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Opelvillen: Die Geschichte vom Koch als Künstler

Was treibt Koch Eduard in der Küche? Wer sich auf Suppe freut, kann lange warten: Kunststudent Ivan Murzin erzählt parallel zur Hauptausstellung der Opelvillen in der Schleuse vom Koch als Künstler.
Videoausschnitt: Was treibt der Koch Eduard alias Ivan Murzin in der Küche? Bilder > Videoausschnitt: Was treibt der Koch Eduard alias Ivan Murzin in der Küche?
Rüsselsheim. 

Polierte, phosphoreszierende Kochlöffel und Suppenkellen sind kunstvoll diagonal angeordnet: Die großformatige Fotografie ist Blickfang der neuesten Ausstellung in der Schleuse, die bis 20. Mai vom Städel-Kunststudenten Ivan Murzin (32) bespielt wird.

Der im russischen Irkutsk geborene Künstler, der bis 2013 in Moskau Fotografie und Multimedia studierte, nutzt die Schleuse der Opelvillen im wahrsten Sinn als Spielwiese, füllt den schlauchartigen Raum mit witzigen, fantasievollen Impulsen. Fotografien, ein Video und die Installation plattgewalzter, blecherner Küchenutensilien erzählen die fiktive Geschichte des Kochs Eduard, der im Herzen Künstler ist.

Neue Wirklichkeit

Murzin baut aus Versatzstücken der Realität eine neue Wirklichkeit zusammen, die er dem Publikum unter der Fragestellung, was Kunst und wer demnach Künstler sei, anbietet. Dies korrespondiere bestens zur Hauptausstellung der Opelvillen, meint Kuratorin Beate Kemfert. Dort thematisiert derzeit Amateurfotografie die reizvolle Gestalt des Lebens, die für den Profifotografen in ihrer Unverfälschtheit unerreichbar ist. Murzin setzt noch eins drauf, indem er mit der Fragwürdigkeit des Sichtbaren kokettiert. „Ich erzähle von einem jungen Künstler, der in der Städelschule gearbeitet, aber nie dort studiert hat. Ich traf Eduard in der Küche, wo er das Leben der Studenten beobachtete und versuchte, sich der Kunst hinter den Kulissen zu nähern“, erläutert Murzin. Er selbst habe sich zum Professor des Kochs ernannt, habe ihn an Arbeiten des Malers, Fotografen und Gestalters Lászlo Moholy-Nagy herangeführt sowie an Werke von Man Ray. Parallel habe er Videos und Fotos von Eduards Arrangements gemacht.

Sue Kelly Roßmann, Frankfurter Studentin der Kunstgeschichte und derzeit organisatorisch für die Schleuse zuständig, lacht angesichts der Worte Murzins: „Zur Vernissage fragten wir ihn, ob der Koch Eduard denn auch vor Ort sei. Da setzte sich Murzin eine Wollmütze aufs Haar und sagte grinsend: Das ist Eduard’.“

Hinaus ins Leben

Roßmann interpretiert Murzins Arbeit als spannende Auseinandersetzung im Grenzgebiet zwischen Kunstausbildung und persönlicher Entwicklung eines Künstlers. Klar sei: Der Weg Murzins führt längst aus den Studienräumen hinaus ins Leben, etwa in die Küche des universitären Betriebs. Alltagsgegenstände mutieren zu Kunstobjekten, hinter Gebrauchsformen schlummern Geheimnisse.

Das Video in der Schleuse zeigt Koch Eduard alias Murzin sinnierend zwischen Töpfen und Pfannen, als einen, der hinter dem Sichtbaren das Unsichtbare aufspürt. Da liegt der Bogenschlag zum Surrealismus nahe – etwa zu Magrittes Bild der Pfeife „Ceci n’est pas une pipe“ – „Dies ist keine Pfeife.“ Wer also zu überzeugt ist, die Dinge zu kennen, dem entgeht, was über sie hinausweist. Auch die leuchtende Schönheit von Kochlöffeln und Suppenkellen.

 

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