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Religion: Christlicher und muslimischer Arzt referieren gemeinsam über Gesundheit und Krankheit

Dr. Peter A. Schult und Dr. Elias El Fechtali sind die Referenten beim interreligiösen Dialog der christlichen und muslimischen Gemeinden am morgigen Donnerstag. Das Echo brachte die beiden zuvor an einen Tisch. Bei Kaffee und Kuchen gab’s einen Ausblick auf das, was die Besucher erwartet.
Dr. Peter A. Schulz (links) und Dr. Elias El Fechtali referieren morgen im Luther-Haus über Gesundheit und Krankheit in der Religion. Foto: Rüdiger Koslowski Dr. Peter A. Schulz (links) und Dr. Elias El Fechtali referieren morgen im Luther-Haus über Gesundheit und Krankheit in der Religion.
RAUNHEIM. 

Sonntagnachmittag. Dr. Peter A. Schult begrüßt freudig seinen Kollegen Dr. Elias El Fechtali an der Tür seines Ginsheimer Hauses: „Ärzte kleiden sich immer in Weiß“, bemerkt er den hellen Pullover des Marokkaners. Er führt in seine gemütliche Bauernstube. Der Tisch ist eingedeckt. Schult schenkt koffeinfreien Kaffee aus und bietet einen leckeren Zitronenkuchen an.

Schult und El Fechtali kannten sich bisher nicht, sind sich aber von der ersten Minute an sympathisch. Die beiden Ärzte führt der interreligiöse Dialogabend der evangelischen Paulusgemeinde, der katholischen Antonius von Padua-Gemeinde, des marokkanischen Freundschaftskreises und des türkischen Kultur- und Bildungsvereins zusammen. Beide sind eingeladen am morgigen Donnerstag, 5. Oktober, ab 19 Uhr im Martin-Luther-Haus in der Wilhelm-Leuschner-Straße 12, über das Thema „Religionen, Gesundheit und Krankheit aus der Sicht des Christentums und des Islams“ zu sprechen.

Begleitung Kranker

Der Christ und der Moslem konstatieren nach wenigen Worten: Gesundheit und Krankheit sind in beiden Religion essenziell. „Jesus hat den Dienst an dem kranken Menschen ins Testament geschrieben“, sagt Schult. Jesus habe sich mit den kranken Menschen identifiziert. „Ich war krank und ihr habt mich besucht“, zitiert er aus dem Buch Matthäus. Das Bedeutende in der christlichen Kirche sei die Begleitung der kranken und der sterbenden Menschen.

El Fechtali kann dem aus dem Blickwinkel des Islam kaum etwas hinzufügen, stimmt vielmehr kopfnickend zu. „Gesundheit und Krankheit stehen in der Mitte, die Religion befindet sich außerhalb, beide müssen eine Einheit schaffen.“

Der Muslim nimmt den Körper und die Gesundheit als Geschenk Gottes entgegen. Mit diesem Geschenk hat er verantwortungsvoll umzugehen, soll Sport treiben und auf seine Ernährung achten. Zu der körperlichen Bewegung gehört auch der Gang in die Kirche und die Moschee.

Krise als Chance

Die Krise soll als Chance begriffen werden. In beiden Religionen. „Der Mensch kann durch die Krise wieder das Leben entdecken“, dies sei christliches Gedankengut, meint der christliche Arzt. Sein muslimischer Kollege sagt, dass der Mensch lernen müsse, wie er mit der Krankheit umgeht. Er beobachtete bei seiner Arbeit dass die Patienten in Krankenhäusern die Kapellen aufsuchten, wie auch eine Moschee, die es in einem Krankenhaus gab.

„Not lehrt beten“, ergänzt Schult. El Fechtali sagt, dass die Religion auf einem spirituellen Weg Halt gibt, der Kirchgang verbessere die Ausgangssituation für die Genesung. „Der positiv denkende und gläubige Mensch erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass seine Krankheit positiv verläuft“, unterstreicht auch Schult.

Wenn die beiden Ärzte bei der Beurteilung von Gesundheit und Krankheit auch viele Ähnlichkeiten bei beiden Religionen herausarbeiten, entdecken sie doch einen Unterschied beim Umgang mit dem Tod. Denn das Christentum glaube an die Auferstehung, mit dem Tod werde der Christ befreit und erfahre im Himmel die Gegenwart Gottes, so Schult.

Der Muslim begreift dagegen das Leben im Diesseits als Prüfung, sagt El Fechtali. Im Jenseits stehe der Muslim vor dem jüngsten Gericht, das entscheidet, ob sein Weg in das Paradies oder in die Hölle führt.

Dialog mit Tradition

Der Dialog hat bei den christlichen und muslimischen Gemeinden in Raunheim eine lange Tradition. Schult und El Fechtali befürworten diese Form des interkulturellen und interreligiösen Austauschs. Schult resümiert, dass beide Religionen die gleichen Intentionen haben, mögen die Formulierungen auch unterschiedlich sein.

El Fechtali weist darauf hin, dass in beiden Religionen an den gleichen Schöpfer geglaubt wird. Der Dialog baue Brücken, durch ihn werde gegenseitiger Respekt erreicht.

Der Werdegang der Referenten

Der 30-jährige Elias El Fechtali ist der Sohn marokkanischer Eltern, er wurde in Deutschland geboren. Der Raunheimer ist Facharzt für innere Medizin und für Arbeitsmedizin und verdient seinen Lebensunterhalt

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