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Neubebauung des Mitsubishi-Geländes: Enttäuscht von der Gemeinde Trebur

3000 Quadratmeter Hecke wurden auf dem ehemaligen Mitsubishi-Gelände in Geinsheim vernichtet, um Platz für einen Neubau zu machen. Der Treburer Nabu kritisiert die Rolle der Gemeinde in der Sache.
Gestrüpp, wohin man blickt: Alfred Kunert von der Treburer Nabu-Ortsgruppe kritisiert die Rodung von 3000 Quadratmetern Heckenfläche. Die Auflagen des Bebauungsplans hält er für nicht eingehalten. Gestrüpp, wohin man blickt: Alfred Kunert von der Treburer Nabu-Ortsgruppe kritisiert die Rodung von 3000 Quadratmetern Heckenfläche. Die Auflagen des Bebauungsplans hält er für nicht eingehalten.

Hoch türmt sich die Erde an der Ecke Treburer Straße / Diamantstraße in Geinsheim. Auf dem Wall wachsen Sträucher und Gräser wild durcheinander, ein paar rote Mohnblumen und verstreute Rapspflanzen lockern das Gestrüpp auf. Beim näheren Hinschauen zeigt sich: Die Mohnblüten locken Hummeln an – immerhin das, findet Alfred Kunert von der Treburer Nabu-Ortsgruppe und seufzt.

„Die Lebensgemeinschaft, die hier früher in der Hecke herrschte, ist nicht mehr da“, sagt er. Sein Vereinskamerad Reinhard Winter nickt. Früher haben hier die verlassenen Hallen von Mitsubishi gestanden, es gab eine großflächige Heckenanlage, die vielen Tieren und Pflanzen als Heimstätte, Brut- und Lebensraum diente.

Anfang Januar 2017 aber sei die Heckenanlage komplett gerodet worden. Für die Naturschützer ein katastrophales Vorgehen, das ihrer Ansicht nach auch baurechtlich nicht einwandfrei ist. Der Nabu Trebur hat deshalb im März 2017 Anzeige gegen den Investor des Geländes erstattet.

Rechtliche Schritte

Das entsprechende Schreiben eines Treburer Rechtsanwalts an die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Groß-Gerau liegt der Redaktion vor. Darin wird bemängelt, dass der betroffene Heckenbereich im Bebauungsplan „Hessenauer Straße“ explizit als Bereich für die Erhaltung und Entwicklung der Flora ausgewiesen ist, weil dieser „als Lebensraum und Rückzugsort für Tiere“ diene.

Weiterhin weist der Anwalt auf die Passage hin, in der der Ersatz von abgängigen Gehölzen festgelegt ist. Beantragt wurde deshalb ein „spürbares Bußgeld“ sowie Ersatzpflanzungen.

Die Untere Naturschutzbehörde verweist in ihrer Antwort vom 10. Mai 2017, die ebenfalls dem Echo vorliegt, darauf, dass „kein passender Ordnungswidrigkeitstatbestand“ vorliegt. Weiter heißt es, dass darauf gedrängt wird, die Begrünungsmaßnahmen, die im Bebauungsplan vorgesehen sind, schnellstmöglich umzusetzen.

Für die Aktivisten des Nabu Trebur ist das allerdings nur ein müder Versuch. Sie sehen die Verantwortlichkeit bei der Gemeinde Trebur. „Das Gelände ist in Privatbesitz, aber die Gemeinde hat das Gemarkungsgebiet geändert. Sie ist also verantwortlich für die Einhaltung des Bauplans“, findet Reinhard Winter. „Als Behördenvertreter müssten sie das Gelände überprüfen“, sagt er.

Unklare Begleitung

Die Gemeinde Trebur verweist indes auf den Kreis Groß-Gerau. Der wiederum erklärt, dass dem zuständigen Fachbereich Regionalentwicklung, Bauen und Umwelt nicht bekannt sei, welches Fachbüro beauftragt wurde. Es werde aber davon ausgegangen, dass es eine Begleitung gebe. Der für die Rodung verantwortliche Bauherr allerdings wurde insolvent und unmittelbar danach von einem anderen abgelöst: Die in Bremen ansässige Zech Group ist der aktuelle Vorhabenträger.

Ein Sprecher des Unternehmens erklärte auf Nachfrage, dass die Rodung vor dem Hintergrund einer Neubepflanzung der Wälle genehmigt wurde. Wer beim ursprünglich verantwortlichen Unternehmen die ökologische Baubegleitung innehatte, ist auch ihm unbekannt. „Es wurde auch ein Geldbetrag dafür hinterlegt“, so der Sprecher.

Der Neubau ist mittlerweile zur Hälfte fertiggestellt, die abschließende Begrünung erfolge in der zweiten Jahreshälfte 2019, so eine Sprecherin des Kreises Groß-Gerau. „Ob diese Neubepflanzung ausreichend ausgeführt ist, wird die Untere Naturschutzbehörde dann überprüfen“, so die Aussage.

Winter und Kunert wissen, dass das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist – die Hecke ist vernichtet worden, der Lebensraum für Heckenbrüter dementsprechend verschwunden. Dennoch: Es gehe ums Prinzip, sagen die Nabu-Vertreter. „Ein Bauer bekommt wegen jeder kleinen Hecke, die er ummachen will, Probleme“, erzählt Kunert. Dass hier nun ohne Konsequenzen 3000 Quadratmeter gerodet worden seien, sei unverhältnismäßig.

Jetzt müsse nach vorne geschaut werden. Anke Kugies von der ehrenamtlichen Wirtschaftsberatung Trebur (WBT) habe sich beim Nabu gemeldet und eine Beteiligung an der weiteren Gestaltung des Geländes angeboten. Die Zusammenarbeit mit dem Nabu bei der Neubegrünung bestätigt auch der Sprecher der Zech Group.

Über die Anfrage freuen sich Winter und Kunert. Sie loben den Ansatz. „Man kann ein Gewerbegebiet schließlich auch gut gestalten“, findet Alfred Kunert. Wenn die Fläche schon verbraucht werde, müsse man das Beste daraus machen.

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