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Defekt an Biogasanlage: Gülle-Katastrophe vernichtet Fische in Flüssen

Mehr als 500 000 Liter Gülle sind am Donnerstagmorgen infolge eines Defekts an einer Biogasanlage in Weilmünster zunächst in den angrenzenden Bleidenbach und später in die Weil geflossen. Alle Fische in den beiden Gewässern sind tot. Am späten Nachmittag erreichte die Gülle-Welle die Lahn. Auch hier droht nach Angaben von Experten ein massives Fischsterben.
Tote Fische säumen den Bleidenbach nach dem Zwischenfall in einer Biogasanlage in Weilmünster. Foto: Winfried Klein Tote Fische säumen den Bleidenbach nach dem Zwischenfall in einer Biogasanlage in Weilmünster.
Weilmünster. 

Von einem „Totalschaden“ sprach gestern der sichtlich geschockte Gewässerwart des örtlichen Fischerei-Sportvereins, Winfried Klein. Er war den Tag über an Ort und Stelle und hatte hilflos mit ansehen müssen, wie die jahrelange Arbeit seines Vereins, der sowohl den Bleidenbach als auch die Weil gepachtet hat, in wenigen Stunden zunichte gemacht wurde.

Lachse und Bachmuscheln, die von den Vereinsmitgliedern zum Teil bereits seit den frühen 1990er Jahren mühsam wieder in den Flüssen angesiedelt worden waren, hatten keine Chance: In den laut Klein fast vollständig mit Gülle gefüllten Bachläufen erstickten alle Lebewesen in kürzester Zeit. Das Problem sei, so Klein, dass Gülle nicht wie Öl auf dem Wasser schwimmt, sondern sich mit dem Wasser verbindet und ihm schlagartig sämtlichen Sauerstoff entzieht. In diesem Gemisch könne kein Lebewesen überleben, so der Experte.

Der erfahrene Gewässerwart rechnet damit, dass der Gülle-Unfall in den nächsten Tagen auch in der Lahn erheblichen Schaden anrichten wird. Trotz der Versuche einer eilig hinzugezogenen Fachfirma, die Gülle abzusaugen und den Schaden durch das anschließende Spülen der Bachläufe einzudämmen, erreichte die Güllewelle am späten Nachmittag bei Guntersau die Lahn.

Gülle-Unfall: Keine Gesundheitsgefahr für Anwohner

Der Gülle-Unfall im mittelhessischen Weilmünster stellt keine gesundheitliche Gefahr für die Anwohner dar. Das sagte ein Sprecher der zuständigen Kreisverwaltung Limburg-Weilburg am Freitag in Limburg.

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Ob es auch hier zu einem massiven Fischsterben kommen wird, könne man erst im Verlauf des heutigen Freitag mit Sicherheit sagen, erklärte Winfried Klein. So oder so rechnet der Fachmann aber damit, dass die Gülle wegen der eingebauten Wehre auf der Lahn einen „nachhaltigen Schaden“ anrichten wird. So sei zu befürchten, dass es noch im nächsten Jahr auf der Lahn zu vermehrtem Algenwachstum und damit verbunden zu einem weiteren Fischsterben kommen werde.

Ersten Ermittlungen zufolge, hatte ein technischer Defekt an der Biogasanlage auf dem Hof eines landwirtschaftlichen Betriebes den Unfall ausgelöst. Obwohl dieser bereits am frühen Morgen entdeckt worden war, konnte die braune Brühe nicht mehr aufgehalten werden.

Vom Standort des insgesamt 600 Kubikmeter fassenden Behälters oberhalb des Ortsteils Laubuseschbach floss die Gülle direkt in den winzigen Bleidenbach und von dort aus unaufhaltsam weiter nach Weilmünster, wo der Bach nach etwa sieben Kilometern in die Weil mündet.

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