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Erinnerung an Morde im Kornsand: Blutiges Ende einer Flucht

Am 21. März jährt sich ein schreckliches Kriegsverbrechen zum 72. Mal. Doch was genau geschah im Kornsand an diesem 21. März 1945, als die Kapitulation Deutschlands nur noch eine Frage der Zeit war?
Dieser Gedenkstein erinnert an das Kornsandverbrechen, das sich am 21. März 1945 ereignete und sechs Menschen das Leben kostete. Foto: (RALPH KEIM) Dieser Gedenkstein erinnert an das Kornsandverbrechen, das sich am 21. März 1945 ereignete und sechs Menschen das Leben kostete.
Trebur. 

Es ist ein idyllisches Fleckchen Erde: Wer Glück hat, kann im Kornsand Fasane, Störche und sogar Rehe beobachten. Kleine Gewässer dienen heute dem Angelsport. Bei schönem Wetter sind hier viele Radler und Spaziergänger unterwegs. Der Rhein ist nur ein Steinwurf entfernt. Die hier anlegende Fähre bringt Ausflügler binnen weniger Minuten hinüber nach Nierstein, wo die schönsten Straußwirtschaften Rheinhessens locken.

Im März 1945 sind der Kornsand und die gesamte Region allerdings alles andere als ein idyllisches Fleckchen Erde. Wehrmacht und nationalsozialistische Strukturen befinden sich im Zerfall. Die US-amerikanischen Streitkräfte rücken auf Nierstein und Oppenheim vor. Doch noch ist der Zweite Weltkrieg nicht beendet. Noch wird jeder, der kapituliert oder auch nur verhaltene Kritik am System übt, meist auf der Stelle standrechtlich erschossen oder erhängt.

Nur einer kann fliehen

Am Vormittag des 21. März 1945 wollen sechs aus dem linksrheinischen Nierstein und Oppenheim stammende Zivilisten am rechtsrheinischen Kornsand mit der Fähre übersetzen, um nach Hause zu gelangen. Dabei handelt es sich um fünf „politisch missliebige“ Männer und eine als „die Jüdin“ bezeichnete Frau. Von den Nationalsozialisten sind sie in den Tagen zuvor inhaftiert und zunächst über Wolfskehlen nach Groß-Gerau gebracht worden, kurz darauf nach Darmstadt. In Darmstadt sind sie zwar offiziell freigelassen worden, haben aber keine entsprechenden Papiere bei sich.

Mit der Straßenbahn, per Anhalter und zu Fuß ist die Gruppe an den Rhein gelangt, wo aus Nierstein und Oppenheim stammende Nazi-Schergen und Angehörige des Volkssturms auf sie aufmerksam werden. Es gelingt lediglich Ludwig Ebling, der Festnahme zu entkommen und mit der Fähre überzusetzen. Als „größte Verbrecher Niersteins“ denunziert, werden Georg Eberhardt, Cerry Eller, Johann Eller, Nikolaus Lerch und Jakob Schuch (alle aus Nierstein) zunächst schwer misshandelt. Der zufälligerweise vorbeikommende Oppenheimer Uhrmachermeister und Volkssturm-Angehörige Rudolf Gruber wird der Fahnenflucht bezichtigt und ebenfalls verhaftet.

Nach dem direkt vor Ort von NSDAP-Funktionär Alfred Schniering verhängten Todesurteil müssen die Unglücksseligen ihr eigenes Grab schaufeln. Allerdings weigern sich alle dazu aufgeforderten Soldaten und Volkssturmangehörige, die Menschen zu erschießen. Lediglich der junge Leutnant Hans Kaiser ist bereit, das Todesurteil zu vollstrecken. Mit seiner Pistole tötet er jeden einzelnen per Genickschuss. Kurz darauf rücken die Amerikaner in Oppenheim ein.

Kranzniederlegung

Nach dem Krieg wird Kaiser, allerdings erst 1949, zu einer zehnjährigen Haft verurteilt, von der er allerdings nur sechs Jahre absitzen muss. Er heiratet, wird Familienvater und lebt – allerdings nicht in Nierstein – ein normales Leben. Schniering bekam zunächst lebenslänglich, 15 Jahre davon muss er absitzen. Ein Gedenkstein zu Ehren der Ermordeten wird 1954 errichtet. Sehr detailliert geht die Homepage www.kornsandverbrechen.de auf die Vorkommnisse ein.

An diesem Gedenkstein erinnern am 21. März 2017 Vertreter aller drei beteiligten Kommunen sowie der Treburer Kirchen. Die Feierstunde mit Kranzniederlegung beginnt um 18 Uhr.

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