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Bistum: Ex-Bischof: Wiedersehen mit Tebartz

Von Die Heiligsprechung von Katharina Kasper am Sonntag ist für das Bistum ein herausragendes Ereignis - einen Tag später kommt es in Rom überraschend zu einem für die Diözese denkwürdigen Ereignis: das erste Wiedersehen mit dem in Ungnade gefallenen Ex-Bischof. Franz-Peter Tebartz-van Elst tritt beim Dankgottesdienst seines Nachfolgers Georg Bätzing als Konzelebrant auf.
Das bislang letzte Pressefoto des emeritierten Bischofs: Franz-Peter Tebartz-van Elst, jetzt mit Vollbart und neuer Brille, im Dezember 2015 im Vatikan  Archivfoto: Gennari Foto: Cristian Gennari (KNA) Das bislang letzte Pressefoto des emeritierten Bischofs: Franz-Peter Tebartz-van Elst, jetzt mit Vollbart und neuer Brille, im Dezember 2015 im Vatikan Archivfoto: Gennari
Rom. 

Wunder gibt es immer wieder . . . Große, wie das durch die Anbetung der bald heiligen Katharina Kasper in Indien erwirkte, und kleine, wie das überraschende Wiedersehen mit dem unheiligen Ex-Bischof bei einem feierlichen Akt des Bistums.

Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst wird am Montag beim Dankgottesdienst für die Heiligsprechung mit verschiedenen Würdenträgern zu den Konzelebranten zählen. Das hat das Bistum gestern auf Anfrage dieser Zeitung bestätigt. Die anderen Mitwirkenden sind über den „Überraschungsgast“ informiert worden. Die rund 1500 Pilger aus der Region, die heute in Rom eintreffen werden, sollen morgen Abend bei einer Vesper davon erfahren.

Die Frage, wann und bei welchem Anlass es zum Wiedersehen kommen würde, steht seit Jahren im Raum. Nach dem Skandal um den Bau der Bischofsresidenz am Limburger Dom war Franz-Peter Tebartz-van Elst im Oktober 2013 von seinen Pflichten entbunden worden. Knapp ein Jahr später zog er aus der Wohnung aus, und seitdem ist der weltweit als Protz-Bischof titulierte Mann in Limburg nicht mehr aufgetaucht.

Wunsch nach Versöhnung

Die meisten Gläubigen im Bistum wollten ihn auch nicht mehr sehen. Es waren ja weniger die gigantischen Ausgaben von 31 Millionen Euro, die für Empörung sorgten und die Diözese in eine schwere Krise stürzten, sondern vielmehr die Tricksereien, mit denen der Bauherr die Kostenexplosion an allen Gremien vorbei vertuschte. Kritiker beklagten außerdem seine autokratische Amtsführung.

Nun gehört es zum Selbstverständnis der katholischen Kirche, Sündern zu vergeben. Weihbischof Manfred Grothe, der das Bistum in der Übergangszeit zweieinhalb Jahre als Apostolischer Administrator führte, hat im Zusammenhang mit Tebartz wiederholt und eindringlich darauf hingewiesen. „Wir können einen Bischof nicht wie einen geschundenen Hund vom Acker gehen lassen“, lautete seine Botschaft ans Kirchenvolk. Grothes Wunsch nach einer festlichen Verabschiedung im Dom stieß allerdings auch im Domkapitel bislang auf wenig Begeisterung.

Bischof Dr. Georg Bätzing hat ebenfalls betont, dass Versöhnung zu den Grundpfeilern der christlichen Botschaft gehört. Nach der Ernennung hatte er seinen Vorgänger besucht; bei der Bischofsweihe und Amtseinführung am 18. September 2016 war Tebartz jedoch nicht dabei.

Bilderstrecke Tebartz: Der Luxus-Wohnsitz des Limburger Protz-Bischofs
31 Millionen Euro verpulverte der Limburger Skandal-Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst für seinen Luxus-Wohnsitz. Wir haben uns in dem Gebäudekomplex umgesehen.Standard: Mit dieser beleuchteten Treppe fand sich der Bischof auch bei Dunkelheit perfekt in seiner Wohnung zurecht.Bischof möchte man sein: Das Schlafzimmer lässt keine Wünsche offen.

„Irgendwann müssen sich die Beteiligten wieder in die Augen schauen“, sagte Manfred Grothe im März 2015 im Konradinerkeller des Bischofshauses. Am Montag ist es nun so weit. Unter den Konzelebranten sind erbitterte Widersacher von Tebartz – man darf also auf die Reaktionen gespannt sein. Ob es zur Versöhnung kommen wird?

Dass der 58-Jährige, nach wie vor Delegat für Katechese im Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung im Vatikan, zur Heiligsprechung von Katharina Kasper eingeladen wurde, ist richtig. Er hatte sich nach einer Privataudienz im Februar 2012 bei Papst Benedikt XVI. massiv dafür eingesetzt; unterstützt vom damaligen Generalvikar Dr. Franz Kaspar. Der ebenfalls aus Dernbach im Westerwald stammende 80-Jährige ist weitläufig mit der Ordensgründerin verwandt. Er hat sich zuletzt öffentlich von Tebartz distanziert und ihn allein für den Skandal verantwortlich gemacht.

Kaspar nicht dabei

Kaspar sei am Montag ebenfalls Konzelebrant, heißt es unter vermeintlichen Insidern. Das stimmt nicht. Nach Informationen dieser Zeitung wird Kaspar nicht in Rom sein.

Hintergrund Der Weg zur Heiligsprechung

Mit der Heiligsprechung Katharina Kaspers wird ein mehrjähriges Verfahren erfolgreich beendet. Der damalige Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst stellte im Februar 2012 im Vatikan den Antrag

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Tebartz-van Elst kommt erst am Montag in den Vatikan zurück. Er ist am Sonntag beim Jahrgedächtnis für seine Mutter in der Heimat am Niederrhein. In den Gremien des Bistums hatten wohl manche gehofft, dass er bei der Heiligsprechung auf dem Petersplatz in der Masse nicht groß auffallen würde. Nun rückt er beim Dankgottesdienst in Sant’Ignazio di Loyola zwangsläufig mit in den Blickpunkt.

Bätzing freut sich

„Bischof Georg freut sich darüber, dass Bischof em. Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst in dieser Woche die Einladung zur Konzelebration angenommen hat“, sagte Bistumssprecher Stephan Schnelle gestern dieser Zeitung.

Heiligsprechung ZDF überträgt live

Das ZDF überträgt die Heiligsprechungen am Sonntag ab 9.30 Uhr live aus Rom. Die etwa 165-minütige „ZDF spezial“-Sendung moderieren Andreas Klinner sowie der ZDF-Vatikanexperte Jürgen Erbacher.

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Konzelebranten aus dem Bistum sind Weihbischof Dr. Thomas Löhr, dessen Vorgänger Gerhard Pieschl, Generalvikar Wolfgang Rösch und verschiedene Bezirksdekane und Pfarrer, die Pilgergruppen begleiten. Außerdem wirken die Bischöfe Salesius Mugambi aus Kenia und Chacko Thottumarickal aus Indien mit.

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