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Vereine hängen in der Luft: Finanzkrise bedroht den Rüsselsheimer Kultursommer

Von Ob es im kommenden Jahr wieder einen Kultursommer in Rüsselsheim geben wird ist derzeit offen. Den Vereinen fehlt Planungssicherheit, der Stadt Geld. Nun droht diese unbefriedigende Situation erste Konsequenzen nach sich zu ziehen.
Windstärke 12 spielt im Festungshof beim Rüsselsheim Kultursommer. (Archivbild) Foto: Charlotte Martin Windstärke 12 spielt im Festungshof beim Rüsselsheim Kultursommer. (Archivbild)
Rüsselsheim. 

Die grobe Planung steht, erste Gespräche hat Regine Schröder-Kracht auch schon geführt. Mit dem „Verdammten Volkstheater“ will sie im kommenden Jahr endlich mal wieder unter freiem Himmel spielen. Im Waldbembelsche im Rüsselsheimer Ostpark, ein Stück für die ganze Familie im Rahmen des Kultursommers. „Wir müssen jetzt mit der Arbeit anfangen, sonst rennt uns die Zeit davon“, sagt die Theatermacherin.

Vereine und Kultur

Und genau da liegt das Problem: Ob im kommenden Jahr Fördermittel für Projekte im Rahmen des Rüsselsheimer Kultursommers fließen können steht in den Sternen. Unter der vorläufigen Haushaltsführung sind freiwillige Leistungen für die Stadt tabu. Und das sind eben in vielen Fällen Fördermittel für Vereine und die Kultur.

Kultursommer Kommentar: Drohende Blamage

Wenn Rüsselsheim ein Pfund hat, mit dem es wuchern kann, dann ist es die aktive und äußerst umtriebige Vereinslandschaft. Doch dies will auch gepflegt werden.

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Üblicherweise werden die ersten Gespräche über den Kultursommer zwischen der Stadt und den Vereinen im Oktober oder November geführt. Schließlich brauchen die Organisatoren der einzelnen Programmpunkte frühzeitig Planungssicherheit. Sie müssen wissen ob, und wenn ja, wie viel Geld es für ihre Ideen von der Stadt gibt. „Eigentlich hätten wir gerne auch in diesem Jahr schon das erste Mal mit den Vereinen zusammengesessen“, sagt Bürgermeister und Kulturdezernent Dennis Grieser (Grüne). Geklappt hat das bisher nicht. Und zwar weil er schlicht nicht wisse, was er den Vereinen sagen soll. „Ich muss sie hinhalten. Das ist frustrierend, weil mir als Kulturdezernent die Hände gebunden sind“, sagt Grieser.

Regine Schröder-Kracht und ihr „Verdammtes Volkstheater“ pflegen notgedrungen das Prinzip Hoffnung. oto: Göckes Bild-Zoom Foto: Robin Göckes
Regine Schröder-Kracht und ihr „Verdammtes Volkstheater“ pflegen notgedrungen das Prinzip Hoffnung. oto: Göckes

In seinem Dezernat sei eine Liste erstellt worden, in welcher etwa auch die Förderung des Kultursommers auftaucht. Diese sei auf der Grundlage einer neuen Dienstverordnung dem Oberbürgermeister und Stadtkämmerer Patrick Burghardt (CDU) zugegangen. „Vor rund zwei Wochen“, sagt Grieser, der nun auf das Tempo drückt. „Jede Woche, in der die Vereine nicht wissen, ob sie mit Geld rechnen können, geht uns verloren. Früher oder später wird sich das Thema leider von selbst erledigen.“

„Schwierige Situation“

Auch der sagt, dass er die aktuelle Situation als unbefriedigend empfindet. „Wir müssen jeden einzelnen Punkt prüfen und besprechen, was wir machen können und was nicht“, sagt Burghardt. Mit den freiwilligen Leistungen – wie etwa Fördergeldern für Projekte zum Kultursommer – sei es derzeit eine schwierige Situation. „Das ist so ein klassischer Fall. Da gibt es keine vertraglichen Verpflichtungen, weil jedes Jahr neue Verträge gemacht werden.“

Hintergrund: Forderung nicht erfüllt

Die Stadt unterliegt der vorläufigen Haushaltsführung, nachdem der Forderung des Regierungspräsidiums Darmstadt nach Einführung einer Straßenbeitragssatzung durch die Stadtverordneten mehrheitlich nicht entsprochen wurde.

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Problematisch könnte die Situation aber nicht nur für einzelne Projekte werden, deren Förderung unsicher ist. Im Grund liegt derzeit fast die gesamte Vereinsförderung auf Eis – zumindest immer dann, wenn es keine vertraglichen Verpflichtungen gibt. Sportvereine sind davon betroffen, aber auch Kulturvereine. Sabine Schaplowski, die erste Vorsitzende des Stadtverbands der kulturellen Vereine in Rüsselsheim betrachtet die Entwicklung mit Sorge. „Einige unserer Mitgliedsvereine rechnen im Grunde fest mit Fördergeldern, die beantragen jedes Jahr etwas“, sagt sie. Blieben die Fördermittel nun aus, würde das viele treffen. „Ich glaube, vielen Vereinen ist die derzeitige Situation noch nicht so richtig bewusst geworden. Oder sie nehmen sie noch nicht so richtig ernst“, vermutet Schaplowski.

Regine Schröder-Kracht ist da schon einen ganzen Schritt weiter. Sie nimmt die aktuellen Probleme sehr ernst. „Aber wir müssen ja weitermachen, sonst kommen wir bis zum Sommer einfach nicht durch.“ Sie plant also notgedrungen derzeit erst einmal einfach so, als würde es auch diesmal wieder Fördergelder geben. Was ihr bleibt, ist die Hoffnung.

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