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Vorbilder für respektvolles Miteinander

Wenn Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammenleben, bringe das viele Vorteile, sagte Landrat Thomas Will beim Toleranzempfang. Respekt untereinander sei ein wichtiges Merkmal einer modernen Gesellschaft.
Aktiv für ein respektvolles Miteinander: Gemeinsam mit Landrat Thomas Will (rechts) stellten sich die beim Toleranzempfang ausgezeichneten Frauen und Männer dem Fotografen. Aktiv für ein respektvolles Miteinander: Gemeinsam mit Landrat Thomas Will (rechts) stellten sich die beim Toleranzempfang ausgezeichneten Frauen und Männer dem Fotografen.
Kreis Groß-Gerau. 

„Wovon sollen wir träumen“: Auf den Liedtitel, mit dem die Groß-Gerauer „Stage Factory“ den Toleranzempfang des Kreises Groß-Gerau eröffnete, konnte es an diesem Abend eigentlich nur eine Antwort geben: Vom friedlichen Zusammenleben im Kreis - verbunden mit der Feststellung, dass dies eigentlich kein Traum mehr, sondern längst gelebte Wirklichkeit ist. Seit 1997 ehrt der Kreis jährlich Personen, die sich in besonderer Weise um Toleranz und ein respektvolles Miteinander zwischen Menschen aus verschiedenen Kulturen einsetzen.

„Wir sind stolz auf diese Vielfalt und vor allem auf jene, denen wir sie verdanken“, so Landrat Thomas Will (SPD) in seiner Laudatio. In diesem Jahr waren dies Gerda Siek aus Riedstadt, Ute Ritz-Müller, Hella Hack und Heidi Geißendörfer von der IGS Kelsterbach, Josef und Elvira Lammerskitten aus Trebur, Samreen Ahmad aus Riedstadt sowie Anke Reinheimer und Jörg Ewald vom Neuen Gymnasium in Rüsselsheim. Der Verein „Internationale Gärten“ aus Rüsselsheim und die SKG Erfelden wurden mit dem erstmals verliehenen Toleranzpreis für Vereine ausgezeichnet.

Ein Gebiet in Bewegung

„Die Mitbürger nichtdeutscher Herkunft gehören zu unserem Kreis wie der Spargel, die Schnaken, die Flugzeuge und die Autos mit dem Blitz am Kühler“, betonte der Landrat. Das habe auch seinen guten Grund: „Unsere Region liegt eben nicht hinter dem Berg, sondern an der Schnittstelle großer Verkehrswege. Sie hat sich nie verweigert und abgeschlossen, sondern war seit jeher ein Gebiet in Bewegung.“ Dabei wollte der Landrat keinesfalls verschweigen, dass Einwanderung auch Konflikte mit sich bringen könne. Aber im Rückblick sei das Zusammenfinden noch jedes Mal gelungen, ganz gleich, ob es sich um die Waldenser, die Heimatvertriebenen oder die Arbeitsmigranten der vergangenen Jahrzehnte gehandelt habe.

Für Thomas Will besonders wichtig: Integration dürfe keinesfalls mit Assimilation verwechselt werden. „Letzteres würde uns nicht nur ärmer machen, sondern passt auch nicht in unsere globalisierte Welt.“ Und der Landrat zeigte sich davon überzeugt, dass es gerade die Unterschiede seien, die vielen kleinen sozialen, kulturellen und ethnischen Eigentümlichkeiten, die einem Gemeinwesen seinen besonderen Reiz verleihen. Toleranz und der Respekt vor anderen Traditionen und Gebräuchen, so Thomas Will, seien „wichtigstes Merkmal einer selbstbewussten, zukunftsorientierten und weltoffenen Gesellschaft“.

Zur gelungenen Veranstaltung trug neben den Mitgliedern der „Stage Factory“, die mit ihren Liedern solistisch wie als Chor überzeugten, auch die Jugendinitiative „Karagöz trifft Kasperl“ der Riedstädter Martin-Niemöller-Schule bei: Ihr filmisch vorgestellter Videoclip zu interkulturellen Missverständnissen machte bei allen Besuchern Lust auf mehr.

Großes Engagement

Beim Toleranzempfang wurden die folgenden Personen und Vereine geehrt: Gerda Siek aus Riedstadt setzt sich seit 25 Jahren für die Teilhabe von MS-Kranken am gesellschaftlichen Leben ein und geht dabei auch auf Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft sehr sensibel und mit großem Engagement ein.

Ute Ritz-Müller, Hella Hack und Heidi Geißendörfer arbeiten seit über zehn Jahren als pädagogische Assistentinnen an der IGS Kelsterbach und motivieren dabei insbesondere Kinder aus Migrantenfamilien dazu, höhere Bildungsabschlüsse anzustreben.

Die Eheleute Josef und Elvira Lammerskitten aus Trebur, die bei der Verleihung nicht anwesend sein konnten, betreuen und unterstützen seit mehreren Jahren eine alleinerziehende Mutter türkischer Herkunft, die ohne Verwandte und Freunde den Alltag nicht bewältigen kann.

Samreen Ahmad engagiert sich seit vielen Jahren in der Frauengruppe der Ahmadija Gemeinde Riedstadt, arbeitet aktiv in verschiedenen Projekten des Kreises mit und baut mit großer Geduld Brücken zu Eltern und Kindern.

Anke Reinheimer und Jörg Ewald haben am Neuen Gymnasium Rüsselsheim ein Projekt mit der TG Rüsselsheim ins Leben gerufen, bei dem Schüler aus unterschiedlichen Kulturkreisen und Religionen am Schwimmunterricht teilnehmen.

Die beiden mit jeweils 500 Euro dotierten Toleranzpreise gingen zum einen an den Verein „Internationale Gärten“ in Rüsselsheim, dessen Mitglieder sich über ihr Gartenhobby hinaus am lokalen, gesellschaftlichen Leben beteiligen und Neuzuwanderern sozialen Anschluss bieten. Die Sport- und Kulturgemeinde Erfelden wurde ausgezeichnet, weil der Verein gemeinsam mit pakistanischen Mitbürgern eine Cricket-Sparte gegründet hat, deren Mannschaft seit April am offiziellen Spielbetrieb der Hessenliga teilnimmt.

(fnp)
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