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Sicherheitsberater gesucht: Polizei will Senioren vor Trickbetrügern schützen

Von Immer mehr Senioren werden Opfer dreister Trickbetrüger. Die Stadt Bad Homburg und die Polizeidirektion Hochtaunus wollen jetzt mit Seniorenberatern dagegen halten.
Foto: imago stock&people
Bad Homburg. 

Allein im Zeitraum von Montag auf Dienstag dieser Woche wurden der Polizei aus dem Raum Bad Homburg 70 (!) Anrufe von falschen Polizisten oder Staatsanwälten gemeldet. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs, die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen. Die Versuche, Senioren über Tricks um ihr Erspartes zu bringen, nehmen wieder zu. „Es wird zurzeit wieder massiver Druck aufgebaut“, stellt die Chefin der Polizeidirektion Hochtaunus, Antje van der Heide, fest.

Wie massiv das Problem ist, zeigen zwei Beispiele der jüngeren Vergangenheit: So wurde ein Senior aus der Kurstadt im vergangenen Jahr über den Polizei-Trick um unglaubliche 1,1 Millionen Euro betrogen. Noch gravierender war der Fall eines 90-jährigen Mannes aus Glashütten, der von den falschen Polizeibeamten dazu aufgefordert wurde, mit einer scharfen Waffe auf echte Polizisten zu schießen.

Schüsse in Glashütten: Ermittler verfolgen Spur

Der Fall hatte für Aufsehen gesorgt: Ein 90-jähriger Mann aus Glashütten hatte vergangene Woche eine Polizistin für eine Betrügerin gehalten und mit einem Gewehr auf die Beamtin geschossen, die dabei ein Knalltrauma erlitten hatte.

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Um solche und andere Betrügereien – wie zum Beispiel den Enkeltrick – zu verhindern und die vor allem älteren Opfer in Zukunft zu schützen, braucht es in aller erster Linie eine gute Präventionsarbeit. Die Stadt Bad Homburg und die Polizeidirektion Hochtaunus bringen daher ein gemeinsames Projekt auf den Weg: Sicherheitsberater für Senioren. Bad Homburgs scheidender „Sheriff“, Bürgermeister und Ordnungsdezernent Karl Heinz Krug (SPD) hatte einen Antrag seiner Fraktion aufgenommen und das Gespräch mit der Polizeidirektion gesucht – wo er offene Türen einrannte. „Wir waren uns schnell einig: Das packen wir an, denn Handlungsbedarf ist gegeben“, so van der Heide.

Umfängliche Schulung

Daher werden jetzt Bad Homburger gesucht, die künftig als Sicherheitsberater für Senioren aktiv sein sollen. Das Anforderungsprofil setzt voraus, dass die Berater über 50 Jahre alt, geistig fit und gut vernetzt sind. Geboten wird eine umfängliche Schulung durch den Stabsbereich Prävention der hessischen Polizei zu unterschiedlichen Aspekten der Kriminalität. Neben dem Telefonbetrug, soll es auch um Internet- oder Einbruchskriminalität gehen. Im Anschluss sollen die Sicherheitsberater vor allem in ihrem Wohnumfeld als Ansprecherpartner und Multiplikatoren fungieren. Sie können Aktivitäten und Beratungen weitgehend frei planen. „Als Keimzelle haben wir zwei bekannte Persönlichkeiten für das Projekt gewinnen können“, erklärt Krug. Erwin Paske, der ehemalige Leiter der Homburger Polizeistation, und Jürgen Stamm, SPD-Fraktionschef und ehemaliger Polizeibeamter – „zwei fachlich versierte Jungpensionäre –, sollen als Geburtshelfer und Multiplikatoren arbeiten. Krug: „Die beiden sind Insider, die sowohl die Einrichtung Polizei als auch die Kriminalitäts-Phänomene kennen.“

Dennoch sagt Paske: „Auch wir werden noch mal eigens geschult. Wir wollen schließlich am Ball bleiben. Stamm ist überzeugt, dass man mit dem Projekt langfristig erfolgreich sein könne. Sie wollen ihre Arbeit in die Stadtteil- und Familienzentren, aber auch zu Seniorentreffs wie den Mittwochstreff in Ober-Erlenbach, das AWO-Wohnzimmer in Ober-Eschbach oder die AG 60plus der SPD tragen. Für Polizei und Stadt ist wichtig, die Senioren zu erreichen, die keine Zeitung lesen, nicht Computer-affin und auch nicht in den sozialen Netzwerken unterwegs sind. Die Berater sollen Tipps geben, Präventionsangebote vermitteln sowie auf weitere Hilfsangebote verweisen können.

Erster Termin: Seniorenfahrt

Die erste Schulung findet am 16. und 17. März statt. Der erste größere Einsatz soll zum Seniorenausflug der Stadt im Juni stattfinden. Wer sich für das Projekt interessiert, kann sich an die Stadt, Telefon (0 61 72) 1 00 - 12 10, die Polizeidirektion, Telefon (0 61 72) 12 03, oder an die beiden Multiplikatoren Stamm, Telefon (0 61 72) 45 71 92, oder Paske, (0 61 72) 39 04 94, wenden.

Am 19. März (16 Uhr) beraten geschulte Polizeibeamte auf Einladung des Ortsbeirats Ober-Erlenbach in der Erlenbachhalle Senioren zu den Themen Eigentumsschutz, Trick- und Taschendiebstahl und Schutz vor Wohnungseinbrüchen. Diese Veranstaltung ist Teil von „Kompass“, einer bundesweiten Sicherheitsinitiative, an der Bad Homburg als eine von vier hessischen Modellkommunen teilnimmt.

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