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Kommunikation: Darum boykottiert Udo Bausch Facebook und Co.

Von Facebook, Instagram, Twitter – soziale Medien sind aus dem Alltag vieler Menschen kaum mehr wegzudenken. Doch Udo Bausch sucht man auf den Plattformen im Internet vergeblich. Doch kann sich ein Oberbürgermeister Abwesenheit dort leisten?
Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter sind heutzutage für Politiker wichtige Kommunikationskanäle. Foto: Franz-Peter Tschauner (dpa) Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter sind heutzutage für Politiker wichtige Kommunikationskanäle.
Rüsselsheim. 

Wer spielt gerne Disc-Golf und geht mit seinem Hund spazieren, einem Labrador namens Toby? Richtig: Rüsselsheims Ex-Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU). Woher Sie das wissen? Vermutlich aus den sozialen Medien im Internet. Ob Facebook, Instagram oder Twitter: Burghardt ist dort nach wie vor sehr aktiv. Neben privaten Hundefotos veröffentlicht er dort auch Beiträge zu verschiedensten politischen Themen. Dass die Resonanz nach seiner Abwahl und seinem Wechsel auf den Posten des Staatssekretärs im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst geringer geworden ist, scheint ihn nicht zu stören.

Udo Bausch (parteilos), Burghardts Nachfolger als Oberbürgermeister, unterhielt dagegen lediglich während des Wahlkampfs eine eigene Facebook-Seite. Seither sucht man ihn in den sozialen Medien vergeblich. „Ich selbst bin aktuell nicht auf Facebook oder anderen sozialen Netzwerken aktiv“, teilt er auf Nachfrage mit. Soziale Medien hätten zwar ihre Berechtigung, es gebe aber eben neben der virtuellen Realität, die „immer wieder auch unschöne Begleiterscheinungen mit sich bringt“, auch noch die reale Welt. „Ich finde es gut, wenn Menschen miteinander reden. Vielleicht halten das manche für altmodisch, ich finde es persönlicher und zielführender“, äußert sich Bausch. Viele Dinge ließen sich in einem persönlichen Gespräch viel besser klären.

Oberbürgermeister Udo Bausch Bild-Zoom Foto: Maik Reuß
Oberbürgermeister Udo Bausch

Sollte ein Oberbürgermeister heutzutage auf Facebook und Co. aktiv sein, um sich dort mit den Menschen seiner Stadt auszutauschen? Geht es nach Ann Cathrin Riedel, lautet die Antwort ja. „Als Bürgermeister ist es sinnvoll, auf Facebook zu sein. Um zu hören, was interessiert die Menschen in der Stadt“, sagt Riedel, die in Berlin als selbstständige Beraterin für digitale strategische Kommunikation arbeitet. Es lohne sich, sich eine halbe Stunde am Tag hinzusetzen, um auf Kommentare zu reagieren.

Gegen Vorurteile

Soziale Medien ließen sich gut dazu nutzen, um dem Vorurteil entgegenzutreten „Politiker sitzen da oben und machen nichts“. Vielen Leuten sei gar nicht bewusst, wie viele wichtige Entscheidungen für ihr Leben auf lokaler Ebene getroffen würden. „Viele denken immer, die Bundestagswahlen sind die wichtigen Wahlen. Die sind natürlich auch wichtig. Aber das, was vor Ort passiert – wie oft der Müll abgeholt wird, wo Schulen gebaut werden – das wird im Kleinen entschieden“, weiß Riedel. Über die sozialen Medien könne das gut vermittelt werden.

Wer im Internet einen Beitrag veröffentlicht, solle allerdings darauf achten, worin der Mehrwert liegt. Beim Gespräch mit dem örtlichen Sportverein nur ein Bild zu posten, bei dem darunter steht „tolles Gespräch, gerne wieder“ habe keinen Mehrwert. „Schreiben Sie als Politiker lieber, was beschlossen wurde, was getan werden soll. Liefern Sie Inhalte“, schlägt Riedel vor.

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Kommentar

Was der Lieblingssport und der Lieblingshund eines Oberbürgermeisters sind, ist mir einerlei. Wissen würde ich viel lieber, mit welchen politischen Projekten sich der Chef im Rathaus gerade befasst.

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Grundsätzlich gelte es, nicht zu privat zu werden, ruhig aber etwas persönlicher. Kinder sollten grundsätzlich aus Beiträgen in den sozialen Medien rausgehalten werden. „Wenn aber der Hund einen begleitet, finde ich das okay“, sagt Riedel mit Blick auf den Labrador des ehemaligen Oberbürgermeisters Burghardt.

Zeit zum Nachdenken

Vor der Veröffentlichung solle man sich etwas Zeit zum Nachdenken nehmen. „Wenn man sauer ist, noch mal bis zehn Zählen“, lautet Riedels Tipp. Unbedingt verzichten sollten Politiker der Expertin zufolge auf inszenierte Gespräche: „Sagen Sie niemandem, dass er doch mal eine Frage stellen soll, damit Sie sich profilieren können.“ Denn das würden die Bürger sofort merken.

Doch was tun, wenn ein Beitrag wirklich einmal nach hinten losgeht, der Mob im Netz tobt und der berüchtigte „Shitstorm“ dem Verfasser entgegenweht? „Dann sollte man sich zuerst entschuldigen, sagen ,es tut mir leid’“, rät Riedel. Das sei ein erster Schritt, mit dem sich relativ viel auffangen lasse. Auf abstruse Erklärungen solle dagegen verzichtet werden. Vieles sei den Leuten auch schnell wieder egal. „Die Information bleibt zwar immer irgendwo im Netz. Doch auch früher gab es schon Zeitungsarchive, wo man Skandale nachlesen konnte. Das war nur etwas mühseliger“, gibt Riedel zu bedenken.

Im Gegensatz zu Oberbürgemeister Bausch ist die Stadt Rüsselsheim auf Facebook und YouTube vertreten. Auf Facebook ist es auch möglich, Kontakt zur Verwaltung aufzunehmen. Ein städtischer Instagram-Account ist zurzeit in Planung.

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