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Doppelter Dämpfer für „Park and fly“

Von Zwei Unternehmer wollen auf ehemaligem Bahngelände einen Langzeitparkplatz bauen. In dieser Woche hat das Vorhaben gleich zweimal einen Dämpfer bekommen. Entscheiden muss am Ende jedoch die Bau-Aufsicht des Kreises.
Auf dem ehemaligen Bahngelände Am Alten Gerauer Weg könnten 440 Stellflächen für ein „Park-and-Fly“-Areal entstehen. Auf dem ehemaligen Bahngelände Am Alten Gerauer Weg könnten 440 Stellflächen für ein „Park-and-Fly“-Areal entstehen.
BISCHOFSHEIM. 

Ein Dauerparkplatz für die Autos der Urlauber, die von Frankfurt aus gen Süden fliegen – bereits Anfang des Jahres hatten Galip Akhan und sein Geschäftspartner der damaligen Bürgermeisterin Ulrike Steinbach (SPD) ihre Pläne für das ehemalige Bahngelände Am Alten Gerauer Weg vorgestellt. Hatte Steinbach sich zunächst noch offen dafür gezeigt, ging sie jedoch bald auf Distanz.

Jetzt hat das Projekt abermals einen Dämpfer erhalten. Und zwar gleich doppelt. Am Montag fasste der Gemeindevorstand einen Beschluss, laut dem sich das Gremium offiziell gegen den Parkplatz ausspricht. Am Donnerstag gab die Gemeindevertretung auf Antrag der SPD-Fraktion dem Vorstand zudem auf, sich bei den zuständigen Behörden weiter dafür einzusetzen, dass keine Baugenehmigung für einen „Park-and-fly“-Parkplatz erteilt wird.

Was den Beschluss des Gemeindevorstands angeht, so wurde dieser ohne den neuen Bürgermeister gefasst. Ingo Kalweit (CDU) enthielt sich. Kalweit hätte laut eigener Aussage lieber noch eine Informationsversammlung einberufen lassen, um das Thema öffentlich zu besprechen. „Der Beschluss kam für mich zu früh“, begründete der Rathauschef seine Enthaltung drei Tage später in der Gemeindevertretung.

Kreis muss entscheiden

Für CDU-Fraktionschef Simon Kanz war die Tatsache, dass das Parlament nach der Vorstandsentscheidung überhaupt noch zu einer Sondersitzung zusammenkam, nicht nachvollziehbar. „Was der Vorstand beschlossen hat, ist eine Unverschämtheit, da bereits Fakten geschaffen wurden“, echauffierte er sich. In Zukunft sollten vorher wenigstens die Argumente des Parlaments gehört werden, bevor eine solche Entscheidung getroffen werde.

Ferner gab er zu bedenken, dass laut Gesetz die Gemeinde gar nicht über das Projekt zu entscheiden habe, sondern die Bau-Aufsicht des Kreises Groß-Gerau.

Aus den Reihen der SPD hieß es dagegen, man wolle für das Thema nichtsdestotrotz eine „gewisse Öffentlichkeit“ herstellen. Schließlich gehe es um Transparenz.

Zu Beginn war die Parlamentssitzung kurzfristig für eine Bürgerfragestunde zum Thema „Park-and-fly-Parkplatz“ unterbrochen worden. Stefanie Groß, Vorsitzende des Elternbeirats der nahegelegenen Georg-Mangold-Schule, schilderte im Beisein vieler weiterer Mütter, Väter und Anwohner, die ebenfalls zur Sitzung gekommen waren, ihre Bedenken. Aktuell sei die Verkehrssituation an der Schule „grauenhaft“.

Das liege auch an den Eltern selbst, die ihre Kinder zum Teil bis vor den Schulhof fahren wüden. „Wenn man ihnen sagt, dass sie Teil des Problems sind, wird das ignoriert“, berichtete Groß. Ferner befürchte sie, dass mit dem „Park-and-fly-Parkplatz“ zahlreiche ortsfremde Autofahrer dazukommen, die nicht wissen, dass dort eine Schule ist.

Keine Zuversicht mehr

Wie man beim Kreis Groß-Gerau über das Projekt denkt, dessen Bau-Aufsicht letztlich über den Bau des Parkplatzes entscheidet, ist nicht bekannt. Eine Stellungnahme hat Pressesprecher Volker Trunk für die nächste Woche angekündigt.

Geschäftsmann Galip Akhan, der in Bischofsheim bereits eine Sicherheitsfirma betreibt, ist jedenfalls nicht mehr zuversichtlich, dass es mit dem Parkplatz noch klappt. „Ich bin perplex“, reagierte er auf die Nachfrage dieser Zeitung. Nachdem er das Projekt am Montag nochmals dem Gemeindevorstand vorgestellt habe und es dort abgelehnt wurde, habe er sich den Weg zur Parlamentssitzung im Palazzo schon gespart.

Den Bischofsheimer Gremien wirft Akhan eine „engstirnige Sichtweise“ vor. Vor allem das Argument, dass der Parkplatz den Verkehr belaste, will er nicht gelten lassen. „Das ist doch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, monierte er.

Viel Verkehr gebe es rund um den Alten Geraurer Weg ohnehin. Mit dem von ihm geplanten Parkplatz würden lediglich drei bis vier Autos pro Stunde hinzu kommen. „Das wären Langzeitparker, die Wagen würden dort zwei bis drei Wochen stehen“, gab er zu bedenken.

Die Frage sei, was sonst mit dem Gelände passiert. „Etwa ein Hubschrauber-Landeplatz?“, fragte Akhan mit deutlich hörbarem Frust in der Stimme. Die einzige Alternative, die er sich vorstellen könne, sei der Bau eines Bürogebäudes. Würde ein solches dort entstehen, sei die Verkehrsbelastung allerdings deutlich höher, weil dazugehörige Parkplätze dann unter der Woche täglich angesteuert würden. Der Gemeinde wünscht Akhan, dass auf dem ehemaligen Bahngelände tatsächlich Büros entstehen, „damit man dort sieht, dass das den Verkehr viel mehr belastet“.

Mit seiner Sicherheitsfirma will er nun mittelfristig weg aus Bischofsheim. So sei der Standort vor allem wegen der Aussicht auf den Parkplatz interessant gewesen, ohne ihn das Areal dagegen zu abgelegen.

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