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Kampf eskaliert: Parkplätze im Frankfurter Westen verzweifelt gesucht

Von Der Parkdruck in den Stadtteilen wird immer dramatischer. Er ist das dominierende Thema im Ortsbeirat, und der Kampf um den Abstellplatz wird jetzt auch militant ausgetragen.
Auf diesem Parkplatz am Sossenheimer Weg darf seit Ende vorigen Jahres nur während der Friedhofsöffnungszeiten geparkt werden. Am Abend und in der Nacht ist die Schranke unten, und wichtiger Parkraum bleibt ungenutzt. Vorher konnten dort Anwohner ihr Auto abstellen; sie haben sich jetzt beim Ortsbeirat beschwert. Bilder > Foto: Maik Reuß Auf diesem Parkplatz am Sossenheimer Weg darf seit Ende vorigen Jahres nur während der Friedhofsöffnungszeiten geparkt werden. Am Abend und in der Nacht ist die Schranke unten, und wichtiger Parkraum bleibt ungenutzt. Vorher konnten dort Anwohner ihr Auto abstellen; sie haben sich jetzt beim Ortsbeirat beschwert.
Frankfurter Westen. 

Sei es der Anfang des Jahres von der Stadt für die Nacht abgeriegelte Parkplatz des Höchster Friedhofs am Sossenheimer Weg, das Zustellen von ganzen Vierteln mit Firmenautos oder die Umwandlung ehemaliger Mieter- oder Kundenparkplätze im bewirtschafteten Parkraum für Flughafennutzer – in allen Stadtteilen des Frankfurter Westens ist der Parkdruck enorm. Angesichts dringend benötigten Wohnraums genehmigt die Stadt immer wieder Neubauten, ohne dass ausreichender Parkraum mitgeschaffen wird – wie jüngst im Alemannenweg, wo zu 36 Wohnungen 19 Parkplätze entstehen und es als Entschuldigung heißt, die zukünftigen Mieter könnten ihre Autos ja im wenige Minuten entfernten Parkhaus der Wohnungsbaugesellschaft abstellen (wir berichteten).

Keiner will zahlen

Fakt ist: Wenn ein Parkplatz Geld kostet, ist die Zahl derer, die bereit sind, ihn anzumieten, gering. Lieber stellen die Leute ihr Auto am Straßenrand ab, auch im Halteverbot. Lieber riskieren sie einen Strafzettel, als von vornherein 30, 50 oder gar 100 Euro pro Monat für ihren Parkplatz zu bezahlen.

Weil das so ist, werden immer mehr ehemalige Mieter- oder Kundenparkplätze an die vermietet, die bereit sind zu zahlen. Und das sind diejenigen, die anderswo noch mehr bezahlen müssten. Am Flughafen etwa berappt man, wenn das Auto dort während der Urlaubsreise zwei Wochen lang im Parkhaus steht, locker das Geld, das ein weiterer Kurzurlaub kosten würde. Die privat betriebenen Flughafen-Parkplätze mit Shuttle-Service zum Airport sind deshalb eine Goldgrube. Und so werden immer mehr ehemalige Mieterparkplätze in den Wohnvierteln zu bewirtschafteten Flughafen-Parkzonen. Auch das vor Jahren als Parkplatz für S-Bahn-Pendler angepriesene Gelände am Tor Nord des Industrieparks Höchst ist inzwischen von der bundesweit tätigen Betreibergesellschaft fast ausschließlich für Flughafennutzer reserviert.

Verkehrsdezernent kommt

Über den Verkehr in Nied, Falsch- und Dauerparker, fehlende Kontrollen, fehlende Radwege und andere Themen können die Nieder am Dienstag, 29.

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Am Nahkauf-Markt an der Dürkheimer Straße in Nied sind Parkflächen weggefallen, so dass dort nun auch die Stellfläche des Bücherbusses regelmäßig zugeparkt wird und die Anlieferer den Verkehr blockieren, weil sie auf der Straße ausladen (wir berichteten). Auf der „kleinen Mainzer“, dem Teilstück der Mainzer Landstraße, das vom Rewe-Markt bis zur Spielmannstraße führt, ist trotz des großen Parkdrucks die Außengastronomie, deren Tische über Sommer in den Parkbuchten aufgebaut werden, erweitert worden. In der Alzeyer Straße ist ein Mieterparkplatz an einen Flughafen-Parkservice vergeben worden, der dort sogar Bürocontainer aufgestellt hat – mitten im Wohngebiet.

In den Siedlungen in Unterliederbach, Nied, Sossenheim und Höchst beklagen sich Anwohner darüber, dass die Straßen über Nacht mit Firmenwagen und Kleintransportern zugestellt sind: Viele Firmen geben ihre Autos inzwischen den Mitarbeitern mit nach Hause, um keinen Parkraum am Firmengelände vorhalten zu müssen. Der Streit eskaliert: Lesen Sie dazu den Text rechts oben.

Die Konstellation unserer überalterten Gesellschaft braucht diese Pflegedienste – ihre Dienstleistungen ebenso wie ihre Arbeitsplätze. Doch wohin mit den Autos? Die gewerbliche Nutzung des Parkraums in den Siedlungen verschärft den Druck, der ohnehin in den vergangenen 20 Jahren entstanden ist, weil heute jede Mietpartei zwei, wenn nicht gar drei Autos hat und die Autos heute viel größer und klobiger sind als in den 50er oder 60er Jahren, als die Siedlungen und ihre Parkplätze gebaut wurden. Dazu kommt: Auch Schulen verursachen Parkdruck, etwa die Ludwig-Erhard-Schule in Unterliederbach. Während an anderen Schulen meist nur die Lehrer einen Parkplatz brauchen, kommen viele Berufs-, aber auch Oberstufenschüler mit dem Auto. Deshalb wird hinter vorgehaltener Hand auch schon vor dem geplanten Umzug der Paul-Ehrlich-Schule von Höchst nach Unterliederbach gewarnt.

Dauerschleife

Der Ruf nach Sonderregelungen – etwa dem per Ausweis bevorrechtigten Anwohnerparken in bestimmten Straßen – wird von der Stadt immer wieder abschlägig beschieden: Diese Parkgebiete in Frankfurt befinden sich in der Dauerwarteschleife, weil die Stadt nur zu gut weiß: Solange sie kein Personal zur Kontrolle der Parkausweise hat, ist die Einrichtung solcher Zonen sinnlos.

So heißt es jüngst in einer Stellungnahme des Magistrats zu Anwohnerparken in der Werner-Haustein-Straße und im Nieder Kirchweg: „Die Erfahrungen zeigen, dass zur Durchsetzung von ParkraumBewirtschaftungsmaßnahmen eine hohe Kontrolldichte erforderlich ist. Die Personalressourcen der Verkehrsüberwachung sind jedoch begrenzt, so dass bei einer räumlichen Ausdehnung des Bewohnerparkens über die bestehenden Bereiche hinaus die erforderliche Kontrolldichte nicht mehr gewährleistet werden könnte.“ So komplex das Problem, so verquast die Sprache.

Bauschaum in den Auspuff gespritzt

Aus Ärger über im Wohngebiet abgestellte Autos eines Pflegedienstes haben Unbekannte die Auspuffanlagen von drei Renault Twingo, die am Sossenheimer Weg schräg gegenüber der Walter-Kolb-Schule abgestellt

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Eine neue Bewohnerregelung ist derzeit nur für Teile von Bornheim vorgesehen. Dabei soll ein verändertes Parkraum-Management erprobt werden. Unter Auswertung der Bornheimer Erfahrungen soll dann darüber nachgedacht werden, dieses neue Modell auch in anderen Teilen des Stadtgebiets umzusetzen.

Der Magistrat beobachte „mit Interesse die technische Entwicklung im Bereich der digitalen Parkraumbewirtschaftung hinsichtlich der Potenziale für die Effizienzsteigerung der Überwachung“.

Der Verkehrsausschuss tagt:

Die nächste Sitzung des Verkehrsausschusses der Stadtverordnetenversammlung tagt am Dienstag, 12. Juni, um 17 Uhr im Rathaus-Südbau, Bethmannstraße 3, 3. Obergeschoss, Sitzungssaal 307 (Besuchereingang: Bethmannstraße 3)

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