E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige 29°C

Emotionaler Filmabend: Ein Rückblick auf die Pfadfindergeschichte

Einmal im Monat lädt Reiner Weber, VCP (Verband christlicher Pfadfinder) Delegierter des Landes in der Fachgruppe Erwachsene zu einem Themenabend in die Pfarrscheune ein. Vergangenen Montag ging es um die Kerweborsch einst und jetzt. Hierzu hatte Wolfgang Volz Filme aus den 50er- und 60er-Jahren mitgebracht.
Plaudern über die guten alten Pfadfinderzeiten (von links): Reiner Weber, Wolfgang Volz und Alfred Huster. Plaudern über die guten alten Pfadfinderzeiten (von links): Reiner Weber, Wolfgang Volz und Alfred Huster.
NAUHEIM. 

Alles andere als selbstverständlich war es in den 50er-Jahren mit einer Kamera herumzulaufen und Filme über Pfadfinderfreizeiten zu machen. Wolfgang Volz tat vor vielen Jahrzehnten bereits das, was heute dank Smartphone gang und gäbe ist.

Sein Vater hatte damals günstig eine Filmkamera für Doppel-acht-Millimeter-Filme erstanden und lieh diese dem Sohn aus, wenn der mit seinem Stamm Arbeitseinsätze in Wald und Flur hatte, oder Pfadfinderfreizeiten besuchte. Das betagte Filmmaterial ließ er nun scannen, um die unwiederbringlichen Erinnerungen auch auf modernen Computern abspielen zu können.

Kostspieliges Material

Unter den vielen, nur wenige Minuten langen Filmen – das Filmmaterial war kostspielig – gab es einen, der die damaligen Kerweborsch um 1964 herum zeigt, wie sie mit roten Kappen die Fahne schwenkend durch Nauheim marschieren und sich zuprosten. Karl Haun, der damalige Kerwevadder, ist zu sehen, wie er vom Pferdewagen herunter den Kerwespruch verliest. Karl Haun gehörte neben Beppo Haun und Tobias Stör zu den drei Kerwevätern, die gleichzeitig auch Pfadfinder waren.

Die Gattin von Karl Haun und drei ihrer Kinder waren zum Treffen gekommen und freuten sich darüber, den Vater in bewegten Bildern zu sehen, nicht nur auf Fotos. Der dreimalige Kerweborsch und Pfadfinder Alfred Huster und seine Frau Doris waren ebenfalls erschienen, um die alten Streifen anzuschauen.

Die Pfadfinder beim Ostereiersuchen im Schnee, bei der Reinigung von Brutkästen im Wald, beim Braten von Hähnchen über dem offenen Feuer oder auch bei Radtouren trotz strömendem Regen zu sehen, ließ viele Erinnerungen aufleben. Und für Doris Huster, die ihren Mann als Bub mit schwarzem Haar zunächst gar nicht erkannte, war das etwas ganz besonderes.

Künstlerische Perspektive

„Ich hab dich gar nicht erkannt“, rief sie, als der Gatte über die Leinwand lief. „Ich mich auch nicht“, konterte der Ehemann humorvoll. „Das ist über 50 Jahre her“, sagte Reiner Weber ergriffen. Und als alle zu rechnen begannen, stellte sich heraus, dass die Filme noch viel älter sein müssen.

Die Qualität ist nicht die Beste. Ein wenig ausgebleicht und unscharf sind die jungen Gesichter, die gut gelaunt in die Kamera lächeln. Doch dass der junge Mann hinter der Kamera, Wolfgang Volz, schon einen Blick für künstlerische Perspektiven hatte, statt einfach nur draufzuhalten, wird spätestens dann deutlich, wenn er seine Kamera durch das Lenkrad eines Traktors auf das Treiben vor sich schauen lässt.

Manche Filme sind in Farbe, andere in Schwarzweiß. Das sei eine Kostenfrage gewesen, erklärte Volz. „So ein Farbfilm kostete damals 20 Mark.“ Ursprünglich hatte Weber gehofft, dass einige der aktuellen Kerweborsch vorbeischauen würden und es zu einer regen Diskussion darüber käme, wie sich die heutige Kerb von der damaligen unterscheidet oder was gleichgeblieben ist.

So etwa, warum die Kappen der Borsch heute blau und nicht mehr rot sind. Leider erschien keiner von der Truppe, die noch am Vortag fleißig beim Scheunenfest mitgeholfen hatte.
So avancierte der Filmabend, der durch viele Fotos ergänzt
wurde, zu einem emotionalen Rückblick auf ein Stück Pfadfindergeschichte.

Mehr aus Rüsselsheim

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen