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Tag der offenen Tür: Deutsche Sprache als Mittel gegen Radikalisierung: Moschee will transparent sein

Die Othman-Ibn-Affan-Moschee will über eine gute Nachbarschaft eine bessere Gesellschaft erreichen.
Zum ersten Mal in einer Moschee: Josefa und Heinz Clemenz (hinten) werden durch das Gotteshaus geführt. Foto: Rüdiger Koslowski Zum ersten Mal in einer Moschee: Josefa und Heinz Clemenz (hinten) werden durch das Gotteshaus geführt.
Rüsselsheim. 

Josefa Clemenz und ihr Mann Heinz gehören an diesem Vormittag zu den wenigen Besuchern der Othman-Ibn-Affan-Moschee. Obwohl doch eigentlich die leckeren Datteln und das Becherchen Milch, die Mimoun Houmami und Rachid El Khayari am großen Eingangstor an der Kobaltstraße zum Empfang anbieten, sehr einladend wirken.

Die beiden Frauen Jamila Benali und Hoyam El Khabbazi führen das ältere Ehepaar am Tag der offenen Tür durch das muslimische Gotteshaus. „Ich war noch nie in einer Moschee“, verrät Josefa Clemenz. „Ich bin ziemlich überrascht von der Größe und der Gestaltung“, meint Heinz Clemenz beeindruckt. Was ihn noch viel mehr erfreut, sind die freundlichen Leute in der Moschee.

„Legen Wert darauf“

Die Offenheit passt zum Motto des Tages. Mit den Worten „Gute Nachbarschaft, bessere Gesellschaft“, stellt sich die Moschee ihren Gästen vor. „Wir legen Wert auf gute Nachbarschaft“, sagt Soufian El Khayari vom Jugendvorstand. Die Muslime wollen ein positives Verhältnis mit der Nachbarschaft pflegen und dadurch eine friedliche Gesellschaft erreichen.

Wiewohl er betont, dass es in dem Mischgebiet aus Gewerbe und Wohnbebauung keine negativen Äußerungen gegeben habe und gebe. Sowohl 1995 nicht, als die Moschee aus der Frankfurter Straße in den Hasengrund zog, als auch 2003 nicht, als das alte Fabrikgebäude in eine imposante Moschee verwandelt wurde.

Kritik und Anfeindungen hätten die Muslime auch 1987 nicht erlebt, als ein Dutzend in der Mehrzahl marokkanischer Landsmänner in der Frankfurter Straße eine Moschee in einer Hinterhofwohnung gründeten. Sie waren Gastarbeiter, verdienten ihr Geld beim Autobauer Opel, erzählt Jugendvorstandsmitglied Mohamed El Hamouti, dessen Großvater sich ebenfalls beim größten Rüsselsheimer Arbeitgeber verdingte.

El Khayari redet allerdings nicht um den heißen Brei herum: Die Hinterhofmoschee in zwei Wohnungen ohne Minarett war auf den ersten Blick nicht als muslimisches Gotteshaus zu erkennen, was aber dennoch nicht den guten Willen der Nachbarschaft schmälern soll. Die Muslime wollten damals nicht ausschließlich einen Gebetsraum einrichten. Wunsch war ein Treffpunkt, ein Platz zum Austausch für die Glaubensbrüder und -schwestern.

Große Räume

Diese Funktion hat die Moschee noch heute, allerdings in größere Räume und in hübscheres Ambiente verpackt. Sie bietet heute Platz für Unterricht und Vorträge. Ganz wichtig ist dem Jugendvorstand der Hinweis auf das deutschsprachige Angebot. Nicht nur das Freitagsgebet wird in die deutsche Sprache übersetzt. Auch Vorträge und Nachhilfeunterricht werden auf Deutsch gehalten.

„Die deutsche Sprache ist das A und O“, betont El Khayari. Die Kenntnis der deutschen Sprache soll auch ein Mittel gegen die Radikalisierung von Jugendlichen sein. „Unsere Moschee macht aus, dass hier viele Jugendliche unterwegs sind“, ergänzt El Hamouti. Sie nehmen eine Schlüsselfunktion ein, der Jugendvorstand übernahm nicht zuletzt deshalb auch die Organisation des Tages der offenen Tür.

Die Moschee öffnet bereits seit 20 Jahren am Tag der deutschen Einheit ihre Türen. „Sich vorzustellen, wird immer wichtiger“, das sagt El Hamouti nicht zuletzt wegen der Terroranschläge. Die Moschee will sich vom Terror abgrenzen, offen und modern sein.

Es wäre eine falsche Reaktion, sich angesichts der Islamkritik zurückzuziehen. Stattdessen gelte es nun noch mehr, die Moschee nach außen zu öffnen, um Transparenz für ein friedliches Miteinander zu schaffen. Er begegnet allerdings auch dem Generalverdacht, unter den die Muslime häufig gestellt werden. „Es ist leider so, dass uns viele in eine Schublade stecken“, sagt er.

Der Kritik, dass sich die Muslime vehementer von den Terroranschlägen distanzieren sollten, setzt er entgegen, dass das praktiziert werde, es aber eine Frage der Wahrnehmung sei. Der damalige Imam der Moschee, Abdelhak El Kouani, habe beispielsweise 2015 an der Seite von Angela Merkel an einer Mahnwache teilgenommen.

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