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Selbstversuch: Ein paar Stunden Feuerwehrfrau - vier Tage Muskelkater

Welches Gewicht trägt ein Feuerwehrmann oder eine -frau mit sich, wenn sie in den Einsatz gehen? Dieser Frage ging Heike Lachnit nach, die in der kompletten Ausrüstung eines Atemschutzgeräteträgers die Treppe am Feuerwehrturm in Elz erklomm.
Wehrführer Hilmar von Schenck prüft, ob alles richtig sitzt. Bilder > Foto: Heike Lachnit Wehrführer Hilmar von Schenck prüft, ob alles richtig sitzt.
Limburg-Weilburg. 

Bei den Recherchen für die Feuerwehrserie wollte ich nicht nur mit den Einsatzkräften über ihre Erfahrungen sprechen, sondern auch selbst erleben, wie es ist, sich mit kompletter Ausrüstung zu bewegen. Bei der Freiwilligen Feuerwehr Elz kann ich den Selbstversuch starten. Wehrführer Hilmar von Schenck und sein Stellvertreter Guido Marder sind an meiner Seite.

Atemschutz bei der Feuerwehr

Zuerst geht es darum, Einsatzkleidung in der richtigen Größe für mich zu finden. Hose und Jacke sind recht dick. Bevor alles angezogen ist, komme ich schon ins Schwitzen. Nichts kneift beim Bewegen, aber die Einsatzkleidung schränkt die Bewegungsfreiheit doch um einiges ein. Am ungewöhnlichsten sind die Schuhe. Mit einer dicken Stahlsohle sowie Stahlkappen packen sie den Knöchel fest ein. Ich habe das Gefühl, als ob ich enorme Kraft aufwenden muss, um auch nur einen Schritt zu tun. Bis hier hin habe ich noch das Gefühl, mich irgendwie alleine angezogen zu bekommen. Die Zeit haben wir dabei nicht gestoppt. Klar ist aber trotzdem: Im Einsatzfall muss dies um einiges schneller gehen. „Wir haben in unseren Spinden die Bekleidung vorbereitet und die Hosen stecken bereits in den Schuhen“, erläutert Hilmar von Schenck.

Zweimal auf den Turm

Doch damit ist es als Atemschutzgeräteträger nicht getan. Um die Hüfte einen Gurt zum Befestigen von Werkzeug und Taschenlampe, auf den Rücken zwei Sauerstoffflaschen, die Atemschutzmaske, der Helm sowie das Funkgerät zur Verständigung. Am Ende bin ich mit zusätzlichen rund 24 Kilogramm bepackt.

Wer bei der Feuerwehr Atemschutzgeräteträger werden möchte, darf in Elz in kompletter Ausrüstung den Feuerwehrturm im Eiltempo nach oben, erklärt der Wehrführer. In einem zweiten Aufstieg müssen die Anwärter noch zusätzliches Gewicht mitnehmen. Ich darf zum Glück in meinem eigenen Tempo laufen. Und aufrecht. Guido Marder weist darauf hin, dass in einem Einsatz die Gegend auf den Knien erkundet wird und auch eine Treppe auf Knien erklommen wird. „Das geht ganz schön auf die Kniescheiben“, lacht er.

Mein Sichtfeld ist eingeschränkt, meine Füße kann ich nicht mehr sehen. Auf jeder Zwischenebene muss ich anhalten und nach Luft schnappen. Auf der Treppe pfeift mir der Wind um die Nase und ich merke, wie warm mich die Kleidung hält.

Runter geht dann deutlich leichter als nach oben. Unten hilft mir Marder dabei, die Maske aufzusetzen und ich spüre direkt, wie ich gegen einen Widerstand anatmen muss.

Der Keller braucht Übung

Aus den Klamotten wieder draußen fühle ich mich auf einmal sehr leicht. Da ist einiges an Übung notwendig. Mir hat dieser kleine Ausflug vier Tage Muskelkater in den Oberschenkeln beschert.

Atemschutzgeräteträger müssen einmal im Jahr in den Übungskeller bei der Freiwilligen Feuerwehr Limburg. Diesen Keller darf ich mir auch anschauen. Ohne Übung ist dieser aber für mich nicht zu bewältigen. Zuerst geht es in kompletter Montur auf das Laufband, dann in eine vernebelte Kriechstrecke mit Lichteffekten und Geräuschkulisse, bei 60 bis 70 Grad, dann aufs Ergometer, durch einen alten Industrietank und zum Abschluss auf die Endlosleiter. Und dafür hat der Atemschutzgeräteträger nicht beliebig Zeit, sondern nur so lange, wie er Sauerstoff hat. Je nach Atmung muss er den Parcours in 20 bis 30 Minuten bewältigen, um weiterhin als Atemschutzgeräteträger tätig zu sein. Bei diesen Anforderungen kann ich auch verstehen, dass in diesem Parcours ohne Übung kein Selbstversuch möglich war – was mir jetzt gar nicht so unlieb ist.

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