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Ausstellung: 22 Tafeln erinnern an die Opfer des NSU-Terrors

Neun Männer und eine Frau hat die Nazi-Terrororganisation Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) ermordet. Eine Ausstellung gibt den Opfern nun ein Gesicht.
Organisieren die Ausstellung: Sedef Yildiz (links) vom Kreisnetzwerk gegen Rechts und Rechtsextremismus-Expertin Birgit Mair aus Nürnberg. Foto: Charlotte Martin Organisieren die Ausstellung: Sedef Yildiz (links) vom Kreisnetzwerk gegen Rechts und Rechtsextremismus-Expertin Birgit Mair aus Nürnberg.
Kreis Groß-Gerau. 

 „Er war der netteste Mensch, den ich gekannt habe“, heißt es über Mehmet Turgut, der im Februar 2004 in einem Rostocker Imbiss erschossen wurde. 1977 in Ostanatolien (Türkei) geboren, wurde Turgut nur 25 Jahre alt – ermordet in Deutschland, dem Land seiner Hoffnung.

Ihm wie den anderen Toten, die zwischen 2000 und 2007 ermordet wurden, war – ausgenommen die Heilbronner Polizistin Michèle Kiesewetter – das südländische Aussehen gemein. Damit entsprachen sie einem Klischee und wurden Opfer des blinden Hasses des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU): Gemüsehändler, Verkäufer, Imbissbetreiber, Familienväter, die ein arbeitsames Leben führten – brutal hingerichtet.

Würde zurückgeben

Die Wanderausstellung „Die Opfer der NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen“, die jetzt im Kreishaus eröffnet und von Rechtsextremismus-Expertin Birgit Mair konzipiert wurde, ruft die Gräuel der NSU-Taten in Erinnerung. Vor allem wollen die 22 Plakate den Opfern Würde und Gesicht zurückgeben, erzählen deren Kurzbiografien und zitieren Angehörige.

Viele Jahre verdächtigte die Polizei Menschen aus dem Umfeld der Ermordeten, in die Taten verstrickt zu sein. Mutmaßungen Angehöriger, die Täter seien unter Neonazis zu finden, wurden von den Fahndern ignoriert. Diesen Skandal rief Birgit Mair in Erinnerung, referierte die Ermittlungspannen bei den Morden, den Bombenanschlägen in Köln und den Banküberfällen im Osten.

Man erinnert sich: Von „Döner-Morden“ war respektlos die Rede, während die Neonazi-Szene gar nicht erst ins Visier der Ermittler geriet. „Wie konnte das sein? Angehörige der Opfer erzählten mir, sie hätten ihre Vermutung bei der Polizei mehrfach geäußert, doch stützte diese sich auf den Tatbestand fehlender Bekennerschreiben, die in der Naziszene üblich seien“, legte Mair das Unfassbare dar.

Bestürzend muten die Versäumnisse und Fehleinschätzungen noch heute an, wiewohl Beate Zschäpe als einzig noch lebende Verdächtige des federführenden NSU-Trios seit fast vier Jahren der Prozess gemacht wird.

Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt starben 2011 – mutmaßlich durch Selbstmord. „Niemand sah unmittelbare Gefahr durch rechtsextremistische Terroranschläge“, so Mair. „V-Leute des Verfassungsschutzes führten durch die Aussage, die NSU-Rädelsführer seien ins Ausland gegangen, wiewohl sie mitten unter uns lebten, zudem in die Irre.“

Keine Gerechtigkeit

Auch im zähen Prozess gegen Zschäpe sieht Mair keinen Weg, den Opfern späte Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen. Zumal das Netzwerk der NSU-Unterstützer, die nach Bombenfunden in einer Garage Zschäpes ab 1998 im Untergrund lebte, unbehelligt bleibe. „Nach zehn Jahren sind ihre Taten, wo nachweisbar, gerichtlich kaum noch relevant – dies ist der neue Skandal nach dem Skandal.“ Mit der Plakatausstellung will sie Betroffenheit wecken und für das Thema rechtsextremer Gewalt sensibilisieren, so Mair.

Die Ausstellung ist noch bis 14. April im Kreishaus zu sehen.

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