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Welt-Ding-Beziehung: Anna Nero ist die neue Gastkünstlerin im Labor der Opelvillen

Anna Nero ist die neue Gastkünstlerin im Labor der Opelvillen: Ihre Arbeiten fragen nach der Welt-Ding-Beziehung – und zeitigen durchaus „Bildwitz“.
Anna Nero arbeitet mit Mustern, Rastern und Gittern. Dazu klebt sie ein Bild mit exakten Formen ab. Anna Nero arbeitet mit Mustern, Rastern und Gittern. Dazu klebt sie ein Bild mit exakten Formen ab.
Rüsselsheim. 

Die Tür steht Besuchern offen: Die Malerin Anna Nero arbeitet seit Anfang Juli im Labor, dem kühl und karg wirkenden, teils gekachelten Kellerraum der Opelvillen.

„Ich mag den Raum. Ich mag Räume, die besonders sind. Diesen hier finde ich leicht gruselig.“ Sie weist zur Kachelwand hin: „Hat was von einem Folterkeller, oder?“ Die tatsächliche Nutzung des Kellerraumes im ehemaligen Herrenhaus der Familie Opel, erbaut um 1931/32, liegt bis heute im Ungefähren, so dass Fantasie Blüten treiben darf. „Ich habe beim Malen oft Hörspiele an. Gern schauerliche. Da ist eine Stimme, die meine eigenen Gedanken aus dem Kopf treibt. Ich konzentriere mich nur auf das, was meine Hände und Augen machen“, sagt Anna Nero. Sie habe eine starke Bindung zum Bild, zum Material. „Ich will das sinnlich verstehen, will es fühlen. Ich finde es geil, mit Farbe zu arbeiten. Sonst wäre ich Video-oder Konzeptkünstlerin geworden.“

Und während sie ein Bild mit exakten ovalen und runden Formen abklebt, erklärt sie: „Ich arbeite mit Mustern, Rastern, Gittern. Warum? Weil es etwas Systematisches, Ordnendes, Wissenschaftliches hat. Die Struktur ist Element des Bildes. Im zweiten Schritt folgt was Gestisches – Striche, Kleckse, Farbverläufe. Das ist mein Modus Operandi.“ Als sie in Mainz an der Kunsthochschule bei Anne Berning studierte, habe sie noch „gegenständlich, erzählerisch, figurativ gearbeitet“, sagt Anna Nero. Jedoch: „Ich habe die Abhängigkeit vom Motiv, vom realen Vorbild, als einschränkend empfunden. Mich interessiert eher, wie man etwas macht, als die Frage, was es ist.“ In der Loslösung vom Gegenstand sei es ihr wichtig, das Narrative und einen gewissen „Bildwitz“ beizubehalten, setzt sie hinzu.

Anna Nero, in Moskau geboren, kam mit sieben Jahren im Zug der sowjetjüdischen Migrationswelle nach Deutschland, ihre Eltern sind auch im künstlerischen Bereich tätig, sagt sie. „Ich musste mich nicht gegen den Vorschlag eines soliden Brotberufs wehren, musste nicht darum kämpfen, Kunst zu studieren, bin mit Kunst aufgewachsen.“ Ihr eigenes Atelier hat Nero in Frankfurt, wo sie auch wohnt. Ab 2012 war sie Meisterschülerin von Heribert C. Ottersbach an der Hochschule für Grafik und Buchdruck in Leipzig, wo sie 2017 ihren Abschluss machte. Das Thema: Fetischismus als Bindeglied zwischen Do-It-Yourself-Bewegung und Kunst. Anna Nero führt aus: „Meine Frage war, wie bilde ich Gegenstände ab. Und wann wird Farbe als Gegenstand wahrgenommen. Mich interessieren Gegenstände, die besonders besetzt sind. Mich interessiert die Welt-Ding-Beziehung.“ Als Malerin sei das Bild ihr Fetisch, setzt sie hinzu und lacht. „Ein Ding in der Welt erschaffen – das ist ja etwas sehr Archaisches.“ Ins Labor lädt sie im Rahmen des Sommerfestes der Opelvillen am Sonntag, 29. Juli, ab 18 Uhr zum „Artist-Talk“ – „Künstler-Gespräch“ – ein.

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