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Rettungseinsatz: Ein zweites Leben geschenkt bekommen

Joachim Holland feiert am 6. Oktober seinen zweiten Geburtstag, sein zweites Leben: 2014 hatte er einen Verkehrsunfall, den er Dank des raschen Einsatzes der Feuerwehr Rüsselsheim und Bauschheim als maßgebliches Glied in der Rettungskette überlebt hat.
Dank an die Retter: Joachim Holland, seine Frau Suzanne und Tochter Lavinia (12) dankten den Helfern der Feuerwehr Bauschheim und Rüsselsheim, die den Familienvater beim schweren Unfall 2014 aus dem völlig zerstörten Auto frei schnitten. Foto: Charlotte Martin Dank an die Retter: Joachim Holland, seine Frau Suzanne und Tochter Lavinia (12) dankten den Helfern der Feuerwehr Bauschheim und Rüsselsheim, die den Familienvater beim schweren Unfall 2014 aus dem völlig zerstörten Auto frei schnitten.
Rüsselsheim/Bauschheim. 

„Es kommt selten vor, dass Menschen, die von der Feuerwehr Hilfe erfahren haben, im Nachhinein persönlich ihren Dank bekunden“, sagt Marco Hummel, Wehrführer in Bauschheim. „Und umso mehr freue ich mich heute darüber“, setzt er lächelnd hinzu.

Denn Joachim Holland (52), einem vierfachen Familienvater aus der Gemeinde Dexheim im Kreis Mainz-Bingen, war es ein Herzensanliegen, seinen Rettern zu danken. Am Dienstag war er zu Besuch im Feuerwehrhaus Bauschheim, wo sich Kameraden der Wehren von Bauschheim und Rüsselsheim eingefunden hatten. Beim Rettungseinsatz für Holland, den zwölf Bauschheimer Wehrleute gemeinsam mit acht hauptamtlichen Kameraden der Rüsselsheimer Wehr am 6. Oktober 2014 leisteten, ging es um Sekunden, es ging um Leben und Tod.

Eine glückliche Familie – das hat nach dem schweren Unfall vom 6. Oktober 2014 für Joachim Holland hohen Stellenwert. Links seine Frau Suzanne, in der Mitte Tochter Lavinia (12), eines von vier Kindern, beim Besuch bei der Feuerwehr Bauschheim. Bild-Zoom Foto: Charlotte Martin
Eine glückliche Familie – das hat nach dem schweren Unfall vom 6. Oktober 2014 für Joachim Holland hohen Stellenwert. Links seine Frau Suzanne, in der Mitte Tochter Lavinia (12), eines von vier Kindern, beim Besuch bei der Feuerwehr Bauschheim.

Tobias Zöller, Einsatzleiter der Rettungsaktion, dem Joachim Holland als erstem im Saal die Hand schüttelte, sagte souverän: „Schwere Unfälle sind für uns Tagesgeschäft.“ Dass ihm der Dank des Mannes, der ohne das reibungslose Ineinandergreifen der Rettungskette von Polizei, Feuerwehr, Sanitätern und Rettungshubschrauber heute nicht vor ihm stünde, nah ging, war deutlich zu sehen.

Joachim Holland, leitender Angestellter bei Opel, der von Ehefrau Suzanne und Tochter Lavinia (12) begleitet wurde, wandte sich an die Versammelten: „Der 6. Oktober ist mein zweiter Geburtstag. Ohne Eure Hilfe gäbe es mich nicht.“ Anhand von Fotomaterial, teils aus dem Sachverständigengutachten, das nach dem Unfall an der „Schönauer Kreuzung“ zwischen Bauschheim und Nauheim erstellt wurde, vollzogen Holland und die Feuerwehrleute jenen furchtbaren Mittag noch einmal nach: „Mir fehlt die Erinnerung an die Stunde vor dem Unfall, den Unfall selbst und alles, was Wochen danach geschah“, erzählte Joachim Holland. „Das Letzte, an was ich erinnere, ist, dass es ein milder Tag war, dass ich meine Tasche nach Dienstschluss bei Opel ins Auto legte und losfuhr.“ Weder Nebel noch Regen ließen eine unwägbare Verkehrslage ahnen. „Ich fahre stets umsichtig, doch weiß ich jetzt, dass man vor Blindheit oder Selbstüberschätzung anderer Verkehrsteilnehmer nie gefeit ist“, gibt Holland zu bedenken.

 

Siebentonner kracht ungebremst ins Auto

 

Was war geschehen? Ungebremst war dem Familienvater ein Siebentonner ins Auto gefahren, hatte der Lastwagenfahrer doch auf das Ampelsignal nicht reagiert. Für Holland stand das Licht auf Grün, für den Lkw auf Rot. Zum fatalen Fehler des Lastwagenfahrers, der unverletzt blieb, sagte Joachim Holland lediglich, es habe eine Gerichtsverhandlung gegeben. Noch im Nachhinein erfasst den, der die Fotos sieht, das pure Grausen. Von Hollands silbernem Opel Omega war kaum etwas übrig geblieben.

Seine Ehefrau erinnert sich noch genau an die Ereignisse an diesem Oktobertag und erzählt: „Ich war damals zeitgleich auf derselben Strecke unterwegs, um unsere Tochter vom Reitunterricht abzuholen, da hörte ich, dass ein schwerer Unfall auf der Strecke das Durchkommen unmöglich mache. Ich schrieb eine SMS an Joachim: Hallo Schatz, wird später. Sperrung wegen eines Unfalls.“ Der Schock, kurz darauf per Anruf zu erfahren, dass ihr Mann in jenen Unfall verwickelt ist, wird ihr stets unvergessen bleiben.

Der Alarm bei der Feuerwehr ging zeitgleich ein: Marco Hummel und Tobias Zöller legten dar, dass die Wehren drei Minuten nach der Alarmierung an der Unfallstelle waren, dass sie sofort erkannten, das Opfer müsse freigeschnitten werden. „Es war, als habe ein Elefant eine Maus überrannt. Seitlich an den Türen ging gar nichts. Wir haben das Dach abgehoben.“ Rettungssanitäter und Polizei hatten den Rettungshubschrauber alarmiert, so dass Joachim Holland zwanzig Minuten später zur Uniklinik geflogen wurde. „Linksseitig war an mir selbst kaum mehr was heil. Ich lag zwei Wochen im Wachkoma, wurde mehrfach operiert, danach folgte eine Reha, so dass ich erst im September 2015 wieder arbeiten gehen konnte“, so Holland.

 

„Vieles, was wichtig schien, ist unwichtig“

 

Was so ein schwerer Unfall für das Opfer und die Familie bedeute, könne niemand nachvollziehen, der dies nicht am eigenen Leib erfahren habe, sagte er. „Vieles, was einst wichtig schien, ist unwichtig. Ich habe ein zweites Leben geschenkt bekommen. Ihr, die Feuerwehrleute, habt großen Anteil daran. Danke!“, sagte Holland zu seinen Rettern.

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