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CDU: Ann-Kathrin Löser (21) will Rüsselsheim aufmischen

Da sage noch mal einer, Politik sei was für alte Männer in grauen Anzügen: Ann-Kathrin Löser will das Rüsselsheimer Parlament aufmischen.
Ann-Kathrin Löser (CDU) Rüsselsheim Ann-Kathrin Löser (CDU) Rüsselsheim
Rüsselsheim. 

Das schöne, melancholische Licht um 10 Uhr vormittags an den Opelvillen. Ann-Kathrin Löser ist pünktlich. Im feinen blauen Mantel steht sie vor dem wuchtigen Gebäude, die schwarze Lederhandtasche auf dem Boden abgestellt. Schnell noch ein paar WhatsApp-Nachrichten schreiben, dann den Kopf zur Seite legen: Ein Begrüßungslachen, das all die knallharten Reporterfragen im Keim erstickt. Was für ein professioneller Auftritt, und das mit 21 Jahren.

Ann-Kathrin Löser ist eine der großen Nachwuchshoffnungen der örtlichen CDU-Fraktion. Und man hat Lust, mit ihr die großen, die dringenden Fragen zu besprechen: Wer hat das Zeug für die Merkel-Nachfolge? Wer sitzt in 20 Jahren noch im Bundestag: Julia Klöckner oder Jens Spahn? Und warum in Gottes Namen hat die CSU die CDU eigentlich so sehr im Griff? Die Antworten kommen wie aus der Pistole geschossen, keine Zeit zum Innehalten: „Jens Spahn? Bin kein großer Fan. Zu viele Widersprüche in einer Person. Die CSU bespielt mir zu sehr den rechten Rand der Gesellschaft.“ Hui, das geht flott. Und, auch das: „Annegret Kramp-Karrenbauer ist eine gute Wahl. Sie kann Frau Merkel beerben.“ Das wäre also geklärt.

Ab 5.30 Uhr schwimmen

Spaziergang am Mainufer, ein bisschen über Biografisches sprechen: Ann-Kathrin Löser, geboren 1996, aufgewachsen im Osten Deutschlands, in einem Ort mit dem unschlagbaren Namen Großrückerswalde. „War schön da“, sagt sie. „Halt ganz anders als Rüsselsheim.“ Viel Wald, wenig Industrie. Will man studieren, dann geht man da weg. Oder macht zumindest irgendwas mit Sport: „Ich war in Leipzig auf einem Sportinternat. Ich bin jeden Tag um 5.30 Uhr aufgestanden, um ein paar Bahnen zu schwimmen. Dann hatte ich Unterricht, und am Nachmittag ging es wieder in die Schwimmhalle.“

Eine gute Zeit sei das gewesen, aber eben wenig Perspektive für die Familie: „Als ich 14 Jahre alt war, sind wir nach Rüsselsheim gezogen.“ Der Vater arbeitet jetzt als Ingenieur im Taunus, die Mutter als Erzieherin in Raunheim. „Zuerst habe ich das Schwimmen weiterverfolgt. Doch mittlerweile bin ich nicht mehr so oft im Becken. Ich bin jetzt als Trainerin aktiv.“ Dafür volle Konzentration auf Jura-Studium und Politik-Karriere.

Und man fragt sich, wo sie denn diese ganze Zeit hernimmt. Hat ihr Tag mehr als 24 Stunden? „Das frage ich mich auch manchmal“, sagt sie. Und wieder dieses strahlende Lachen. Das Studium in Mainz steht kurz vor dem Abschluss, Berufswunsch: Richterin oder Staatsanwältin. Und dazwischen eine Promotion. Dazu kommt jetzt vermehrt der Rüsselsheimer Politik-Betrieb: „Ich bin mit 18 in die CDU eingetreten, habe mittlerweile viele Freunde in der Fraktion.“ Die Partei stehe für ein modernes Familienbild, entwickele Traditionen fort, ihr gelinge ein guter Spagat. „Wir sind halt die Partei der Mitte.“ Die Sätze kommen ihr leicht über die Lippen, wirken nicht einstudiert: „Wir haben zu Hause in der Familie immer viel über Politik gesprochen“, lautet die Erklärung.

Die erste große Politik-Enttäuschung sei die Wahlniederlage von Oberbürgermeister Patrick Burghardt im vergangenen Jahr gewesen: „Das hat mich schon getroffen“, gesteht sie. Mehr noch: „Es hat uns alle getroffen.“ Doch jetzt heißt es: nach vorne schauen, für Rüsselsheim, für die CDU. „Der Haushalt muss jetzt konsolidiert werden. Das hat Priorität. Wir müssen genau überlegen, für was und für wen wir Geld ausgeben. Es darf kein Wünsch-Dir-was geben.“ Die Entwicklung des Opelaltwerks sei ein wichtiges Projekt, das Rüsselsheim prägen wird. „Ich hoffe, dass sich Udo Bausch seiner Verantwortung bewusst ist“, sagt sie. Und kündigt an: „Ich will Akzente setzen.“

Erstes politisches Fazit

Erfahrungen in Ausschüssen und Stadtverordnetenversammlung hat sie gesammelt. Ein vorsichtiges Fazit? „Da wird sehr unsachlich diskutiert. Für die Stadt ist das nicht gut, bringt uns nicht voran.“

Ann-Kathrin Löser bezeichnet linke Politik als konträr gegenüber ihrer eigenen politischen Haltung. Doch ganz klar, absolutes No-Go: die AfD. „Ich kenne die Leute, die bei Pegida aufmarschieren. Ich kenne die AfD-Menschen aus meiner Jugend in Sachsen“, sagt sie. Und, vorsichtig ausgedrückt: Viel hält sie von deren politischen Pöbeleien nicht. „Stammtischparolen“, nennt das Ann-Kathrin Löser. Man dürfe sich nicht auf deren rhetorisches Niveau einlassen. „Ich habe das erlebt, wie dort ganz offen rechtes Gedankengut vertreten wird.“ Es gebe dort eine diffuse Angst vor allem Fremden. Scheußlich findet sie das. Dagegenhalten ist angesagt. Denn leider ist es ja immer noch so: „Wer am lautesten schreit, wird eben auch am ehesten gehört.“ Doch ganz klar: Ann-Kathrin Lösers Verwandte in Sachsen, Freunde, deren Eltern teilen die AfD-Ideologie nicht: „Das ist mir wichtig festzuhalten: Nicht jeder Sachse findet diese Partei gut!“

Puh, das war ganz schön harter Tobak für so einen handelsüblichen Vormittag. Zum Abschluss noch etwas Leichtes: Was hört Ann-Kathrin Löser denn so für Musik, wenn sie nicht gerade Paragrafen lernt oder sich auf einen Ausschuss vorbereitet? „Welche Musik? Ach, herrje!“ Charts sagt sie. Passt gut: die Musik der Mitte.

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