orgelkonzerte  mit Kantorin Susanne Rohn statt.

Ein Stockwerk höher trug Gudrun Rathke mit ihrer klaren, melodischen Stimme Märchen für Erwachsene vor. Auf einem weißen Holzpodest stehend entführte sie mit ihren Geschichten in eine kleine, zerbrechliche Welt. „Erzählen ist wie eine Reise“, sagte sie und begann mit einem Märchen der Gebrüder Grimm. Ebenso fesselnd wie dieses war auch das zweite, von ihr vorgetragene Märchen, das sich mit dem Thema Altwerden auseinandersetzte. Ist man nur so alt, wie man sich fühlt, oder bestimmen Familie, Freunde und Nachbarn, ab wann man alt ist? Eine schwierige Frage, auf die es wohl so einfach keine Antwort gibt, das musste zumindest der Protagonist feststellen.

 

Selbst kreativ sein

 

Weniger nachdenklich stimmend, jedoch nicht minder interessant ging es im Sinclair-Haus zu, das ebenso wie die Stadtbibliothek auf der Homburger Kulturmeile liegt. Dort konnte nicht nur die Ausstellung „Zwischenwelten“ besucht, sondern in der offenen Farbwerkstatt auch selber Hand angelegt werden. Unter der Aufsicht des Museumspädagogen Andreas Hett konnten Besucher bei der Kaltnadelradierung, einer eher unbekannten Druckkunst, der eigenen Fantasie freien Lauf lassen. Nebenan wurde unter der Anleitung von Dana Zeisberger ebenfalls kreativ gewerkelt. Erste Ergebnisse der teils sehr originellen Kunstwerke hingen bereits an der Wand und konnten den Besuchern als Vorlage oder Inspirationsquelle dienen.

Nur ein paar Häuser weiter gab es ein außergewöhnliches und spektakuläres Angebot: Mit Taschenlampen ging’s auf den Kirchturm von Sankt Marien. Nicht umsonst bezeichnete Pfarrer Werner Meuer die Besteigung des 70 Meter hohen Kirchturms als „auf den Turm klettern“. Denn nach einer ersten steinernen Wendeltreppe, die auch zur Empore führt, folgte der schwierige Teil des Aufstiegs. Im Scheine der Taschenlampen ging es mehrere steile Holztreppen hinauf, bis schließlich die Glocken auf ungefähr 45 Metern Höhe erreicht waren. Dort bot sich ein beeindruckender Anblick, denn die insgesamt sechs Glocken hängen auf unterschiedlichen Höhen teils übereinander im Turm. Der Zufall wollte es, dass, just als sich eine Gruppe Nachtschwärmer oben versammelt hatte, die Kirchturmuhr neun schlug. Neun Mal konnten die Besucher beobachten, wie der Klöppel gegen die Glocke schlug und jeweils ein lauter Gong ertönte. Zur Feier des Tages durften anschließend auch die restlichen Glocken geläutet werden.

 

Bälle in der Kaiserzeit

 

Ein solch stimmungsvolles Ambiente bot auch das Schloss, das den Weg zum Eingang mit zahlreichen Fackeln und Kerzen erleuchtet hatte. Im Landgrafensaal wurde unter dem Motto „Es war eine rauschende Ballnacht“ getanzt. Nebenbei war allerlei Interessantes rund um die Bälle der Kaiserzeit, die passende Wahl des Outfits und wichtige Benimmregeln zu erfahren. Elegant in festliche Abendroben gekleidet, glitten die Damen und Herren der Landesarbeitsgemeinschaft Tanz Hessen über das Parkett. Unter fachmännischer Anleitung konnten auch die Gäste zu klassischen Klängen tanzen. Und auch wenn noch nicht jeder Schritt saß, so konnte man sich doch gut vorstellen, wie prachtvoll und edel Bälle zu Zeiten Kaiser Wilhelms II. waren.

Musik spielte auch im Speicher die Hauptrolle. Dort standen nämlich die Walk-A-Tones, eine Band, deren Repertoire von klassischen Nummern bis hin zum AC/DC- Klassiker „Highway to Hell“ reicht. Mit viel Spaß am Spiel, einer hervorragenden Besetzung und viel Publikumsnähe, von der sich große internationale Künstler eine Scheibe abschneiden können, begeisterten sie ihre Zuhörer innerhalb kürzester Zeit. So wurde im Takt mitgeklatscht, mit den Füßen gestampft und lauthals mitgesungen. Das äußerst textsichere Publikum dankte es der Gruppe mit einem riesigen Applaus.

Der gebührt auch der Stadt, denn die Kulturnacht war auch in diesem Jahr auf jeden Fall wieder einen Abendspaziergang durch Bad Homburg wert.

Mehr aus Vordertaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen