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Workshop: Blühende Bäume vom Opel-Fließband

Konzentriertes Arbeiten im Nordflügel des Stadt- und Industriemuseums: Im Obergeschoss feilen in dieser Woche Teilnehmer des Illustratoren-Workshops „Illust_ratio“ am Thema „Stadt Natur“. Die Studenten nehmen die Opelstadt künstlerisch ins Visier.
Konzeption und Kreativität sind beim Workshop gefragt: Michael Szyszka von der Fachhochschule Münster arbeitet am Entwurf zu Opel-Fließbändern, die statt Autos Bäume hervorbringen. Foto: Martin Konzeption und Kreativität sind beim Workshop gefragt: Michael Szyszka von der Fachhochschule Münster arbeitet am Entwurf zu Opel-Fließbändern, die statt Autos Bäume hervorbringen.
Rüsselsheim. 

„Illust_ratio“ ist seit 2009 in der Opelstadt eine deutschlandweit einmalige Plattform für junge Illustratoren, ihre künstlerische Handschrift zu vervollkommnen und sie zu präsentieren. Dass Illustration Kunst ist, unterstreicht nicht nur Roman Köller, der 2009 den ersten Illustratorenpreis gewann. Illustration begegne uns an vielen Orten – in Comics, in Werbung, in Bilderbüchern oder in Büchern ohne Worte, die mit spitzem Stift ihre Geschichte erzählen, merkt er an.

Roman Köller arbeitet heute im Marketing bei Kultur 123 und gehört zu jenen Kunst- und Kulturfachleuten, die seitdem die Workshops für Studenten aus ganz Deutschland ausloben, um am Ende einen Preisträger auszuwählen. Und das Ende des diesjährigen Wettbewerbs ist nah: Am Samstagabend ist Vernissage der Illustratoren im Stadt- und Industriemuseum und der Preisträger sowie Zweit-und Drittplatzierte und auch ein Förderpreisträger werden bekanntgegeben.

 

Verstohlener Blick über die Schulter

 

Bis dahin aber: Konzentrierte Stille im Obergeschoss des Nordflügels der Festung. Zum Thema „Stadt Natur“ sind zwölf Studenten von Professoren ausgewählt worden oder auf Eigenbewerbung hin angereist. Die jungen Männer und Frauen der Hochschulen Berlin, Leipzig und Münster sind eifrig dabei, ihre Konzeption gestalterisch umzusetzen.

Roman Köller und Bengt Foßhag, der 2009 zu den ersten Illustratoren-Ausstellern der Opelstadt gehörte, leiten den Workshop. „Fünf Tage, um jeweils drei Arbeiten fertigzustellen. Das verlangt viel“, so Foßhag, der im stillen Raum unter dem Dach nur verstohlen über die Schulter der Studenten blickt.

„Sie arbeiten eigenständig, wir greifen minimalst ein“, bestätigt Roman Köller. Indes: Am Donnerstag aber gab es ein „Meeting“, bei dem alle Beteiligten – zehn Frauen und zwei Männer – ihre bereits fertigen Entwürfe präsentierten. „Das Niveau ist hoch“, so Köller lobend. „Ich glaube, es war noch nie so hoch. Diese Studierenden stehen durchweg kurz vor ihren Abschlüssen, haben immenses Know-how und viel Kreativität.“

Dass auf jedem Arbeitstisch ein Laptop installiert ist, bedeutet nicht, dass Illustratoren heutzutage nur am Bildschirm arbeiten. Da wird zwar berechnet, geplant, bildlich komponiert, doch wie sich Schere und Kleber, wie sich Zeichenstifte unterschiedlicher Härtegrade handhaben lassen, das wissen die Studenten wohl. „Unsere Professoren legen großen Wert drauf. Ohne das Handwerkszeug geht nichts“, sagt Michael Szyszka von der Uni Münster.

Einer seiner ersten Entwürfe zum Thema „Stadt Natur“ ist bestechend: Szyszka hat aus dem Museumsarchiv Bildmaterial der Opel-Produktionsanlagen von 1960 verwendet, um sie so umzugestalten, dass hier nicht Autos sondern Bäume vom Fließband rollen.

Eine geniale Idee, die auch die Workshopleiter schmunzeln lässt. „Die Frage ist, wird Natur in Rüsselsheim unterbewertet, sollten Mainufer und andere grüne Orte mehr in den Fokus gestellt werden oder kommt Natur generell zu kurz? Gibt es genug Grün, zu wenig Grün?“, reißt Roman Köller das Thema an, das die Jury für den Wettbewerb 2015 ausgewählt hat.

 

Jury prüft 36 Vorschläge

 

Interessant sei, dass die Illustratoren Fremde sind, also mit „frischem Blick auf Rüsselsheim sehen“. Auch Tina Steinbach, Studentin aus Leipzig, die mit Musikbegleitung per Kopfhörer arbeitet, sowie Pei Yu-Chang von der Uni Münster sind in spannende Arbeiten vertieft. Das Grün der Bäume ist hier wie da auf Arbeitsblättern zu erkennen – doch in welchem Zusammenhang wird es stehen? „Die Jury prüft alle 36 Vorschläge eingehend auf ihre Stimmigkeit. Samstagabend werden die Besten prämiert“, freut sich Bengt Foßhag.

Mitglieder des Kunstvereins, der die „Illust_ratio“ gemeinsam mit Kultur 123 organisiert, gehören ebenso zur Jury wie Roman Köller, der Preisträger 2009. Die sieben Juroren gewährleisten hochkarätige, fachkundige Einschätzung von Idee, Originalität, Konzeption und Ausführung: Kunstfreunde dürfen gespannt sein.

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