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Wo wird man schon fürs Spielen bezahlt?: Dr. Thomas Kinne ist amtierender Quiz-Champion

Er liebt die Herausforderung, duelliert sich mit anderen Schlaumeiern – und das vor Millionen von Fernsehzuschauern: Der Nauheimer Dr. Thomas Kinne gewinnt bei der ZDF-Show „Der Quiz-Champion“. Doch damit nicht genug. Redakteurin Dorothea Ittmann hat mit dem Hobby-Quizzer über sein Erfolgsrezept gesprochen.
Dr. Thomas Kinne Foto: Svea Pietschmann Dr. Thomas Kinne

Herr Dr. Kinne, bevor Johannes B. Kerner Sie mit Fragen bombardiert hat, haben Sie sich dem Publikum in einem Video kurz vorgestellt. Hinter Ihnen waren Palmen und Kakteen im Bild – da wusste ich, das ist das Atrium in Nauheim.

DR. THOMAS KINNE: Der Ort war meine Wahl. Ich habe mir gedacht, das macht sich besonders gut als Hintergrund. Das Wetter hat auch mitgespielt. Und die Palmen bieten eine wunderbare Überleitung zu Reisen und den Seychellen.

Ein spannendes Finale bot Dr. Thomas Kinne (links) in der Quiz-Show mit Johannes B. Kerner.

Ihre Frau kommt von den Seychellen?

KINNE: Ja, das stimmt. Man sucht ja immer nach außergewöhnlichen und originellen Dingen im Privatleben. Alles, was durchschnittlich ist, ist für den Zuschauer wenig interessant.

Sind Sie gebürtiger Nauheimer?

KINNE: Nein, ich bin Rheinländer. Aber wir sind schon vor 20 Jahren nach Nauheim gezogen. Wir fühlen uns da ganz wohl.

Als Übersetzer könnten Sie überall tätig sein . . .

KINNE: Das ist richtig. Ich könnte auch auf den Seychellen sitzen. Ich arbeite praktisch nur über E-Mail, das kann ich von überall machen.

Reisen ist Ihre Leidenschaft. Was kam zuerst: die Sprachen oder das Reisen?

KINNE: Ich würde sagen, die Sprachen zuerst. Die habe ich schon als Kind gelernt. Mit vier Jahren konnte ich lesen und schreiben, und dann wurde es mir langweilig, weil ich noch nicht zur Schule gehen durfte. Dann habe ich Telekolleg geschaut – Bildungsprogramm im Fernsehen – und Englisch gelernt.

Bei Englisch ist es nicht geblieben.

KINNE: In der Schule hatte ich Latein und Französisch. Damit kam das Interesse an anderen Sprachen. Das große Reisen hat so mit 16 begonnen. Ich wollte unbedingt mal nach Amerika, und da hat sich ein Schüleraustausch ergeben. So habe ich Spaß an der großen weiten Welt gefunden. Das hat sich auch bis heute nicht geändert. Spanisch habe ich dann später studiert. Ich verstehe viele Sprachen, kann sie aber nicht unbedingt sprechen.

Sie haben in der Quiz-Show angekündigt, dass Sie mit dem Preisgeld eine Reise nach Neuseeland machen wollen. Ist es bei dem Wunsch geblieben?

KINNE: Man bekommt gesagt: Wenn ihr gefragt werdet, was macht ihr mit dem Geld, dann sagt ihr nicht Konto ausgleichen oder so was Langweiliges; denkt euch was aus. Es ist aber wirklich mein Ernst. Neuseeland ist ein Traum von mir. Das haben wir fest vor.

Sind schon die Tickets gebucht?

KINNE: Nein. Aber witzigerweise hat mir ein sehr geschäftstüchtiger Veranstalter aus München sofort einen Katalog zugeschickt. Aber das verwundert nicht – gerade bei so einer exponierten Show am Samstagabend zur Sendezeit von „Wetten, dass . . ?“. Da schauen sehr viele Menschen zu. Wir lagen bei „Trending Topic of Twitter“ auf Platz 3 – nach Klitschko und Fußball. Da wurde schon viel diskutiert.

Auf die meisten Fragen wussten Sie sofort die Antwort, Sie mussten nicht lange überlegen. Wo kommt dieses große Allgemeinwissen her?

KINNE: Ich bin seit über 25 Jahren bei Quiz-Sendungen dabei und weiß: Vorbereitung bringt nicht viel; Die Fragen kann man nicht vorhersehen. Ich sauge mein Leben lang alles auf, was ich höre, speichere das ab und denke mir: Irgendwann brauche ich das mal. Man kann mich in allen Bereichen abfragen, und mir fällt in der Regel etwas dazu ein. Vieles kann man auch herleiten, vor allem bei den Multiple-Choice-Fragen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich bei der ersten Show zu bewerben?

KINNE: Ich habe schon während meiner Studienzeit mit Quiz-Sendungen angefangen. In Mainz habe ich damals AFN empfangen und immer die amerikanischen Shows geguckt – auch „Jeopardy!“. Als das dann nach Deutschland kam, mit Frank Elstner, musste ich sofort dabei sein. Ich war auch der erste deutsche „Jeopardy!“-Champion. Da habe ich gemerkt, das ist auch recht einträglich. Wo wird man schon fürs Spielen bezahlt? (lacht)

Bei „Jeopardy!“ ist es nicht geblieben.

KINNE: Über die Jahre habe ich unter anderem bei „Jeder gegen jeden“ auf SAT 1, „Der Schwächste fliegt“ auf RTL, „Gefragt gejagt“ auf ARD und natürlich bei unserem guten alten „Hessenquiz“ mitgemacht.

Haben Sie auch schon Günther Jauch bei „Wer wird Millionär?“ gegenübergesessen?

KINNE: Nein. Das ist die einzige Show, die die Kandidaten auslost. Da bewerbe ich mich seit 18 Jahren. Es gibt wohl zigtausende Bewerbungen. Die losen jeden Tag zehn Leute aus und rufen dann ein paar an. Zum Schluss bleiben nur wenige übrig. Kürzlich bin ich aber tatsächlich mal zurückgerufen worden. Mal sehen . . .

Wie ist das bei den anderen Quiz-Shows?

KINNE: Bei den meisten durchläuft man ein Casting. Es ist mir lieber, wenn ich mich präsentieren darf und sie überlegen sich, ob ich in das Schema passe. Es ist mir klar, dass ich mit 56 Jahren nicht mehr zur Zielgruppe von RTL gehöre. Aber es kommt dann auch irgendwann die Zeit, in der man der Typ „origineller Opi“ ist. Ich habe durchaus vor, das weitere 25 Jahre zu machen.

Also der originelle Alte in der Show . . .

KINNE: Ja, wenn mein Kopf mit 80 noch funktioniert, dann bin ich allein dadurch wieder interessant.

Stehen noch Sendungen auf Ihrer Wunschliste, bei denen Sie unbedingt mitmachen wollen?

KINNE: Es gibt so vieles, was mich noch reizt. Ich habe ein ganz konkretes Format im Sinn, bei dem man sehr schnell sein muss – das liegt mir. Und es gibt eine andere Show, bei der auch Glück eine große Rolle spielt und bei der ich unbedingt mit meiner Tochter Alisa teilnehmen möchte, die auch schon im Fernsehen erfolgreich war.

Wie lange hält Ihre Glückssträhne schon an?

KINNE: Ich habe seit 16 Jahren nicht mehr verloren, ich möchte gerne so weiter machen. Wenn jemand fragt, was ist dein Rezept: Geh raus und beantworte die Fragen richtig! (lacht)

Ist Lampenfieber überhaupt noch ein Thema für Sie?

KINNE: Nein, das habe ich nie gekannt – ich bin so eine Rampensau. Ich könnte auch im Berliner Olympiastadion auftreten. Je mehr Leute, desto besser. Das Publikum gibt einem Auftrieb. Wenn man merkt, die Leute fiebern mit – das ist ein tolles Gefühl.

Sieht man alte Bekannte bei den Sendungen wieder?

KINNE: Es gibt schon eine Art Quizzer-Szene in Deutschland. Man kennt sich, begegnet immer wieder den gleichen Leuten bei Castings. Es gibt auch den deutschen Quizverein, aus dem ich mich aber immer noch heraushalte. Denn ich bin einfach kein Vereinsmeier.

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass wir Sie wiedersehen?

KINNE: Es ist sicher, dass man mich wiedersieht. Es sind schon Sachen in der Pipeline, die demnächst aufgezeichnet werden.

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