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Haftanstalt Diez: Vergewaltigung und Totschlagsversuch: Vorwürfe gegen JVA-Leiter

Eine Vergewaltigung in der Haftanstalt in Diez hat Anfang November hohe Wellen geschlagen. Jetzt werden Vorwürfe laut, die Gefängnisleitung habe die Gefahr gekannt. Der Beschuldigte soll Wochen vor der Tat seine Ehefrau bedroht haben, sollte sie sich von ihm trennen.
Im Besucherraum der Justizvollzugsanstalt Diez konnte ein Häftling seine Frau vergewaltigen und beinahe töten. JVA Im Besucherraum der Justizvollzugsanstalt Diez konnte ein Häftling seine Frau vergewaltigen und beinahe töten. JVA
Diez. 

Zwei Häftlinge aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Diez erheben in einem Brief an den Südwestrundfunk (SWR) schwere Vorwürfe gegen die Leitung des Gefängnisses. Darin beschreiben sie, was sich in den Wochen vor der Vergewaltigung in der Haftanstalt abgespielt haben soll. Danach soll Torsten S. in einer Therapie-Gruppe mit der zuständigen Sozialarbeiterin angekündigt haben, er werde seine Frau „wegmachen“, sollte sie sich von ihm trennen. In der Gruppe sollten die Häftlinge trainieren, wie sie ihre Aggressionen in den Griff bekommen können.

Weiter heißt es in dem Schreiben, dass etwa vier bis sechs Wochen vor der Tat in der Herrentoilette des Besucherraumes ähnliche Tatwerkzeuge gefunden worden seien, wie jene, mit denen der 35-Jährige seine Frau im Besucherraum bedroht haben soll.

Das legt laut SWR den Schluss nahe, dass den Mitarbeitern in der Haftanstalt die Gefahr für die Ehefrau des mutmaßlichen Täters bekannt gewesen sein könnte. Als sie bei der Sozialarbeiterin anrief, soll sie trotzdem ermuntert worden sein, ihren Mann im Gefängnis zu besuchen und mit ihm ein „finales“ Trennungsgespräch im Besucherraum zu führen. Dabei soll es am 2. November zu der Vergewaltigung gekommen sein.

Mit Scherbe zugestochen

Danach soll der 35 Jahre alte Beschuldigte sie gewürgt, geschlagen, mit einer Scherbe angegriffen und mehrfach verletzt haben. Der Mann habe mit der Scherbe immer wieder auf seine Frau eingestochen – in die Schläfe, ihren Hals, den Arm, ihre Brust und ihren Rücken, berichtete die Staatsanwaltschaft Koblenz. Deshalb ermittelt die Behörde nicht nur wegen der Vergewaltigung, sondern auch wegen versuchten Totschlags – obwohl die Verletzungen zu keiner Zeit lebensbedrohlich gewesen seien.

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In Diez sitzen aktuell 500 Gefangene ein, darunter auch als sehr gefährlich geltende Insassen. Nach Angaben des Justizministeriums werden sie zurzeit von 240 uniformierten Justizvollzugsbeamten bewacht.

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Torsten S. ist wegen Mordes an einer früheren Partnerin zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Er wurde nach Angaben der JVA Diez inzwischen in eine andere Haftanstalt in Rheinland-Pfalz verlegt.

Die Staatsanwaltschaft Koblenz habe die Vorwürfe der beiden Mithäftlinge aus der JVA Diez ansatzweise bestätigt, sagt SWR-Redakteur Edgar Verheyen. Ein Zeuge habe bei den Vernehmungen zugegeben, dass Torsten S. bei einem Anti-Aggressionstraining Drohungen gegen seine Frau ausgesprochen habe. Die Behörde ermittle außerdem auch wegen Drohungen des Beschuldigten gegen den neuen Partner seiner Ehefrau, der ebenfalls in der JVA in Diez einsitzen soll.

Das rheinland-pfälzische Justizministerium, das die Haftanstalten im Land beaufsichtigt, will sich nach Angaben des Südwestrundfunks zunächst inhaltlich nicht zu den Vorwürfen äußern. Man wolle die Ermittlungen abwarten. Auch die Gefängnisleitung in Diez äußert sich momentan nicht.

Der Bund der Strafvollzugsbediensteten (BSBD) wies den Vorwurf zurück, JVA-Mitarbeiter hätten entsprechende Hinweise nicht ernst genommen. Der BSBD-Landesvorsitzende Winfried Conrad sagte, es sei zwar richtig, dass bereits Wochen vor der Tat verdächtige Gegenstände gefunden wurden. Allerdings hätten sie keinem Gefangenen zugeordnet werden können.

Es sei zu prüfen, ob Informationen rechtzeitig an die richtigen Stellen gelangt seien. Nach Auffassung des rheinland-pfälzischen AfD-Chefs Uwe Junge zeigt sich in dem Fall „eine gewisse Naivität im Umgang mit Gewalttätern“. Er forderte lückenlose Aufklärung.

Erste Konsequenzen

Das Justizministerium hat bereits Konsequenzen aus dem Fall gezogen, berichtet der SWR. Ab sofort müssen zu den Besuchszeiten immer mindestens zwei Justizvollzugsbeamte im Raum sein. Der Raum wurde inzwischen so eingerichtet, dass die beiden Beamten den rund 170 Quadratmeter großen Raum ständig im Blick haben.

Die abgetrennte Spielecke, in der die Frau vergewaltigt wurde, wurde abgebaut und nicht ersetzt. Kinder sitzen jetzt mit ihren Eltern am Tisch und spielen dort.

(red)

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