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Bauernhof in Königstädten: Biologisch wirtschaften

Naturschutz und gesunde Nahrungsmittel sind seit jeher das Anliegen von Heike und Werner Muster auf ihrem selbst bewirtschafteten Biolandhof. Nun steht ein Wechsel bevor, die beiden Rüsselsheimer wollen kürzer treten und haben Pächter mit einem ungewöhnlichen Konzept gefunden.
Gewusst wo: Nach den Vorgaben Werner Musters wagen sich die Frankfurter selbst ans Baumschneiden. Bilder > Gewusst wo: Nach den Vorgaben Werner Musters wagen sich die Frankfurter selbst ans Baumschneiden.
Rüsselsheim.. 

„Larissa, du bist zu ängstlich“, ermutigt Werner Muster die junge Frau, die Angst hat, die Astschere an der falschen Stelle anzusetzen. „Ihr könnt nicht so viel kaputt machen“, beruhigt der erfahrene Gärtner die Besucher. Es ist das vierte Treffen zwischen den derzeitigen und den zukünftigen Betreibern des landwirtschaftlichen Betriebs der Musters bei Königstädten. Bei einem Baumschnitt-Lehrgang und heißem Apfelwein im Anschluss wollen sich die Naturschützer näher kennenlernen.

Mehr als Selbstversorger

„Ich bin ganz glücklich, wenn ich diese Last nicht mehr habe und weiß, dass es in unserem Sinne weitergeht“, freut sich Muster, der den Hof mit seiner Frau Heike über die Jahrzehnte mehr und mehr erweitert hat, stets nach den Grundsätzen der biologischen Landwirtschaft. Vor drei Jahren wurde ihr Anwesen schließlich ein zertifizierter Bioland-Hof.

Hintergrund: Das bedeutet der Begriff Solawi

Der Begriff Solawi steht für So lidarische La ndwirtschaft. Eine Solawi ist eine Gemeinschaft von Endabnehmern, die mit einem

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Aus dem Selbstversorger-Garten war längst ein kleiner Betrieb geworden, der Großteil der Ernte ging in den Verkauf. „Ich bin jetzt schon 70, meine Gesundheit macht nicht mehr so mit“, bedauert der gelernte Friedhofsgärtner.

„Für uns ist das wegen der Begleitung durch die Musters eine einmalige Gelegenheit“, sagt Viktoria Präg von der „Bio-veganen Solawi“ in Frankfurt. Schon länger sei der Verein auf der Suche nach geeignetem Land gewesen, über ein Inserat wurden die Großstädter auf den Hof aufmerksam.

Keine Tierhaltung

Für den wurde ein Pächter gesucht, der biologisch wirtschaftet und das auch gelernt hat. Die Frankfurter gehen sogar noch einen Schritt weiter, nicht nur biologisch, auch vegan soll produziert werden. Das bedeutet, dass keine Tiere gehalten werden und dass tierischer Dünger nicht zum Einsatz kommen darf.

Den Musters, die auch Schafe, Gänse, Ziegen und Bienen auf dem Hof halten, ist das recht. Sie wollen einen kleinen Teil des Hofes weiter für den Eigenbedarf bewirtschaften und auch ihre Tiere behalten. Verpachtet werden sollen in erster Linie die Felder außerhalb des eingegrenzten Hofs, allerdings würden Gebäude und Gerätschaften in Zukunft allen zur Verfügung stehen.

Die Initiative will mit 50 Mitgliedern starten, von denen zahlt jeder um die 100 Euro im Monat, die genaue Summe soll in Bieterrunden ermittelt werden. Ziel ist, dass die zahlungskräftigeren Teilnehmer zugunsten der finanziell schlechter gestellten etwas mehr zahlen.

Gärtnern wolle man nicht selbst, dafür sollen Profis eingestellt werden. Zwei volle Stellen ließen sich mit den Beiträgen problemlos finanzieren, versichert die gelernte Unternehmensberaterin Präg. Das Konzept sei sorgfältig geplant und durchgerechnet worden. Bisher gebe es einen Vorvertrag, zum 1. Januar 2018 sei die offizielle Übergabe geplant.

„So, jetzt gehen wir in den Sozialraum“, läutet Muster die Pause ein. Trotz des herrlichen sonnigen Wetters werden die Finger langsam steif, die Temperaturen liegen unter dem Gefrierpunkt. In dem gemütlichen Raum, der über eine Holzstiege zu erreichen ist, befindet sich eine komplett ausgestattete Küche, in der ein Feuer in einem Kaminofen heimelige Wärme verbreitet. Eine Flasche vom selbst gekelterten Apfelwein wird erwärmt, nach und nach trudeln alle ein. Gut gelaunt stoßen die Besitzer und ihre zukünftigen Pächter mit dem dampfenden Heißgetränk an. Die Vorfreude ist allen anzusehen, das sieht nach einer vielversprechenden und innovativen Zukunft für den Bioanbau in Rüsselsheim aus.

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