Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige LS Lederservice Sie suchen einen Spezialisten aus Rhein-Main? 24°C

Anwohner gründen Bürgerinitiative: Der Konflikt spitzt sich zu

Dornberger Bürgerinitiative befürchtet eine Verschlechterung der Wohnqualität. Auch CDU und Grüne stehen in der Kritik.
Dunkle Wolken über Dornberg: Rappelvoll ist das Betriebsgelände von ARS-Altmann zurzeit. Die Firma will deshalb 600 neue Parkplätze schaffen. Anwohner protestieren. Bilder > Foto: Peter Mikolajczyk Dunkle Wolken über Dornberg: Rappelvoll ist das Betriebsgelände von ARS-Altmann zurzeit. Die Firma will deshalb 600 neue Parkplätze schaffen. Anwohner protestieren.
Groß-Gerau. 

Groß-Gerau. „Es reicht“, sagt Dr. Ulrike Roggendorf aus Dornberg. Sie ist Vorsitzende einer Bürgerinitiative, die jetzt von Bewohnern rings um den Lausböhl gegründet worden ist. Ihr Protest richtet sich gegen die geplante Erweiterung der Betriebsflächen des ARS-Konzerns. Diese würden bis in unmittelbare Nähe der bebauten Flächen reichen und nach Ansicht der Dornberger schwere Nachteile für sie mit sich bringen.

Eine ECHO-Anfrage an ARS-Altmann, wie das Unternehmen zu den Vorwürfen stehe, blieb ohne Ergebnis. „Unser Haus möchte zu Ihren Fragen keine Stellung nehmen“, heißt es lediglich aus dem Firmensitz im oberbayerischen Wolnzach.

 

Wohnqualität verschlechtere sich

 

Nachdem alle Proteste gegen die Erweiterungspläne bisher fruchtlos geblieben sind, haben sich die Betroffenen dazu entschlossen, mit der Gründung einer Bürgerinitiative die Schlagzahl zu erhöhen, sagen Ulrike Roggendorf und ihr Ehemann Robert. Offensichtlich sei die Mehrheit aus CDU und Grünen im Stadtparlament nicht bereit, sich auf die Seite der Bevölkerung zu stellen, die das Projekt vehement ablehne.

„Nicht alles, was rechtlich machbar ist, ist auch richtig“, so Ulrike Roggendorf. Das gelte insbesondere dann, wenn intakte Natur vernichtet und die Wohnqualität zahlreicher Bürger verschlechtert werde. Wenn ARS-Altmann seine Pläne durchsetzen könne, gingen 20 000 Quadratmeter Ackerland verloren, und die betonierten Betriebsflächen reichten bis auf 80 Meter an die bebauten Grundstücke heran. Kein Vertrauen setzen die Anwohner in Auflagen und Versprechungen der Firma, dass es nachts keine weiteren Beeinträchtigungen geben werde. Zu viel sei bereits versprochen, zu wenig eingehalten worden. „Wenn dort Parkflächen für weitere 600 Autos entstehen, wer garantiert uns, dass dann nachts weniger Betrieb herrscht, als das bisher schon der Fall ist ?“, hinterfragen die Anwohner. Zudem müssten auch die neuen Flächen beleuchtet werden. Wenn ihnen dann noch gesagt werde, dass „das Licht nur nach unten scheint“, sei „das Maß voll“.

Hinzu käme eine ganze Serie weiterer Argumente, welche die Dornberger Bürger veranlasst habe, ihre Bürgerinitiative gegen das Projekt Lausböhl zu gründen. „Die Verkehrssituation ist katastrophal“, heißt es in einem Flugblatt, das am Samstag bei einem Infostand auf dem Marktplatz verteilt und am Wochenende in alle Haushalte in Dornberg und Auf Esch gebracht worden ist.

Manchmal passierten im Minutentakt die Spezialtransporter der Firma die Ortseinfahrt. Fast jeden Abend und an den Wochenenden würden die Transporter im absoluten Halteverbot stehen, wobei Verladearbeiten auch ganz bewusst auf der Straße vorgenommen würden.

Wiederholt habe man sich wegen dieser Verstöße schon beim Ordnungsamt der Stadt beschwert, doch es geschehe nichts, lassen die Dornberger Bürger ihrem Unmut freien Lauf. „Wenn wir im Stadtgebiet nur ein Viertelstündchen zu lange parken, ist die Ordnungspolizei sofort zur Stelle“, schimpfen sie. Doch das gelte für die ARS-Lastwagen offensichtlich nicht. Werde da mit zweierlei Maß gemessen?

„Nein“, heißt es aus dem Rathaus. Bei Übertretungen von Parkvorschriften von Lastwagen-Fahrern gehe die Groß-Gerauer Ordnungsbehörde diesen im Stadtteil Dornberg genauso nach, wie anderswo, sagt Bürgermeister Stefan Sauer (CDU). Für darüber hinaus gehende verstärkte Kontrollen gebe es keinen Anlass.

Enttäuscht sind die Dornberger aber noch aus einem anderen Grund von der Stadtverwaltung: „Als wir auf dem Kreisbauernmarkt friedlich unseren Protest vortragen wollten, hat die Verwaltung versucht, dies zu verhindern.“ Nur mit Hilfe des Verwaltungsgerichtes Darmstadt sei es möglich gewesen, eine Demonstration für ganze drei Personen durchzusetzen.

 

SPD, Kombi und Linke im Rücken

 

Laut Robert Roggendorf habe man augenblicklich SPD, Kombi und Linke auf seiner Seite, doch dagegen stehe die Mehrheit von CDU und Grünen. Dass Letztere ein derartiges Projekt befürworten würden, verwundere in Dornberg ganz besonders. „Wir hoffen, dass wir diese Mehrheit noch aufbrechen können, wenn nicht jetzt, dann vielleicht nach der Kommunalwahl im März“, heißt es.

Augenblicklicher Sachstand: Die Planungsunterlagen befinden sich bei den Fachbehörden zur Stellungnahme. Anschließend gehen sie an die Stadtverwaltung zurück und werden dem Parlament zur Beschlussfassung vorgelegt. Das wird in diesem Jahr – und allem Anschein nach auch vor den Kommunalwahlen – nicht mehr geschehen. „Zeit, die wir nutzen wollen“, so Ulrike Roggendorf.

Mehr aus Rüsselsheim

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse