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Frühkartoffel-Saison: Die Kartoffelernte ist körperlich harte Arbeit und setzt viel Kondition voraus

Die Frühkartoffel-Saison ist in vollem Gange. Wir waren mit Landwirt Herbert Jung aus Bauschheim bei der Ernte unterwegs.
Hat alles genau im Blick: Landwirt Herbert Jung. Bilder > Hat alles genau im Blick: Landwirt Herbert Jung.
Kreis Groß-Gerau. 

Mittwochmorgen, 8.30 Uhr. Die Sonne steht noch nicht hoch am Himmel, aber nach zehn Minuten brennt der Nacken. Nach einer Viertelstunde beginnt der Rücken zu schmerzen, und alle paar Minuten wankt der Untergrund, als wäre man auf hoher See. Kartoffeln ernten ist wirklich nichts für die Schwachen. Vor allem macht es aber erstaunlich viel Spaß.

Das findet auch Landwirt Herbert Jung, der gemeinsam mit Saisonarbeiter Florin an diesem Morgen auf dem Kartoffelvollernter steht. Die Frühkartoffelsaison ist in vollem Gange, jeden Tag fährt Jung momentan an den Sommermorgen raus aufs Feld. Viel zu tun ist dort allemal, nicht nur auf den Kartoffelfeldern. „Wir haben schon öfter eine 80-Stunden-Woche“, sagt Jung. Missen möchte der Bauschheimer seinen Job trotzdem nicht, er mag die Abwechslung, das Handwerkliche, das Wissen über die Agrarwirtschaft. „Wenn’s läuft, dann läuft’s – dann bin ich bei jeder Ernte gern dabei“, sagt er.

Koordination ist alles

Jetzt steht er locker auf dem Vollernter, unter seinen Händen laufen auf zwei getrennten Förderbändern die gerade aus der Erde beförderten Kartoffeln der Sorte Annabelle hindurch. Vorsortiert durch den Fingerkamm kommen aber nicht nur die neuen Kartoffeln. Dazwischen finden sich auch Steine, Erdschollen, alte Saatkartoffeln und Pflanzenteile. Auf dem kleineren Fließband sollen eigentlich nur Erdschollen landen, aber hier rutschen manchmal auch kleinere Kartoffeln hin. Die Aufgabe für den Bauern und seinen Helfer erinnert an Aschenputtel: die guten aufs große Förderband, die schlechten auf das kleine.

Von Annabelle zu Anais

Wer das noch nie gemacht hat, ist zuerst leicht überfordert: Es ruckelt ganz gewaltig auf der Maschine. Wendet er, um eine neue Reihe anzusetzen, schwankt der Vollernter wie eine Nussschale bei schwerer See. „Eine Kollegin konnte das nicht machen, weil ihr so schlecht wurde“, erinnert sich Jung schmunzelnd. Behände sortiert er nebenher die Kartoffeln, die beiden Männer sind ein eingespieltes Team. Fast ein wenig meditativ wirkt die Arbeit.

Der Acker ist 3,5 Hektar groß. „Wenn es gut läuft, schaffen wir zwischen zwei und vier Tonnen Kartoffeln pro Stunde“, sagt Jung. Ein halber Hektar könne pro Erntetag drin sein. Wichtig sei, die neuen Kartoffeln jetzt bald zu verbrauchen. Die Schale ist noch dünn, die Erdäpfel sind empfindlich. „Am besten man legt sie bei vier bis fünf Grad in den Kühlschrank“, rät Jung.

Statt Annabelle läuft jetzt die vorwiegend festkochende Sorte Anais über das Band, die Maschine hat das Feld gewechselt. Hier kommen kaum noch Erdschollen mit hoch, dafür haben viele Kartoffeln noch die „Nabelschnur“, wie Jung sie nennt, mit dran: die Verbindung von Wurzel zur Knolle. Entspannter ist das Verlesen nun trotzdem. Der Boden ist hier feuchter, kürzlich wurde gewässert. In diesem Jahr sei es besonders trocken.

Um 9.45 Uhr zurück am Hof werden die Kartoffeln abgefüllt, per Hand wird hier noch mal nachsortiert. „Die ganz großen gehen an verschiedene Wirtschaften“, erklärt Jung. Die kleineren werden über ein Förderband in 25-Kilogramm-Säcke verteilt. Schnell stapeln sie sich auf Paletten, auch Jungs Eltern packen hier noch mit an. „Stopp“, ruft Herbert Jung plötzlich. Er hat eine Saatkartoffel, die dunkler ist als die neuen, im Sack entdeckt. „Geschmacklich wäre das eine Katastrophe, wenn die da reinrutscht“, sagt er. Das, erklärt Herbert Jung schmunzelnd, müsse man dem Kunden auf alle Fälle ersparen.

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