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Königstadt: Ein Flohmarkt für Bücherfreunde, von Bücherfreunden

Mittwochs zwischen 8 und 12 Uhr bieten die Königstädter Bücherfreunde einen Bücherflohmarkt an. Die Einnahmen der gespendeten Bücher nutzt der Trägerverein der Ortsteilbücherei, um neue Medien für die Ausleihe anzuschaffen. Zwischen Liebesromanen und Krimis, Thrillern und Jugendliteratur finden sich häufig Raritäten und Schätze, die ihren neuen Besitzer glücklich machen.
Die guten Seelen des Bücherflohmarktes in Königstädten: Silke Schürhagl, Ingrid Hartl und Renate Bierreth (von links). Die guten Seelen des Bücherflohmarktes in Königstädten: Silke Schürhagl, Ingrid Hartl und Renate Bierreth (von links).
Königstädten. 

Es ist ein wenig so, als würde man auf Schatzsuche gehen. Immer wenn ein Spender mit einer Bücherkiste in den Vorraum der Bücherei kommt, warten einige Stammkunden mit glänzenden Augen, um das Gebrachte zu begutachten. Alte Kinderbücher sammelt Karl-Heinz Engroff, und Horst Künzelmann hält Ausschau nach Literatur über die Stadt Mainz. Fündig werden beide immer mal wieder.

An diesem Mittwoch haben Spender gleich acht Kisten voller Bücher vorbeigebracht, die nun vor dem Tresen der Ausleihe stehen. Weit mehr als 100 Kochbücher sind dabei, und gut erhaltene Krimis im Taschenbuchformat, die gern gekauft werden. 50 Cent kostet ein Taschenbuch, ein Euro ein gebundenes Buch. Da wird oft schon mehr als nur ein Krimi für die länger werdenden Abende mitgenommen, und einige bringen das gelesene Buch dann auch wieder zurück zum Flohmarkt. Den Helfern der Königstädter Bücherfreunde, die jeden Mittwoch ausräumen, sortieren, einordnen und die Regale der Bücherei abstauben, ist es ein Anliegen, mit dem Bücherflohmarkt nicht nur das erforderliche Geld einzunehmen, mit dem der Bestand der Leihmedien aktualisiert wird. „Jedes gekaufte Buch hat auch einen Leser gefunden“, lautet die Philosophie, hinter der die Leseförderung als wichtiges Ziel steht.

Kinder kommen vorbei

Die Mittwochvormittage nutzen auch immer Kitagruppen, deren Kinder im Kreis um eine Erzieherin sitzen, die ihnen vorliest, bevor selbst bei den Bilderbüchern gestöbert werden darf. Nur ausleihen kann man mittwochs während des Flohmarktes nicht.

Gerade frisch reingekommen ist ein Pop-up-Buch, das aufgeklappt seinen dreidimensionalen Inhalt zeigt. „Wunder der Architektur“, lautet der Titel und aufgeklappt steht die Cheops-Pyramide auf der Doppelseite, die sich beim weiterblättern wieder artig zusammenfaltet und dem Taj Mahal auf den nächsten Seiten den Vorrang lässt.

Neben Büchern werden auch andere Medien gespendet. So etwa ein Ravensburger Puzzle mit 1000 Teilen. Und das Motiv sind nicht Blumen oder Landschaften, sondern ein Gruppenbild der aktuellen Mannschaft des FC Bayern München. Praktisch nagelneu findet es sofort einen Abnehmer.

Für Freunde der Stadtgeschichte Rüsselsheims eine wahre Fundgrube an Wissen ist ein schwerer Foliant von Rudolf Otto, dem Baudirektor Rüsselsheims in den Jahren 1952 bis 1975. Es trät den Titel „Baukräne über Rüsselsheim“. Darin findet sich noch ein Zeitungsartikel anlässlich seines 90. Geburtstags vom März 2000. Artikel und Fotomaterial geben ein Bild der damaligen Baugeschichte wieder, die das Buch zu einem perfekten Nachschlagewerk macht.

Oft bringen Spender ihre Lexika vorbei, die es dann bei den Bücherfreunden zu Spottpreisen gibt. „Die Leute schauen doch nur noch im Internet nach“, sagt Bücherfreundin Ingrid Hartl. Das habe man immer wieder zu ihr gesagt. Und schließlich nehmen größere Werke auch viel Platz im Bücherregal ein.

Sand rieselt heraus

Viele der abgegebenen Bücher erzählen eine Geschichte. Der kleine Band von Hermann Hesse mit einer persönlichen Widmung des Autors oder die Autorbiografie der kolumbianischen Politikerin Ingrid Betancourt, die von der Farc-Guerilla entführt worden war. Bei „Die Wut in meinem Herzen“ rieselt Sand zwischen den Seiten heraus, der auf ein Lesen am Strand rückschließen lässt. Für die Bücherfreunde, die sich über die Spenden freuen, bedeutet es aber auch viel Arbeit, bis diese zum Verkauf angeboten werden. Schön wäre es, wenn nur kleinere Mengen – bis zu 50 Bücher – abgegeben würden. Denn jedes Buch muss in die Hand genommen und sortiert werden. Die Aufbewahrungskapazitäten sind auch begrenzt und Romane einstiger Bestsellerautoren wie Simmel und Konsalik liest heute niemand mehr. Auch wünschen sich die freiwilligen Helfer, dass die abgegebenen Bücher in gutem Zustand sind, dass die Staubschicht darauf nicht so dick ist, dass der Buchtitel nicht mehr zu entziffern ist, und auch keine Spinnen oder anderes Getier die Bücher bewohnen.

Buchspenden können mittwochs von acht bis 12 Uhr und sonntags von 14.30 Uhr bis 17 Uhr abgegeben und gekauft werden. Und Schätze lassen sich immer dort finden.

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