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Jubiläum: 40 Jahre Gustav-Heinemann-Schule

Ursula Bauer gehörte vor 40 Jahren zur Planungsgruppe des neuen Oberstufengymnasiums. Sabine Wahl war von 1980 – 1983 Schülerin an der Gustav-Heinemann-Schule und ist hier seit 2009 als Lehrerin und in der Schulleitung tätig. Wir haben mit beiden über die Vergangenheit gesprochen.
Ursula Bauer (links) war bei der Gründung der GHS federführend mit dabei und hier bis 2012 als Lehrerin tätig. Sabine Wahl hat an der GHS ihr Abitur gemacht und ist hier seit 2009 Lehrerin. Ursula Bauer (links) war bei der Gründung der GHS federführend mit dabei und hier bis 2012 als Lehrerin tätig. Sabine Wahl hat an der GHS ihr Abitur gemacht und ist hier seit 2009 Lehrerin.
Rüsselsheim. 

Ursula Bauer war noch im Referendariat, als sie gefragt wurde, ob sie beim Aufbau eines neuen Oberstufengymnasiums mitwirken wolle. „Das war eine aufregende Zeit, 1976. Ich war in der Planungsgruppe. Wir haben uns den Namen der Schule überlegt“, erinnert sich die ehemalige Lehrerin für Englisch und Französisch.

Als die Gustav-Heinemann-Schule (GHS) dann 1977 die ersten 68 Schüler in die 11. Klasse aufnahm, sei das ob der geringen Schülerzahl und kleinen Klassen „wie im Paradies gewesen“, sagt Bauer und lacht laut, als ihr eine lustige Anekdote einfällt. „Drei Tage vor dem ersten Schultag waren die Toiletten noch nicht fertig. Aber am Ende hat dann doch alles geklappt.“ Damals als Lehrerin an der GHS zu sein, sei auch deshalb paradiesisch gewesen, weil „wir den Lehrplan frei gestalten und mit Inhalten füllen konnten.“ Das sei heute leider nicht mehr so.

AG Wirtschaftsenglisch

Dennoch konnte Ursula Bauer, die an der Schule für den Bereich Sprachen zuständig war, einige Projekte initiieren, die es auch heute noch gibt. Dazu gehört der Austausch mit England, Frankreich und seit 1994 ein Schüleraustausch mit einer High-School in Wisconsin, USA. Bauer, die bis 2012 an der GHS unterrichtet hat, hat zudem eine AG für Wirtschaftsenglisch ins Leben gerufen. Heute können die Schüler der GHS in diesem Bereich ein Zertifikat erwerben.

Ursula Bauer lacht wieder, als ihr eine weitere lustige Geschichte einfällt: „Ich habe immer die Entschuldigungen der Schüler gesammelt. Einem jungen Mann über 18 habe ich einmal einen Preis für die originellste Entschuldigung verliehen. Er schrieb: Wegen Schlechtigkeit und Schwindelei konnte ich nicht am Unterricht teilnehmen.“

Eine derartige Entschuldigung fiel Sabine Wahl nicht ein, als sie die GHS von 1980 bis 1983 besuchte. „Das war eine tolle Zeit“, erinnert sich Wahl zurück. „Ich hatte ein tolles Verhältnis mit meinen Lehrern. Ich konnte viele von ihnen sogar duzen. Wir waren als Schüler politisch interessiert und auch organisiert, haben zum Beispiel an den Demos gegen die Startbahn West teilgenommen. Das Schulsystem war damals einfach sehr demokratisch.“ Nach einem Magisterstudium der Politikwissenschaften, Orientkunde und Romanistik habe sie zunächst in der Softwarebranche gearbeitet. „Bis mir das nicht mehr genug war“, erzählt Wahl. Sie haben dann für ein Lehramtsstudium noch einmal fünf Jahre lang die Hörsäle der Uni Mainz besucht und sei dann zunächst als Lehrerin für Politik, Wirtschaft und Deutsch in Rheinland-Pfalz und ab 2005 an einer Schule in Eltville tätig gewesen. Seit 2009 ist Sabine Wahl als Lehrerin an der GHS. „Damit hat sich ein Kreis geschlossen“, gibt Wahl zu. Allerdings habe sich die Schule seit ihrer eigenen Zeit als Schülerin sehr verändert. „Die Schüler sind viel angepasster als wir damals, sie sind weniger praktisch und reflektieren nicht in dem Ausmaß wie wir früher“, bedauert die Lehrerin.

Weniger Freiheiten

Auch die schulischen Inhalte und die Gestaltungsmöglichkeiten der Schulleitung und des Lehrerkollegiums hätten sich stark verändert, bemängeln Sabine Wahl und Ursula Bauer und betonen: „Das liegt aber nicht an der Schule, sondern am Kultusministerium. Durch politische Entscheidungen und durch das Zentralabitur sind wir starr an Unterrichtsvorgaben gebunden. Dadurch haben wir fast nie die Gelegenheit, aktuelle Themen in den Unterricht mit einzubauen.“ Auch was die durchgenommene Literatur angehe, gebe es strikte Vorgaben. „Früher war es so, dass Schüler auch einmal ein Buch vorschlagen konnten. Das geht jetzt gar nicht mehr“, kritisiert Sabine Wahl und erklärt: „Die Entscheidungsfreiheit der Schule wurde über die Jahre immer mehr eingeschränkt.“

Der Umzug in das neue Gebäude sei ein Zugewinn für die GHS, sind sich Bauer und Wahl einig. „Das Gebäude ist top. Wir sind optimal ausgestattet und haben ausreichend Lehrer. Insgesamt sind wir – auch durch unseren Informatik-Schwerpunkt – modern aufgestellt“, meint Sabine Wahl.

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