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Floristin: Dagmar Sprenger-Gütlich hat ein Händchen für Kränze und Gestecke

Allerheiligen, Volkstrauertag, Totensonntag: Bevor die Adventszeit beginnt, herrscht bei „Blumen Gütlich“ Hochkonjunktur für Trauerkränze und -gestecke.
In allen Formen, Farben und Größen fertigen Dagmar Sprenger-Gütlich und ihre Mitarbeiterinnen Gestecke an. In allen Formen, Farben und Größen fertigen Dagmar Sprenger-Gütlich und ihre Mitarbeiterinnen Gestecke an.

Heide Limonio strahlt eine fast meditative Ruhe aus, obwohl sie ständig in Bewegung ist. Mit gezielten Handgriffen steckt, wickelt und schneidet die Floristin, richtet hier einen Ast, kürzt dort einen Zweig. Vor ihr entsteht mehrmals am Tag ein einzigartiges herbstliches Kunstwerk. In diesen Wochen hat sie viel zu tun, denn im November reihen sich die Gedenktage aneinander wie Perlen auf der Schnur.

Auch bunter, zurechtgeschnittener Palmspeer ist beliebt. Bild-Zoom
Auch bunter, zurechtgeschnittener Palmspeer ist beliebt.

Dabei ist die Saison keineswegs mit Totensonntag (26.) vorüber. „Die Nachzügler kaufen noch bis Januar“, weiß Dagmar Sprenger-Gütlich, die die Gärtnerei „Blumen Gütlich“ mit ihrem Mann betreibt. „Aber der größte Schwung kommt definitiv jetzt.“ Dafür muss präzise geplant und kalkuliert werden: Welche Materialien werden gebraucht und wie viele? „Im Sommer wird bestellt und dann muss gewartet werden“, erzählt Sprenger-Gütlich.

Grün aus dem Wald

Denn die Basis für die Kränze und Gestecke sind frisches Grün, und das kommt bei Gütlichs direkt aus dem Wald. „Wir haben Kontakt zu einem Förster und außerdem eine eigenes Waldstück“, erklärt die Floristin. Regelmäßig holt ihr Mann Hans-Peter Gütlich mit dem Hänger frisches Material.

Islandmoos, Hirtenstab, Zapfen sind lange haltbar und wirken natürlich. Bild-Zoom
Islandmoos, Hirtenstab, Zapfen sind lange haltbar und wirken natürlich.

Für ein Gesteck entscheidet Heide Limonio mit Kennerblick, wie viele Zweige in welcher Größe sie braucht. Gestapelt legt sie sie auf die Arbeitsplatte und beginnt, die Enden spitz zuzuschneiden. Nach und nach steckt sie die Tannenzweige in den Steckschaum. Zu ihren Füßen steht ein riesiger Sack mit Tannenzapfen, hinter ihr unzählige Pappkisten mit „Exoten“. Das sind getrocknete Naturmaterialien, die hier nicht wachsen – zum Beispiel Hirtenstab, Luffa-Schwämme oder Palmspeer.

Theoretisch gibt es sie auch bunt eingefärbt, aber „das verwende ich nicht so gern“, gibt Limonio zu. „Ich finde es schön, wenn es natürlich aussieht. Jede von uns hat eben ihren Stil.“

Neben den klassischen Grabgestecken gebe es schon auch ausgefallenere Kundenwünsche, sagt Sprenger-Gütlich. „Wir verwenden auch Sukkulenten oder bieten gepflanzte Schalen an. Letztere halten dann eben nicht so lange.“

Nicht zimperlich: Heide Limonio bestückt das Gesteck so, dass es hält. Bild-Zoom
Nicht zimperlich: Heide Limonio bestückt das Gesteck so, dass es hält.

Als der Tannenduft der frisch verarbeiteten Zweige durch die Räume zieht, kommt einem unweigerlich der Gedanke an Weihnachten, aber in der Gärtnerei ist noch nicht allzu viel davon zu sehen. „Wir legen Wert darauf, dass es noch nicht zu sehr weihnachtet“, sagt Dagmar Sprenger-Gütlich.

Aber natürlich wird schon fleißig auf die Feiertage hingearbeitet: In einer anderen Werkstatt werden Adventskränze gebunden und in jeder Ecke glitzert und funkelt es, aber auch die von Limonio präferierten naturbelassenen Materialien finden Verwendung – nur eben noch nicht für die Kundschaft sichtbar.

Bis 15 Gestecke am Tag

Nach einer guten halben Stunde ist Heide Limonio fertig mit ihrem Gesteck, bei größeren Aufträgen kann es auch länger dauern. Am Tag entstehen so zehn bis 15 Kränze und Gestecke. Jeden Bestandteil ihres Werks hat sie bis dahin mindestens einmal angefasst, angehalten und energisch ins Gesamtbild eingefügt. „Nicht zimperlich!“, ist ihre Devise. „Es soll ja den Winter über halten“, sagt sie lächelnd. Und natürlich sollen sie das Auge erfreuen.

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