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Jutta Schubert präsentiert ihren Erzählzyklus: Die moderne Form der Einsamkeit

Umrahmt von Diven, wie sie Sam Shaw fotografierte, las die Schriftstellerin und Theaterregisseurin Jutta Schubert am Donnerstag in den Opelvillen aus ihrem Erzählzyklus „Die Nacht mit Marilyn“ vor und begeisterte das zahlreich erschienene Publikum.
Ihren Erzählzyklus „Die Nacht mit Marilyn“ stellt die Autorin Jutta Schubert in den Opelvillen vor. Foto: Rapp Ihren Erzählzyklus „Die Nacht mit Marilyn“ stellt die Autorin Jutta Schubert in den Opelvillen vor.
Rüsselsheim. 

Das Buchcover zeigt die blonde Diva in ihrer wohl bekanntesten Position. Über einem Lüftungsschacht steht sie in weißem Kleid und hält ihren nach oben wirbelnden Rock, so dass ihre Schenkel zu sehen sind. Axel Dielmann, der den Erzählzyklus von Jutta Schubert „Die Nacht mit Marilyn“ in seinem Frankfurter Verlag veröffentlichte, erzählte, dass der Inhalt des Buches zwar zur Frankfurter Buchmesse fertig war, doch es sei ein Abenteuer gewesen, bis der Buchumschlag gestanden habe, der zur Lesung in Rüsselsheim fertiggestellt wurde.

Ins Schwärmen geriet der Verleger, als er in einer kurzen Ansprache davon sprach, wie seine Autorin Jutta Schubert es schafft, die moderne Form von Einsamkeit darzustellen und darüber zu schreiben, wie jeder immer wieder auf Versprechungen hereinfällt. Sie leihe den sprachlosen und beschädigten Protagonisten ihre Stimme. Ein Buch mit dem Titel „Die Nacht mit Marilyn“ in einer Fotoausstellung mit Bildern der Diva zu machen, sei eine großartige Idee.

 

17 Erzählungen in einem Buch

 

Die 17 Erzählungen untergliedern sich in lange und kurze Texte. Schubert begann im ersten Teil der Lesung mit einem langen Text, den sie nicht fertig vorlas, wobei die Zuhörer sich ein passendes Ende ausdenken oder das Buch erwerben und nachlesen konnten, wie es zu Ende geht. „Eine Frage des Lichteinfalls“ spielt in der Ruine der Abtei San Galgano in der Toskana, zu der sich ein Fotograf, von einer Texterin begleitet, begibt, um sich die Kulisse für ein Fotoshooting anzusehen. Viele Zuhörer des Abends lauschten mit geschlossenen Augen den Beschreibungen Schuberts, die mit vielen Adjektiven die herbstliche Landschaft der Toskana und die beiden Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, umschreibt, so dass sich Bilder formen und Atmosphäre entsteht. Die Dialoge der beiden Protagonisten sind beinahe ruppig, und während die Frau resigniert und mutlos wirkt, arbeitet der Fotograf auf der Suche nach Motiven mit einer nahezu kindlichen Begeisterung. Privates und Berufliches werden angesprochen, Erinnerungen an den Ex-Liebhaber treten hervor, der Fotograf entwickelt einen „heiligen Ernst“, wenn es um seinen Beruf geht. Sie bewundert sein Können und beschreibt Motive, die er meisterlich festgehalten hat. „Das Vergessen in einer zerbrochenen Blumenvase.“

 

Persönliche Bilder der Hauptfiguren

 

Schubert erschafft mit ihrem Text sehr persönliche Bilder ihrer Hauptfiguren, die gleichzeitig Wut, Unsicherheit, Faszination und Provokation verdeutlichen. Werden sie einander näherkommen? Gibt es Parallelen, die die ungleichen Menschen zu Gleichgesinnten macht? Schubert endete abrupt und ließ die Zuhörer mit fragenden Mienen zurück.

Im zweiten Teil der Lesung stellte die Autorin zwei kurze Geschichten vor. Darunter auch die Titelgeschichte mit Marilyn, in der ein Mann nachts von der völlig betrunkenen Schauspielerin besucht wird und seinen Fantasien freien Lauf lässt. Auch hier gelingt es der Autorin wieder, atmosphärische Beschreibungen einzubauen, die wie Pralinen zwischen den Lippen oder vielmehr als Worte in den Ohren der Zuhörer schmelzen. So etwa der Satz „Ihr Lachen perlte von den Wänden ab.“ Schubert schildert Marilyn als verletzliche Puppe in einem Spiel, verfügbar, desinteressiert am Geschehen um sie herum, doch gleichsam anbetungswürdig. War es nur ein Traum oder war sie wirklich bei ihm? Das Resümee des Mannes, der die Nacht mit Marilyn verbrachte, ist Anklage und Bewunderung zugleich: „Denn nur wer geliebt wird, wird gesehen.“ sura

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