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Ein Gespräch übers Wandern: Flipflops? Gehen gar nicht!

Seine Eltern schleppten ihn einst im Kinderwagen zum Feldberg hinauf. Heute ist der 43 Jahre alte Verkehrsfachwirt Stefan Schmietendorf Vorsitzender des Taunusklubs in Bad Soden. Mit Kreisblatt-Redakteur Andreas Schick teilt er eine Leidenschaft: Wandern! Angeregt plauderten sie über ihr Hobby.
Stefan Schmietendorf (43) ist seit 2016 Vorsitzender des Taunusklub-Zweigvereins Bad Soden. Bilder > Stefan Schmietendorf (43) ist seit 2016 Vorsitzender des Taunusklub-Zweigvereins Bad Soden.

Erst mal Hut ab, Herr Schmietendorf!

STEFAN SCHMIETENDORF (guckt irritiert ): Wieso?

Der Sodener Taunusklub, dem Sie vorstehen, bietet Abwechslung! Mal tauschen Sie die Wanderschuhe gegen Fahrräder ein, mal wandern Sie vor der eigenen Haustür, dann sind Sie wieder in der Ferne unterwegs.

SCHMIETENDORF: Ja, das stimmt. Wir als Zweigverein haben 40 bis 50 Veranstaltungen pro Jahr. Nur ein knappes Drittel ist wiederkehrend. Wir versuchen uns gerne an Neuerungen und legen zudem großen Wert darauf, kulturelle Aktivitäten einzubauen.

Das heißt?

SCHMIETENDORF: Wir lieben die Natur und sind gerne draußen unterwegs, aber wir verbinden unsere Wanderungen oft mit Führungen in Museen oder auch mit Theaterbesuchen, etwa zum Varieté im Neuen Theater in Höchst.

Wie kamen Sie zum Wandern?

SCHMIETENDORF: Meine Eltern haben mich schon im Kinderwagen mit auf den Feldberg geschleppt. Mein Vater war bis 2005 Vorsitzender des Sodener Taunusklubs. Meine Mutter erledigt für den Gesamtverein noch heute die Büroarbeiten in der Geschäftsstelle.

Was motiviert Sie?

SCHMIETENDORF: Wandern ist ein guter Weg, sich zu bewegen und die Gesundheit zu erhalten. Wir Wanderer kommen mit anderen Menschen in Kontakt und haben die Möglichkeit, gemeinschaftlich die Heimat zu erkunden und den Horizont zu erweitern.

Aber die ganz langen Touren gibt es bei den Sodener Tauniden nicht.

SCHMIETENDORF: Von kleineren Touren bis zu 25-Kilometer-Wanderungen ist alles möglich. Unsere Tageswanderungen haben im Durchschnitt 15 Kilometer. Wir legen die Touren so aus, dass sie für alle Teilnehmer zu schaffen sind, und informieren von vorneherein über den Schwierigkeitsgrad, die Länge und alle anderen relevanten Informationen.

Ich wandere auch super gerne und beobachte dabei oft zwei Extreme. Manche Leute wirken auf mich unverhältnismäßig gut und teuer ausgestattet. Dann bin ich erschrocken, wenn Wanderer mit schlechten Schuhen oder ohne Erste-Hilfe-Material loslaufen. 

SCHMIETENDORF: Mir graust es, wenn ich sehe, dass „Wanderer“ Flip-Flops tragen. Wir beim Taunusklub weisen unsere Teilnehmer aber korrekt ein. Wir geben Tipps, was die Leute anzuziehen und mitzunehmen haben und wie sie einen Rucksack packen und tragen müssen, damit er rückenschonend sitzt. Wir haben ausgebildete Wanderführer, die auf die richtige Ausstattung achten und auch in anderen wichtigen Fragen, etwa zum Wetter, Bescheid wissen.

Ich wandere ganz gerne allein, obwohl davon aus Sicherheitsgründen generell abgeraten wird. Ich kann mein Tempo gehen, aber auch pausieren und fotografieren und innehalten, wann und wie lange ich will.

SCHMIETENDORF: Das muss jeder für sich entscheiden. Ich wünsche mir, dass wir im Taunusklub es schaffen, ein Wir-Gefühl herauszubilden. Die Leute sollen Spaß haben, sich aber auch als Tauniden fühlen sowie die Ziele und Philosophie des Wandervereins verinnerlichen. Wenn die Menschen ein gewisses Alter erreicht haben, wächst nach meiner Erfahrung das Bedürfnis, Teil einer Gruppe zu sein und sich miteinander zu unterhalten.

Stichwort Nachwuchsmangel.

SCHMIETENDORF: Wir hatten bis 2005 etwa 300 Mitglieder, sind jetzt bei etwa 150 bis 160 Mitgliedern im Sodener Zweigverein. Teilweise wird das, was wir als Taunusklub ehrenamtlich leisten, leider als Dienstleistung verstanden. Wir freuen uns über jeden Wanderer. Doch wünschen wir uns mehr Leute, die zur Mitarbeit bereit sind.

Woran hapert’s?

SCHMIETENDORF: Wir betreuen mit dem Bad Sodener Taunusklub ein Wege-Netz von etwa 68 Kilometern Länge. Freiwillige, die all diese Wege markieren und die Schilder überprüfen und erneuern, brauchen wir immer. Wir schreiben einmal pro Jahr eine Wanderung aus, bei der wir diese Arbeiten als Gruppe gemeinschaftlich erledigen, . . .

. . . aber?

SCHMIETENDORF: Es gibt das ganze Jahr über Handlungsbedarf. Mal reißen Vandalen Wanderwegweiser ab, mal montieren Scherzkekse sie an andere Bäume, um Wanderer zu verwirren. Bei Stürmen kommt es vor, dass Bäume mit Wegmarkierungen umstürzen. In all diesen Fällen müssen wir wieder Hand anlegen und neu beschildern.

Landkarte oder GPS?

SCHMIETENDORF: Es gibt Leute, die anhand von Anweisungen im Smartphone wandern. Aber hier in den Mittelgebirgen sind die Wege in der Regel gut und ausreichend beschildert. GPS und Smartphone sind gute Hilfsmittel, aber jeder, der wandern geht, sollte eine Karte dabei haben und sie lesen können.

Im Internet gibt es inzwischen ja unzählige Wanderweg-Beschreibungen.

SCHMIETENDORF: Ich verlasse mich nicht auf die Angaben und Bewertungen dort.

Nicht alles ist dort falsch, vieles an Infos nützlich, aber manches unpräzise.

SCHMIETENDORF: Wir beim Taunusklub sind die Experten für schöne Wanderstrecken. Ich will es an einem Beispiel festmachen. Wenn wir als Sodener Taunusklub am Wochenende im Schwarzwald wandern wollen, nehmen wir dort Kontakt mit befreundeten Vereinen und Wanderführern auf, die uns eben auch Geheimtipps ihrer Heimat verraten können. Wir erreichen beim Gehen beispielsweise eine Gabelung, an der alle nach rechts gehen, weil es irgendwo im Internet steht. Aber wir biegen links ab und erleben die viel schönere Route. Warum? Der ortskundige Wanderführer hat es uns empfohlen.

Wohin steuert der Taunusklub?

SCHMIETENDORF: Aus Sodener Sicht haben wir die Absicht, über verschiedene Aktionen in der Stadt noch stärker ins Gespräch zu kommen. Im Sommer haben wir eine kurze Wanderung am Samstagmittag beim „Jazz am Quellenpark“ enden lassen. Das sieht schon gut aus, dort als Gruppe von etwa 15 Personen einzulaufen und Geschlossenheit zu demonstrieren. Als Gesamtverein muss der Taunusklub moderner und „frecher“ werden. Wir sind zum Beispiel dabei, unseren Internetauftritt zu verbessern und moderner zu gestalten.

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