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Das Erbe Büchners pflegen

Der Toleranzempfang 2012 stand im Zeichen des Büchner-Jahrs. Landrat Thomas Will betonte, dass Migration in der Geschichte noch nie ein Ausnahmezustand gewesen sei.
Landrat Thomas Will (l.) gratulierte Nicin Biljana (v. l.), Ivo Zeba, Esma Azap, Adem Demir, Wolfgang Glotzbach, Carmela Fullone Knopp, Heiner Friedrich und Jutta Fehr zu ihren Auszeichnungen. Auch Schüler von Jutta Fehr waren mitgekommen.	Foto: FNP Landrat Thomas Will (l.) gratulierte Nicin Biljana (v. l.), Ivo Zeba, Esma Azap, Adem Demir, Wolfgang Glotzbach, Carmela Fullone Knopp, Heiner Friedrich und Jutta Fehr zu ihren Auszeichnungen. Auch Schüler von Jutta Fehr waren mitgekommen. Foto: FNP
Kreis Groß-Gerau. 

Der diesjährige Toleranzempfang des Kreises, so Landrat Thomas Will bei seiner Begrüßung, stehe unter einem günstigen Vorzeichen: Laut einer aktuellen Studie hätten die Menschen in Deutschland in den vergangenen Jahren nämlich ihre Einstellung zur Einwanderung deutlich geändert: "Immer mehr Menschen glauben, dass Ausländer eine Bereicherung sind. Und mittlerweile sind sich 80 Prozent sicher: Deutschland ist ein Einwanderungsland."

Seit 1997 ehrt der Kreis Groß-Gerau Jahr für Jahr Menschen, die sich in besonderer Weise um das friedliche Zusammenleben verdient gemacht haben. Passend zum Büchnerjahr 2012 stand der auch in diesem Jahr wieder von Sedat Cakir und dem Team des Integrationsbüros organisierte Empfang unter einem Leitwort des in Goddelau geborenen Schriftstellers und Revolutionärs: "Kräfte lassen sich nicht mitteilen, sondern nur wecken." Und so hätten sich die Ausgezeichneten auch verhalten: "Sie haben nicht nur ihre Überzeugungen ausgesprochen, sondern andere für Ihre Ideen begeistert", so der Landrat.

Für den Kreis von Vorteil

Das Beispiel Büchners, der ja selbst als Flüchtling und mithin als "Mensch mit Migrationshintergrund" gelebt habe und gestorben sei, mache vor allem eines deutlich: "Einwanderung und Auswanderung sind bei uns keineswegs geschichtlicher Ausnahmezustand, sondern Alltag, zu jeder Zeit, in jeder Generation." Dem Kreis Groß-Gerau sei dies aufs Beste bekommen, betonte Will. .

Zu Beginn und am Ende des Empfangs hatte Christian Suhr, der Leiter der Riedstädter BüchnerBühne, Ausschnitte aus Büchners Werken vorgetragen, die mit dem Thema der Toleranz verbunden sind. In seinem Festvortrag ging Professor Gerd Lautner auf die Migrationsgeschichte der Familie Büchner ein: Schon Georgs Vorfahren waren in die Niederlande ausgewandert, auch sein jüngerer Bruder Alexander musste aus politischen Gründen nach Frankreich emigrieren. Georg Büchner, so Lautner, werde noch immer in erster Linie als Literat wahr genommen. Dabei sei er doch vor allem ein Mensch gewesen, der grundlegende soziale Veränderungen angestrebt habe.

Vorbildliche Arbeit

Deshalb gelte es, sein Erbe – Freiheit und Toleranz – hoch zu halten und im Alltag zu leben. Die beim Toleranzempfang Ausgezeichneten hätten hier vorbildliche Arbeit geleistet: "Sie stehen dafür, das wir bereit sind, aufeinander zuzugehen."

Beim Toleranzempfang 2012 wurde Carmela Fullone Knopp für ihr Engagement bei der italienischen Gemeinde Groß-Gerau ausgezeichnet. Wolfgang Glotzbach (Nauheim) hat als Vorsitzender des Sportkreises Groß-Gerau die Aktion "Kein Platz für Rassismus" populär gemacht. Jutta Fehr organisiert als Lehrerin am Neuen Gymnasium in Rüsselsheim die multireligiösen Feiern zum Schulanfang. Julia Alcocer-Maestre setzt sich als Vorsitzende des Raunheimer Vereins "Toleranz unter Nationen" für die Belange der Migranten ein. Adem Demir organisiert als Vorsitzender der Alevitischen Gemeinde Ginsheim-Gustavsburg den Dialog mit der Kommune und anderen Organisationen. Heiner Friedrich hat sich als Leiter der Groß-Gerauer Martin-Buber-Schule mit großem persönlichem Engagement für die Elternarbeit eingesetzt. Ivo Zeba, Nicin Biljana und Esma Azap engagieren sich im Verband der interkulturellen Vereine in Rüsselsheim seit Jahren für den Dialog unter den ethnischen Gruppen.

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