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Interview: Obermeister Dieter Paul: "Auf die Walz gehen, ist nicht viel anders als work and travel"

Wir haben mit dem Obermeister Dieter Paul, über die Zukunftsperspektiven seines Zimmerer-Handwerks gesprochen und er sagt zum Thema Nachwuchssorgen, dass vor allen Dingen die Eltern gefordert sind.
Dieter Paul Foto: David Schahinian Dieter Paul

Was macht das Zimmererhandwerk so interessant?

DIETER PAUL: Es ist die Vielfältigkeit der einzelnen Arbeiten, die man ausführen darf, und in der man sich auch kreativ beweisen kann. Und natürlich der Werkstoff „Holz“.

Ihr Handwerk ist eins der ältesten Handwerke überhaupt, dennoch müssen auch Sie dem Zeitgeist folgen. Wie halten Sie mit der Entwicklung Schritt, wohin geht die Reise?

PAUL: Jedes Handwerk verändert sich, so auch unseres. Somit muss man dem Neuen auch offen gegenüber stehen und sich und die Mitarbeiter dafür schulen. Auch die Anforderung hat sich erhöht. Hier muss man mit der Qualität und immer neuer Technologie dem Zeitgeist voraus sein.

Früher sind die Zimmerergesellen noch auf die Walz gegangen, heute auch noch?

PAUL: Ja, es gehen auch heute noch Zimmerergesellen auf die Walz, aber auch Maurer, Dachdecker, Steinmetze und Schreiner. Es sind nicht mehr so viele wie früher, aber es spricht auch nichts dagegen. Ganz im Gegenteil: Die jungen Leute, die auf die Walz gehen, lernen schneller selbstständig zu werden, als die, die im Elternhaus verbleiben. „Auf die Walz gehen“ ist nicht viel anders als „work and travel“, was die jungen Leute heutzutage machen. „Auf die Walz gehen“ gab es aber schon vor über 100 Jahren.

Beim Zimmererhandwerk denkt man zunächst an das Aufschlagen von Dachstühlen. Das ist aber sicher nicht alles . . .?

PAUL: Richtig, es geht nicht nur um Dachstühle. Wie gesagt, ist der Zimmererberuf sehr abwechslungsreich. Neben Dachstühlen machen wir auch Carports, Vordächer, Fassadenverkleidungen, Gauben, Holzhausbau, energetische Sanierungen, Fachwerksanierungen, und vieles mehr.

Wo sehen Sie die Chancen Ihres Handwerks für die Zukunft?

PAUL: Im Holzhausbau mit seinem hohen Vorfertigungsgrad. Dies ist interessant, fordert aber auch gut ausgebildete Mitarbeiter.

Was sollte ein Azubi speziell für Ihr Handwerk mitbringen?

PAUL: Einen guten Schulabschluss, auch als Hauptschüler, vor allem die richtige Einstellung und Spaß an der Arbeit mit Holz.

Wie ist es in Ihrem Handwerk mit dem Nachwuchs bestellt?

PAUL: Leider nicht so befriedigend, wie man das gerne hätte. Viele junge Leute wollen heute lieber studieren, da das Arbeiten im Bauhandwerk oft negativ gesehen wird, was es aber nicht ist. Hier sind auch die Eltern bei der Berufswahl ihrer Kinder gefordert, deren Talente zu erkennen und mit zu entscheiden, was richtig ist. Nicht immer ist Studieren das Richtige.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten haben gut ausgebildete Gesellen aus Ihrem Metier?

PAUL: Ein gut ausgebildeter Geselle oder Gesellin kann heute schon gleich nach der bestandenen Gesellenprüfung die Ausbildung zum Zimmerermeister beginnen, oder das Fachabitur machen und anschließend studieren. Mit dem Meistertitel ist auch der Weg zur Selbstständigkeit möglich.

Wie krisenfest ist Ihr Handwerk?

PAUL: Da immer neuer Wohnraum benötigt wird, wird auch immer gebaut, umgebaut oder saniert. Die immer höheren Auflagen an Vorschriften, Gesetzen und DIN-Normen sowie die Weiterentwicklung der Bauart erfordert gut aus-gebildete Fachkräfte. Dadurch ist auch das Zimmererhandwerk gefordert und somit recht krisenfest.

Wo sehen Sie Ihr Handwerk in 5, 10 und 15 Jahren?

PAUL: Unser Handwerk wird sich immer weiter entwickeln und sich den veränderten Aufgaben stellen. Somit wird auch der Zimmerer in 15 Jahren noch gebraucht.

 

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