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Moderner Pfarrer: Der lange Bart ist sein Markenzeichen

Derzeit passiert viel in der Luthergemeinde am Gabelsberger Platz. Die Reparatur der Orgel und große bauliche Maßnahmen stehen an. Da braucht es einen regen Kirchenvorstand und auch eine aufgeschlossene Pfarrerschaft, die bereit ist, neue oder andere Wege zu gehen. Mit Sebastian Gerisch, der seit Januar in der Gemeinde tätig ist, scheint der Richtige gefunden zu sein.
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Rüsselsheim. 

Als Komparse in einem Wikinger-Epos a la Hollywood würde er ein gutes Bild abgeben. Sebastian Gerisch trägt seinen Bart eher ungewöhnlich für einen Pfarrer: Gut 20 Zentimeter lang ist sein Vollbart, der mit schwarzen Haargummis zusammengehalten wird. „Ich mag Bärte“, sagt er und fügt an, er trage ihn aus ganz pragmatischen Gründen so. Als begeisterter Fahrradfahrer wisse er, dass ein langer Bart durch den Wind zerzaust werde. Zusammengebunden könne das verhindert werden. Auch gelinge es ihm, mit dem Bart ein wenig zu provozieren, um ins Gespräch zu kommen. Bei Kindern gebe es keine Probleme mit seinem Stil. Erwachsene hingegen würden öfter einmal fragen.

Ein wenig spartanisch ist sein Büro noch eingerichtet, doch das ändert sich bald. Am 10. März wird der gebürtige Sachse um 18 Uhr in einem Ordinationsgottesdienst eingesegnet und ist dann mit einer vollen Pfarrstelle der Nachfolger von Dorothea Gauland.

Vom Kaffee zum Pfarrer

Frei von der Leber weg plaudert der 31-Jährige von seiner Entscheidung, Theologie zu studieren. Irgendetwas mit Musik oder Religion sollte es sein. Er besuchte ein Info-Seminar für das Theologiestudium eigentlich nur, um dort einen Kaffee zu trinken. Das war der Anfang.

Sein Vikariat absolvierte er in Dreieich. In der Luthergemeinde angekommen zu sein, sei für ihn ein Glücksfall. „Ich finde es total spannend, was hier passiert. Hier ist so viel in Bewegung.“ Sein Ziel sei es, herauszufinden, woraus die Gemeinde besteht und die Lücke zwischen Konfirmation und Kindstaufe zu schließen – in einer Zeit, in der sich viele von der Kirche abwenden, weil andere Lebensbereiche wichtiger sind. „Wo spielt Kirche im Leben von jungen Erwachsenen eine Rolle?“ Es gelte, als Gemeinde ein Zeichen zu setzen, dass jeder willkommen sei.

Gerisch probiere gern Neues aus: Das könnten Gottesdienste an besonderen Orten, zu besonderen Zeiten und mit besonderen Themen sein. Es gehe darum, Offenheit auszustrahlen, sodass Menschen neugierig werden. „Ich bin kein Hirte, der über anderen steht.“ Viel wichtiger sei es, sich auf Augenhöhe zu begegnen. Die anstehenden Umbaumaßnahmen, davon ist er überzeugt, würden weitere kreative Prozesse aktivieren.

„Das Thema Religion ist gerade ganz spannend.“ Das hänge auch mit den Vertriebenen aus nicht-christlichen Ländern zusammen. Da sei es wichtig, sich die Frage zu stellen, woran wir eigentlich glauben und für welche Werte das christliche Abendland stehe. Für Gerisch sei es eine große Chance, so ins Gespräch zu kommen, als Gemeinde ebenso, wie mit Menschen anderer Religionen.

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