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Modelleisenbahnanlage: Dieser Mann hat ein Miniatur-Universum im Keller

Seine Modelleisenbahn begleitet Erwin Seitz schon fast das ganze Leben. Mit einem Weihnachtsgeschenk für den Zweijährigen fing alles an. Letztes Jahr wurde ihm eine ganz besondere Ehre zuteil.
Erwin Seitz in seinem Element: Die Landschaften und Szenen faszinieren den 67-Jährigen ganz besonders. Bilder > Foto: (Dennis Möbus) Erwin Seitz in seinem Element: Die Landschaften und Szenen faszinieren den 67-Jährigen ganz besonders.
Geinsheim. 

Mehrere Frauen verschiedenen Alters haben sich zum Sonnenbaden getroffen. Während zwei sich schon wohlig auf dem Handtuch räkeln, ziehen ihre Begleiterinnen sich noch um. Was sie nicht ahnen, hinter einem Gebüsch steht ein Mann und beobachtet sie. Das ist eine von vielen Szenen, die sich in der Modelleisenbahnanlage von Erwin Seitz zutragen.

Anderswo wird grade ein Feuer gelöscht, auf der gegenüberliegenden Seite treibt ein Bauer die Kühe auf die Weide. Ja länger man schaut, desto mehr solcher kleiner Szenen kann man entdecken.

Ins Auge fällt nach längerem Betrachten eine weibliche Figur, die einen Teppich ausklopft. „Die Oma klopft den Teppich schon seit etlichen Wochen, die muss ich noch abschaltbar machen“, kommentiert Seitz das pittoreske Universum. Im zarten Alter von zweieinhalb Jahren hat alles angefangen. Der kleine Erwin bekam von seinem Vater, einem Eisenbahner, zu Weihnachten 1952 eine Dampflok – ein schnittiges Modell aus den 30er Jahren mit stromlinienförmiger Verkleidung – nebst einigen Wagen und Gleisen geschenkt.

„Wie sie sehen habe ich damit keinen Weitwurf gemacht“, sagt der Senior schmunzelnd, als er die schwarze Lok präsentiert und tatsächlich sieht sie aus wie neu.

Gleise liegen im Weg

In den ersten Jahren musste der Junge die Gleise immer wieder auf dem Fußboden auf und abbauen. „Da ging dann auch mal was kaputt, wenn meine Mutter drüber gestolpert ist“, erinnert sich der gebürtige Pfälzer. 1957 wurde die mittlerweile gewachsene Anlage schließlich auf ein Brett montiert. Dieses ist immer noch Teil der seitdem stetig gewachsenen Miniaturwelt, die heute einen ganzen Raum für sich beansprucht.

„Wir haben dafür im Rohbau sogar noch extra eine Wand verschoben“, erzählt Seitz. Das war im Jahr 1982, er war schon früher der Arbeit wegen ins Rhein-Main-Gebiet gekommen und hat dann in Geinsheim das Haus gebaut, in dem er heute noch mit seiner Frau lebt.

Der studierte Maschinenbauer wollte eigentlich ein Bahner werden. Leider suchte die Bahn damals keine Mitarbeiter, so kam er im April 1976 zum Rüsselsheimer Autobauer Opel.

Aber auch seinen Traum von der Arbeit mit echten Zügen konnte Seitz verwirklichen. Beim Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein hat er heute sowohl mit den echten Dampfloks als auch dem Modellbau zu tun.

Zudem betreut er dort eine Gruppe von fünf Jungen im Alter von acht bis zwölf Jahren, die bei ihm lernen, wie so eine Anlage aufgebaut wird. Die hätten viele Ideen, erzählt er, „einer wollte Schnee auf der Anlage haben, da habe ich mich im Internet erkundigt, und dann haben wir es auf einem Berg schneien lassen“. Je verrückter je besser, ist sein Motto.

Landschaften faszinieren

Überhaupt seien die Züge ja doch eher Nebensache, fügt er unerwartet an. Das eigentlich Faszinierende seien die Landschaft und die Szenen, erklärt Seitz. Er ist ein großer Fan des Miniatur-Wunderlands in Hamburg. In der Hansestadt hat der passionierte Bastler seine Meister gefunden. Auf 1490 Quadratmetern findet sich dort alles, was das Modellbauerherz begehrt. Vier Mal war er schon dort.

Seinem ältesten Sohn hat Seitz das Eisenbahner-Gen mit in die Wiege gelegt, er arbeitet heute bei der Bahn. Beim Jüngsten fiel der Apfel auch nicht weit vom Stamm, der habe sich zu einem echten Autofreak entwickelt. Als solcher ist er in der Anlage seines Vaters mit einer eigenen Autowerkstatt in Miniatur vertreten, auf deren Dach steht „Autotechnik René Seitz“ geschrieben.

Nur die Tochter, die zurück in die Pfalz gezogen ist, hat keine eisenbahnerischen Ambitionen. Aber Seitz hat dafür gesorgt, dass seine zwei Enkel in der alten Heimat ihre eigene kleine Eisenbahn bekommen. „Die gehen ordentlich damit um“, freut sich der Großvater.

Letztes Jahr hat es seine Anlage, deren Betrieb über einen Laptop gesteuert wird, sogar in das Märklin-Magazin, eine Fachzeitschrift für Modellbau, geschafft. Stolz zeigt der Geinsheimer den achtseitigen Bericht mit vielen Fotos.

„Seit 65 Jahren beschäftige ich mich mit meiner Modelleisenbahn“, sagt der fitte Rentner und ergänzt: „Es ist kein Ende abzusehen, es gibt immer wieder was Neues.“

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