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Tödliche Schüsse: Erinnerungen an einen dunklen Tag

Nach den tödlichen Hundeattacken in Hannover und Bad König werden Erinnerungen an die tödlichen Schüsse auf zwei Listenhunde vor drei Jahren in Rüsselsheim wach.
Foto: Boris Roessler (dpa)
Rüsselsheim. 

Die jüngsten Schreckensmeldungen aus Bad König und Hannover haben auch in Rüsselsheim für Gänsehaut gesorgt – hat die Stadt doch selbst eine traurige Historie mit sogenannten Listenhunden. In Hannover soll ein Hund, halb Staffordshire, halb Terrier, vor rund zwei Wochen zwei Menschen in deren Wohnung totgebissen haben. Im südhessischen Bad König soll vor wenigen Tagen ein sieben Monate alter Säugling vom Familienhund in den Kopf gebissen worden sein, woraufhin das Baby verstarb. Nun kocht bundesweit eine Diskussion hoch, die bereits vor rund dreieinhalb Jahren in einem Straßenprotest in Rüsselsheim kulminierte. Auslöser damals: Zwei Polizisten erschossen im September 2014 zwei sogenannte Listenhunde auf offener Straße, nachdem sie einen Mann angegriffen und verletzt hatten.

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Kommentar

Der große Menschenkenner Loriot soll ja ein großer Hundefreund gewesen sein. Von ihm gibt es zahlreiche Zitate zum Thema. „Möpse vereinigen die Vorzüge von Kindern, Katzen, Fröschen und Mäusen“, schrieb er etwa dereinst.

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Handy-Video im Internet

Nach dem Einsatz, der noch heute als Handy-Video im Internet kursiert, kommt es zu einem Shitstorm gegen die Polizei. Tenor: „War das wirklich nötig, die beiden Hunde zu erschießen?“ Mehrere hundert Menschen kommen daraufhin in Rüsselsheim zu einer Demonstration zusammen, um gegen die tödlichen Schüsse auf die Hunde zu demonstrieren. Schilder mit emotionalen Slogans werden in die Luft gehalten, die Polizei kritisiert. Was ist seit dieser Zeit in Rüsselsheim geschehen? Laut Auskunft aus dem Rüsselsheimer Rathaus waren im Jahr 2013, also rund ein Jahr vor dem tödlichen Zwischenfall mit den beiden freilaufenden Hunden, 44 Listenhunde gemeldet. Die Zahl ging im Jahr 2017 auf 34 Hunde zurück, aktuell sind 38 Hunde eingetragen.

Ein Polizeisprecher berichtet, dass es seit jenem aufsehenerregenden Tag im September 2014 in Rüsselsheim und im gesamten Kreis Groß Gerau keine besonderen Zwischenfälle mehr mit den im Volksmund auch oft als „Kampfhunde“ bezeichneten Tieren gab. Die beiden Polizisten hätten damals rechtmäßig gehandelt, heißt es. Das Verfahren gegen sie sei eingestellt worden. „Natürlich erschießt die Polizei nicht gerne Hunde“, sagt der Sprecher. Damals habe es jedoch keine Alternative gegeben. „Es war morgens, Schulkinder waren unterwegs“, heißt es.

Das Thema ist emotional besetzt, was man nicht nur an der Rüsselsheimer Demonstration für die erschossenen Hunde ablesen kann, auch jetzt haben etwa 290 000 Menschen eine Petition unterschrieben, in dem sie sich vergeblich dagegen aussprachen, dass der Hund aus Hannover, welcher seine beiden Herrchen totgebissen haben soll, nicht eingeschläfert werden dürfe. Zum Vergleich: Die Petition, die „Freiheit für den Journalisten Deniz Yücel“ forderte, unterschrieben 123 000 Menschen.

Regelung in Hessen

Eine deutschlandweite Regelung zur Haltung von Listenhunden gibt es übrigens nicht. In Hessen ist das Halten von gefährlichen Hunden in einer speziellen Verordnung aus dem Jahr 2003 geregelt. Zur Liste der gefährlichen Hunde gehören zehn Rassen, darunter Pitbull-Terrier und Staffordshire-Terrier. Ein Halter braucht für diese Hunde eine Erlaubnis der Ordnungsbehörde der jeweiligen Kommune. Der Halter muss auch eine Sachkundeprüfung ablegen. Außerdem muss für den Hund eine „positive Wesensprüfung“ vorliegen.

Jedes Jahr sterben in Deutschland im Schnitt drei bis vier Menschen an Hundebissen oder nach Hundestößen. Das Statistische Bundesamt zählte von 1998 bis 2015 insgesamt 64 Todesopfer.

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